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Bekannte und unbekannte amerikanische Streichquartette: Dvorák, Crawford und Price

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Bekannte und unbekannte amerikanische Streichquartette: Dvorák, Crawford und Price
© Paulina Matusiak & Eddy Wenting, Festival 20·21

Streichquartette eines vorübergehenden Einwanderers und zweier gebürtiger Amerikaner, ein Mann, zwei Frauen. Es sind Antonin Dvorák, Ruth Crawford Seeger und Florence Price. Letztere erhielt erst vor kurzem Aufmerksamkeit als weibliche Komponistin. Und mit dieser Aufmerksamkeit kam auch Crawford in den Fokus. Alle drei auf der Suche nach amerikanischer Musik. Nach einer "nationalen" Musik, wie Dvorák sie für seine tschechische Volksmusik in den Blick gebracht hatte. Keine Herren im schwarzen Anzug auf der Bühne dieses Mal, sondern vier farbig gekleidete Frauen: das niederländische Ragazze Quartet ("Mädchen").

Dvoráks "amerikanisches" Streichquartett ist eines seiner bekanntesten Ergebnisse seines Aufenthalts in diesem Land. Das ganze Quartett hindurch scheint mir es wunderbar von der Bratsche und dem Cello getragen zu sein, sie erzeugen jedenfalls die schönsten Klänge. Im zweiten Teil kommt die erste Geige deutlicher zur Geltung. Wie könnte es anders sein, wenn man diese mitreißenden Melodielinien interpretieren muss, aber auch hier wieder lieblich unterstützt von Bratsche und Cello. Lustiger und verspielter wird es im Molto vivace und auch offener. Und das bekommt eine noch amerikanischere Fortsetzung. Im Finale lassen die Streicher nämlich auch etwas Country-Musik durchklingen. Wir sehen und hören fast echte "fidlers on the roof" am Werk.

Das "Streichquartett 1931" von Ruth Crawford Seeger war als "modernistisch" angekündigt. So klang es auch gleich mit dissonantem Einsatz. Amerikanische Musik? Eher europäische Avantgarde-Idiomatik, ohne Zweifel unter dem Einfluss ihrer Reise auf diesen Kontinent. Stellenweise klagende lange Melodielinien, viel Frage- und Antwortspiel, zügig ineinander greifend und mit überraschend viel Arbeit für die erste Geige, ständig wechselndes Tempo, fast durcheinander. Sicher auch beeinflusst durch die Theorien ihres späteren Mannes Charles Seeger über den "dissonanten Kontrapunkt". Ihre Liebe zur Volksmusik gab sie erfolgreich an ihren bekannteren Sohn Pete Seeger weiter, der in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts zahlreiche Folksongs und Protestlieder schrieb. Das Ragazze Quartet war stolz, dieses ihnen relativ unbekannte Werk erstmals auf dem Leuven Festival 20-21 spielen zu können. Passender konnten sie die Ziele dieses Festivals nicht erfüllen.

Mit der Wiederentdeckung des Werkes von Florence Price befinden wir uns wieder ganz in der amerikanischen Klangwelt. Noch mehr: Die Eröffnung ihres Zweiten Streichquartetts klingt fast klassisch Dvorákisch, mit deutlichen Zitaten oder Variationen seiner "Neuen Welt". Aber bei ihr klingt ziemlich schnell das offene amerikanische musikalische Idiom durch und im dritten Teil wird es dann wirklich amerikanisch mit sogar jazzigen Bluenotes und Swing-Elementen bis hin zu Rhythm-and-Blues-Sounds. Und das ist gerade die Stärke dieses Leuven Festival 20-21, "jenseits der Grenzen des Vergnügens".

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