Dreimal ist Schiffrecht! Das galt sicherlich für dieses Solokonzert der Harfenistin Anneleen Lenaerts in Kapellen, organisiert durch die Davidsfonds. März 2020 war das eigentliche Datum, aber 'dann passierte etwas', wie der Vorsitzende es ausdrückte, und das Konzert wurde drei Mal verschoben. Samstagabend, 8. Januar 2022, war es dann endlich soweit. Heiß ersehnte Karten waren bereits Wochen zuvor ausverkauft. Engagierte Konzertbesucher hatten immer wieder das neue Datum in ihren Kalender reserviert.
Anneleen Lenaerts spielte ein einstündiges Solorezital mit Repertoire von ihrem neuen Album Vienna Stories. Vor bereits zehn Jahren begann für die damals gerade ausgebildete Lenaerts die Karriere ihrer Träume. Sie wurde zu ihrer großen Überraschung als Soloharfenistin bei den Wiener Philharmonikern aufgenommen. Das Album Vienna Stories ist eine Art Spiegelbild ihrer musikalischen Abenteuer der vergangenen Jahre in Wien. Sowohl von verschiedenen Opern, in denen die Harfe eine wichtige Rolle spielt, als auch von sinfonischen Werken, an die Lenaerts besondere Konzerterinnerungen hat.
Vorher wurde angekündigt, dass Lenaerts zwischen den Stücken keine Erklärungen geben würde. Schade, aber der Grund dafür ließ sich bald erraten: Es war kalt in der Sint-Dionysiuskerk. Die Besucher behielten ihre Jacken an, und zwischen den Stücken konnte ein aufmerksames Auge sehen, wie Lenaerts ihre Hände rieb, um sie warm zu halten.
Der Abend begann mit Zabels Fantasie über Themen aus Faust von Gounod. Lenaerts beeindruckte mit ihrer technischen Präzision. Man merkte, dass sie sich völlig bewusst war, was der Komponist bezweckte. Alle Melodielinien wurden stilbewusst und bis ins kleinste Detail gepflegt dargeboten.
Darauf folgte "Walthers Preislied" aus Wagners Oper Die Meistersinger, in einer Bearbeitung von Hans Trnecek. Lenaerts zeigte ihre Kunst, alle in die wunderschönen Sängerlinien des Stückes einzubeziehen. Es war, als würden ihre Finger in tiefen Tönen zum Publikum singen.
Das Programm setzte sich fort mit einer von Lenaerts selbstgeschriebenen Fantasie über La Bohème von Puccini. Eine Tradition bei einflussreichen Harfenisten im frühen 19. Jahrhundert, um so die technischen Möglichkeiten ihres damaligen 'neuen' Doppelpedal-Instruments zu zeigen und das begrenzte Repertoire zu erweitern. Wiederum wunderbare Melodielinien und kristallklare Arpeggios. Selbst das Pianissimo-Spiel drang in der riesigen Kirche bis ins Mark vor.
Bei Die Moldau von Smetana, wiederum in einer Bearbeitung von Hans Trnecek, spielte Lenaerts alle Flussläufe mit solcher Eleganz, dass es schien, als würde es ihr überhaupt keine Mühe kosten. Nach dem Spiel erschien während des Applaus ein breites Lächeln auf ihrem Gesicht. Es verriet vielleicht ein wenig, dass die Harfenistin froh war, diesen anspruchsvollen Kaskaden-Kracher virtuos zu Ende gebracht zu haben.
Als Abschluss zwei eigene Bearbeitungen. "Lied an den Mond" (aus Rusalka) von Dvořák, in der die Harfenistin mit der emotionalen Melodie rührte. Und Les Préludes (S97) von Liszt, wo Lenaerts die intensiven, dunklen Klangfarben in den Tiefen ihres Instruments wunderbar zum Klingen brachte.
Nach einer stehenden Ovation kehrte Lenaerts für eine Zugabe auf die Bühne zurück. Plötzlich zeigte sie sich von einer ganz anderen Seite und es flogen Pedal-Slides, Nail-Glissandos und Jazz-Timing um unsere Ohren. Nach unserer 'Reise' entlang von Lenaerts' zehnjährigem Jubiläum in Wien war dies ein erfrischender Abschluss. Die Harfenistin hat offensichtlich noch ganz andere Qualitäten im Angebot!
Informationen
- WER: Anneleen Lenaerts (Harfe)
- WAS: Solorezital mit Werken/Bearbeitungen von unter anderem Albert Zabel, Wagner/Trnecek, Smetana/Trnecek und Lenaerts selbst
- WO: Sint-Dionysiuskerk, Kapellen
- WANN: Samstag, 8. Januar 2022