Musikinstrumente aus dem Vleeshuis (Antwerpen) und MIM (Brüssel) werden zum Leben erweckt. Gleich fünf verschiedene Antwerpse Virginale und Cembali nach dem Vorbild von Joannes Ruckers, Andreas Ruckers und Joannes Couchet sind auf der neuen CD Ruckers Me Fecit Antverpiae von Mario Sarrechia zu hören. Mit diesen historischen Instrumenten skizziert der Cembalist eine musikalische Landschaft des Antwerpens des 17. Jahrhunderts.
Das Museum Vleeshuis und Snijders&Rockoxhuis gingen für das Projekt 'Antwerpen Klavecimbelstad' zusammen vor. Die CD Ruckers Me Fecit Antverpiae, aufgenommen in der Antwerpser Begijnhofkerk, ist der Startschuss ihrer neuen Zusammenarbeit. Für diese CD durchsuchten sie gemeinsam mit dem belgischen Cembalisten Mario Sarrechia die Archive. Auf der Suche nach Musik aus der Zeit 1560-1660, dem Goldenen Zeitalter des Antwerpser Cembalobaus, fanden sie die umfangreiche Korrespondenz der Familie Duarte und über sie. Es war eine außergewöhnlich musikalische Familie, die kurz vor 1575 nach Antwerpen zog. Sie würde mindestens fünf Tasteninstrumente in ihrem Haus gehabt haben und waren gute Freunde der berühmten Antwerpser Cembalisten Ruckers-Couchet.
Die Hauskonzerte der Familie Duarte bildeten die Grundlage für das Programm der CD. Ein bemerkenswert europäisches Repertoire erklang bei den Antwerpser Musikliebhabern. Neben eigenen Kompositionen der Duartes (die leider nicht erhalten geblieben sind) wurden Werke von John Bull (ca.1562-1628, England), Girolamo Frescobaldi (1583-1643, Italien), Johann Jakob Froberger (1616-1667, deutschsprachige Gebiete) und Michel Lambert (1610-1696, Frankreich) gespielt.
Neben dem Repertoire, das in der Familie Duarte zirkulierte, sind auf der CD auch Werke von Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621, Niederlande) zu hören. Sweelinck reiste 1604 nach Antwerpen, um dort ein Ruckers-Cembalo zu kaufen. Seine Musik erklang also vermutlich auch in der Stadt. Die CD wurde weiter mit anonymen Kompositionen aus dem Klavierhandschrift Susanne van Soldt (1599) ergänzt.
Basierend auf der Struktur der Hauskonzerte bei den Duartes erarbeitete Mario Sarrechia ein Programm. Klavierwerke wechseln sich mit Lautenlieder für die nötige Abwechslung ab. Sopranistin Lieselot De Wilde und Lautenist Justin Glaie bringen neben den traditionellen Lautenliedern auch gemeinsam mit Sarrechia Bearbeitungen für Stimme und Virginal sowie Laute und Cembalo.
Die CD eröffnet mit einem feierlichen Werk, dem Brande champanje [track 01] aus dem Klavierhandschrift von Susanne van Soldt. Sarrechia bringt diese Komposition auf zwei verschiedenen Instrumenten, einem Virginal und einem Ottavino (Kind-Virginal), die zusammen als "Mutter und Kind"-Virginal verwendet werden können. Ihr Unterschied in der Klangfarbe ist eine angenehm verspielte Interpretation von Sarrechia.
Als Kontrast folgt nach dem fröhlichen, instrumentalen Tanz eine eher eingezogene Komposition für Stimme und Laute. Dont vient cela [track 02] ist ein Lautenlied des französischen Komponisten Claudin De Sermisy (c.1495-1562). Der Text stammt von einem der bekanntesten Dichter seiner Zeit, dem produktiven Clément Marot (1496-1544). Viele seiner Gedichte wurden vertont, besonders von De Sermisy. Der Komponist schien eine Vorliebe für Marots Poesie zu haben. Lieselot De Wilde singt den Text in geschmackvoller Schlichtheit und arbeitet mit der Akustik der Kirche. Bei anschwellenden Noten lässt sie ihre Stimme den Raum erfüllen. Auch bei schnelleren Liedern wie Ung gay bergier [track 06] versteht es De Wilde, diese Synergie zu bewahren.
Eine schwächere Interpretation ist Sweelincks Pavana Hispanica [track 13] durch Glaie und Sarrechia. Die Bearbeitung für Laute und Cembalo bietet keinen Mehrwert gegenüber dem Original. Die Laute wird vom Cembalo so überwältigt. Das Zupfen von Glaie geht völlig verloren. Es ist schwierig, die Instrumente zu isolieren, dennoch sorgt die Laute an manchen Stellen für eine wärmere Klangfarbe. Wenn die Absicht war, mit Klangfarbe zu spielen und den metallischen Klang des Cembalos zu wärmen, geht diese Absicht leider verloren.
Es ist deutlich, dass viel Aufmerksamkeit auf Forschung und die Gestaltung des Programms gelegt wurde. Die Geschichte durch die CD ist klar zu verfolgen und am Ende ist der Kreis geschlossen. Die CD endet in derselben Atmosphäre, wie sie beginnt. Sarrechia endet mit der Kombination von Virginal und Ottavino mit dem energischen, instrumentalen Tanz Pavane dan Vers [track 26]. Der tänzerische Charakter der Pavane steht deutlich im Vordergrund. Man kann die Tanzschritte direkt mitdenken. Eine großartige Interpretation zum Abschluss.
WER: Mario Sarrechia [Cembalo], Lieselot De Wilde [Sopran], Justin Glaie [Laute]
WAS: Ruckers Me Fecit Antverpiae
LABEL: Etcetera (KTC1755)
BESTELLEN: JPC