Zum Inhalt springen
Automatisch übersetzt · Original
Rezensionen

'ANNIE', funkelndes Familienmusical

V
· 4 Min. Lesezeit
Diesen Artikel teilen
'ANNIE', funkelndes Familienmusical
© Steven Hendrix

Diese Musical stand 1977 zum ersten Mal auf der Bühne des Broadway. Annie ist inzwischen ein Klassiker geworden und hat sich im Laufe der Jahre zu einer Feelgood-Produktion entwickelt. Natürlich kann man so etwas immer verderben. Das ist hier sicherlich nicht der Fall.

Backstage Producties präsentiert ein Schmuckstück, alles stimmt: ein Top-Ensemble, Musik, Bühnenbild, Kostüme, Choreografien. Einzeln betrachtet sind dies Elemente, die sich zu einem herzerwärmenden Ganzen zusammenfügen. Eine Produktion, die das Publikum mit einem schlichten, aber dennoch genialen Bühnenbild in das pulsierende New York der 1930er Jahre zurückversetzt. Was auch so schön ist: Es ist eine generationenübergreifende Aufführung, in der Jung und Alt glänzen.

Der Anfang der Aufführung ist verspielt und setzt sofort den Ton: Eine Menge Kinder in Lumpen gekleidet betreten lautstark den Saal und kriechen ungeniert unter den Vorhang. Wenn der Vorhang aufgeht, sitzt man im tristen Schlafsaal eines Waisenhauses.

Regisseur Jaak Lema verstand es, alles richtig zu inszenieren: was Saures und was Süßes, das triste Bild der Armut neben dem exuberant farbenfrohen Interieur des Magnaten Oliver Warbucks, ruhige Momente neben dynamischen, Geiz gegenüber Großzügigkeit. Es gibt eine schöne Abwechslung mit Ensemblesang, nur die Kinder oder das Ensemble, einige Männer oder Frauen und dann natürlich die schönen Soli.

Die psychologischen Porträts werden kraftvoll gezeichnet: Da ist die gemeine Direktorin des Waisenhauses, Miss Hannigan, die die Flasche viel zu gerne sieht, fantastisch dargestellt von Tine Embrechts. Kein subtiles humoristisches Rankenwerk, aber auch nicht übertrieben. Es ist ein Balanceakt auf einem lockeren Seil, aber sie bleibt perfekt im Gleichgewicht. Sie setzt die betrunkene Direktorin treffend um, bleibt elegant aber in der verwahrlosten Version. Ständig unter Einfluss, in einem leichten Rausch, taumelt sie unsicher auf den Beinen. Eine desillionierte Frau und herzloses Ungeheuer. In ihrem Leben bleibt wenig Platz für Wärme oder Zuneigung. Ihr einziger Zeitvertreib ist es, romantische Hörspiele im Radio zu hören. Tine Embrechts erobert die Szene. Ihre Darstellung ist urkomisch, Gesang und Tanz beeindruckend.

Die liebenswerte Annie, charmant dargestellt von Elise Lagrou, ist keine Angsthase, sondern eine Draufgängerin. Als Findling landete sie im von Miss Hannigan betriebenen Waisenhaus. Luxus oder Wärme sind Mangelware. Unter den Kindern herrscht große Kameradschaft. Ihre Einfühlung, ihr Gesang, ihre Tanzfreude und Spielfreude ist herzerwärmend. Armut ist viel mehr als kein Geld zu haben, keinen Zugang zu Wissen und Schule, andere soziale Klassen… Annie will weg von der Tyrannei der Miss Hannigan, mit Hilfe ihrer Freundinnen kann sie fliehen. Sie kümmert sich um einen Straßenhund. Ihr Fluchtversuch und die Suche nach ihren Eltern schlagen fehl. Sie wird von einem Polizisten aufgegriffen und an Miss Hannigan zurückgebracht. Aber dann wendet sich das Blatt.

Die Sekretärin von Oliver Warbucks, Grace Farell, sucht ein Waisenkind, um die Weihnachtszeit bei dem reichen Geschäftsmann zu verbringen. Er möchte seinen Reichtum mit jemandem teilen, der weniger privilegiert ist. Zufälligerweise ist Annie gerade in Miss Hannigans Büro. Es entsteht eine Art sofortige Sympathie zwischen ihr und der Sekretärin, auf liebevolle Weise verkörpert von Free Souffriau. Die glamouröse Welt, in die sie gelangt, ist völlig neu für Annie. Sie erlebt dort auch die Geborgenheit warmer und liebevoller Arme um sich. Annie ist entwaffnend, nicht nachtragend, sondern liebevoll. Die Hälfte eines Medaillons und ein Zeitungsausschnitt, dass ihre Eltern sie suchen, geben ihr Hoffnung.

Allmählich wächst eine besondere Bindung zwischen dem älteren Mann und Annie, zumal es Parallelen zu seinem eigenen Leben gibt. Vom Waisenkind zum Milliardär aufgestiegen: der Amerikanische Traum. Inmitten all des Trubels und der Hektik sorgt Lucas Van den Eynde mit seinem tiefen, warmen Stimmklang für beruhigende Momente. Er möchte sie adoptieren. Trotz all des Komforts träumt Annie weiterhin von einer Wiedervereinigung mit ihren biologischen Eltern. Sie wird dabei auf altruistische Weise von Oliver Warbucks unterstützt, der eine große Belohnung auslobt, um sie zu finden. Sogar der Präsident der USA, Roosevelt, wird eingeschaltet. Die heuchlerischen Fassaden und die doppelte Moral von Miss Hannigan und ihrem Bruder werden am Ende abgerissen. Die kleine Schauspielerin Elise Lagrou singt sauber und ist voller Charme in den ikonischen Nummern „Morgen" und „Ein schweres Leben".

Die Schauspieler skizzieren die Charaktere und ihren Charakter haarscharfen. Ende gut, alles gut. Diese Familienmusical… Ein absolutes Muss.

Tags festival
Diesen Artikel teilen

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste, der kommentiert.

Kommentar hinterlassen

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.

DE