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Bending Bridges

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Bending Bridges

Voor wie ze nog niet kent Antanjula – wat „Brücke ins andere Land" bedeutet – ist ein junges und engagiertes Musikduo von Anfang zwanzig, bestehend aus dem Belgier Theo Carpentier und der Deutschen Angela Ambrosini. Sie arbeiten sich mit intimen Eigenkomposition in den Vordergrund, beeinflusst von verschiedenen Stilrichtungen.

Mit Violine und Nyckelharpa bestreiten sie eine nicht so häufig anzutreffende Kombination. Sie lernten sich bei einem Kurs an der deutschen Burg Fürsteneck kennen und spielen seither ununterbrochen zusammen.

Nyckelharpa

Die Nyckelharpa ist heute ein ziemlich seltenes Instrument. Bis zum späten 15. Jahrhundert war dieses spezielle Instrument allerdings in West- und Südeuropa weit verbreitet, geriet dann aber in Vergessenheit. Nur in Schweden hat das Instrument überlebt. Angela Ambrosini hat ihr Herz daran verschenkt. Mit 13 Jahren nahm sie als Musikerin und Komponistin am Projekt ENCORE (European Nyckelharpa Cooporation Orchestral Experience) teil. In diesem Jahr gab sie ihre erste Konzerttournee in Frankreich mit dem Ensemble von Lucilla Galeazzi. Sie hat seither auf Bühnen in Deutschland, Italien und Estland gespielt.

Theo Carpentier studierte Violine am Lemmensinstituut. Seine Liebe zu diesem Streichinstrument ist so groß, dass er sich auch der Barockvioline und Volksmusik widmet. Für Bending Bridges, ihre erste Produktion, wurden die Reihen durch den Tänzer/Choreographen Robson Ledesma verstärkt, der auch bei P.A.R.T.S. aktiv ist.

Aus der Dunkelheit...

... erklingt der eigenartige Klang der Nyckelharpa. Nach wenigen Akkorden gesellt sich die Violine zum recht schrillen Klangkörper hinzu. Auf einer dunklen Bühne zeichnet sich eine Mondsichel ab, geformt durch den Schatten eines runden Podiums mit einer weißen Linie in der Mitte. Wenn die Lichtintensität zunimmt, begeben sich die drei Protagonisten auf die kleine, runde Spielfläche. Der Tänzer legt sich hin. Die Musiker spielen.

Die drei Protagonisten befinden sich auf einer langsam rotierenden Bühne und positionieren sich einander gegenüber. Obwohl die Spielfläche klein ist, gibt es keine Verbindung. Drei für sich allein stehende Individuen, einsame Seelen. In der Arena des Lebens – die Wettkampfplatz wie Bühne zugleich sein kann – treffen sich zwei Bilder aufeinander. Wie man sich selbst sieht (Identität) und wie andere einen sehen (Image). Der Unterschied zwischen Identität und Image führt oft zu Spannungen und Konflikten, kann aber auch der spannende Anfang eines Dialogs sein.

Dieses Pingpong findet eigentlich täglich statt. Manchmal verlierst du deine Identität an das, was du zu sein glaubst, durch die Augen anderer. Du kannst dich auch in deinem Image verlieren. Nicht mehr wissen, was von innen heraus kommt, weil so viele Impulse von außen auf dich einwirken. Es ist ein bisschen wie Seiltanz. Du versuchst eigentlich ständig, dein Gleichgewicht zwischen Innerem und Äußerem zu finden. Das ist zunächst ein Dialog mit dir selbst und auch mit all den anderen. Eine mentale Schatzkiste eigentlich. Das Sichere und Vertraute zu verlassen für das Unbekannte, das Entdecken des Anderen und der Welt.

Tanzen in Richtung des Unbekannten

Die Bühne ist und bleibt ein unerschöpfliches Reservoir von Inspiration und Magnetismus. Kunst, die aus Übung oder reiner Improvisation geboren ist. Ist der Tänzer erst zufrieden mit seinem Platz auf dem kleinen, intimen Eiland, wird er bald neugierig auf den Raum drum herum. Er greift nach dem Unbekannten. Tastet den Raum ab. Allmählich wächst doch das Interesse, die Aufmerksamkeit füreinander, und der Tänzer wagt sich auch über die runde Spielfläche hinaus, angefeuert durch die spielerischen Klänge des Streicherduo.

Robson Ledesma ist ein Tänzer mit einem starken und flexiblen Körper. Mit Musikalität auch, wodurch er die Noten quasi instinktiv interpretiert. Die einfache Schönheit seiner fließenden Gesten spricht an. Allmählich dimmt das Licht. Die Spieler werden in die sanfte Dunkelheit der Sicherheit gehüllt.

Die Uraufführung der interdisziplinären Performance Bending Bridges fand am 1. Mai im Concertgebouw Brugge statt und war per Streaming zu sehen. Das letzte Juni-Wochenende war die Produktion auf Tournee und machte Halt in Antwerpen, Gent und Turnhout. Ein respektabler Versuch als erstes Werk, aber das Ganze wirkt etwas mager, vermisst Tiefe und Funke.


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