Zum Inhalt springen
Automatisch übersetzt · Original
Rezensionen

Belgische Romantik am Klavier

H
· 6 Min. Lesezeit
Diesen Artikel teilen
Belgische Romantik am Klavier

Heute startet die Woche der Belgischen Musik erneut. Komponisten und Künstler aus dem eigenen Land stehen dabei im Fokus. Diesen ersten Tag widmen wir hier bei Klassiek Centraal der "Belgischen Romantik am Klavier". Mit fünf Komponisten und zwei neuen Alben erkunden wir ein Jahrhundert Klaviermusik.

Naruhiko Kawaguchi — Co-Gewinner des MA Wettbewerbs 2016 — präsentiert auf dem Pianoforte flämische Klaviermusik aus der Romantik. Sein Album Au clair de la lune entstand in Zusammenarbeit mit dem Studienzentrum für Flämische Musik, und Jan de Wilde vom SVM schrieb den Text im Booklet. Das Ergebnis umfasst bekannte und weniger bekannte Namen. So wird Peter Benoit (1834-1901) von drei weiteren Komponisten begleitet.

Kawaguchi eröffnet sein neues Album mit Musik von Charles Louis Hanssens (1802-1871). Sein Concerto pour le piano forte (1839) erklingt hier in einer Bearbeitung für Klavier und Streichquintett. Diese Bearbeitung wurde vom Komponisten selbst vorgenommen, wie es die Mode der Zeit vorsah. Diese Kammermusikversion veranschaulicht die zarte, Chopin-ähnliche Virtuosität und bringt das Konzert in die Salons. Das Konzerto ist in einem Satz durchkomponiert und die Teile gehen organisch ineinander über. Hanssens zeigt sich als Meister brillanter Melodien mit Variationen. Hanssens war ein führender Komponist bei der Gestaltung der belgischen Musiklandschaft und dieses Konzerto zeigt, wie er zu diesem Status gelang.

Von einem großen Namen zu einem anderen. Nach Hanssens folgen drei Werke von Benoit. Eines dieser Werke ist Troisieme fantaisie op.18 (1860) [track 03]. In dieser Fantasie hören wir einen Musikstil, der bei weniger bekannten Zeitgenossen Echos findet. Der Kontrast zwischen hämmernden Passagen, unterbrochen durch federleichte Lyrik, erklingt auch in Au clair de la lune. Impromptu op.17 (1866?) [track 06] von Philippe Vanden Berghe (1822-1885). Dieser dynamische Zugang erinnert an die barocke Terrassen-Dynamik, aber die klingende Harmonik ist unverkennbar romantisch. Er verleiht der Musik Vitalität und Kraft.

Die Caprice sur la romance flamande (vor 1855) [track 05] ist das Herzstück dieser CD. Das Werk stammt von Jean Vanderheyden (1823-1889), einem Schüler von Pierre Zimmerman, der unter anderem auch Charles Gounod und César Franck unterrichtete. Vanderheyden komponierte hauptsächlich für das Wohnzimmer und brachte größere Gattungen in Bearbeitungen in den Salon. Das gewählte Caprice ist hier ein schönes Beispiel dafür. Es besteht aus Variationsreichtum über das flämische Liedchen Roosje uit de dalen des Antwerpener Carillonneurs Jan Frans Volckerick (1815-1897). Die Möglichkeit bei diesem Werk liegt im Gleichgewicht zwischen Lyrik und virtuosem Spiel. Kawaguchis Interpretation ist geschmackvoll und intim. Perfekt für eine Salons-Einstellung.

Der Pianist Ivan Ilić präsentierte Musik von jenseits der Sprachgrenze. Er stellt ein Album voller Klavierpräludien des wallonischen Komponisten Joseph Jongen (1875-1953) vor. Dieser Lütticher Komponist schrieb während seines Lebens ein beeindruckendes Œuvre zusammen. Aber heute kommen nur noch wenige seiner Partituren zum Vorschein. Möglicherweise weil er weniger Einfluss hatte als sein Lütticher Kollege César Franck. Eine fehlerhafte Argumentation beweist Ilić mit diesem Album.

Jongen komponierte sechs Opus an Präludien, darunter zwei Sammlungen: 13 Préludes, Op.69 (1922) und 24 Petits Préludes dans tout les tons, Op.116 (1940-41). Die erste Sammlung von 1922 markiert einen wichtigen Wendepunkt in Jongens Kompositionsstil. Seine frühen Werke zeigen nämlich einen großen Einfluss von Fauré. Aber ab 1922, ab dieser Präludien-Sammlung, scheint Jongen seine eigene Stimme und seinen eigenen Stil gefunden zu haben.

Die Überschrift "Inquiétude" ist sicherlich nicht falsch gewählt für das erste Präludium. Der ständige Notenstrom in der rechten Hand und die schnellen Akkorde in der linken Hand verleihen diesem Teil einen unruhigen Charakter. Auch das ungewöhnliche Metrum von 5/4 (manchmal unterbrochen durch eine 3/2-Erweiterung) gibt dem Ganzen ein unbehagliches Zeitgefühl. Es folgt immer eine Gruppe von Noten zu viel. Kein Bravourstück mit beeindruckender Virtuosität eröffnet diese Sammlung. Dennoch ist dieser Opener sicherlich technisch ebenso anspruchsvoll. Um nicht zu sagen, anspruchsvoller. Der Pianist darf sich nicht in dem instabilen Verlauf der Musik verlieren, sondern muss sein inneres Metronom nutzen, um das Maß zu halten.

Der Stilkontrast zu anderen Präludien, einschließlich Nr. 5 "Eau tranquille", ist groß. Dennoch gibt es Merkmale, die wiederkehren. Die rechte Hand wird durch einen konstanten Strom paralleler Terzen gekennzeichnet, die das Wasser zum Klingen bringen. In der linken Hand erklingt ein Arpeggio (schnelle Akkordnoten hintereinander), worauf eine Note des Akkords wie ein Puls wiederholt wird. Auf andere Weise schafft Jongen hier rhythmische Diskrepanz. Anstatt einen Akzent zu setzen, um so viele Taktschläge zu zählen, verschiebt er den Akzent ständig. Als Hörer verlierst du einen Ankerpunkt in der Zeit. Der launische Weg des Wassers kommt so zum Leben. Wieder ist es nicht so sehr die Virtuosität, die die Herausforderung für den Pianisten darstellt, sondern das Mithalten dieser Verschiebungen, damit er selbst nicht verloren geht.

Vielleicht das virtuoseste Präludium aus dieser Sammlung ist Nr. 11 "Papillons noirs". Dieses Präludium eröffnet mit einem aufmerksamkeitserregenden Akkord, worauf das Spiel beginnt. Die rechte Hand bewegt sich von links nach rechts über die Tasten hin und her, während die linke Hand den Notenstrom mit Akkorden unterstützt.

Mit dem zweiten Zyklus auf diesem Album bringt Ilić auch Jongens späteren Stil in den Vordergrund. Mit 24 Präludien in allen Tonarten schließt sich Jongen an eine musikalische Tradition an, die Inspiration in Das wohltemperierte Klavier von J.S. Bach fand. In der Romantik war es üblich geworden, stets nach der Vorzeichen zu arbeiten (z.B.: C-Dur gefolgt von a-Moll). Unter anderem Chopin und Schostakowitsch organisierten ihre Zyklen auf diese Weise. Jongen greift jedoch auf die Gliederung von Bach zurück und stellt die gleichnamigen Tonarten zusammen (z.B.: C-Dur gefolgt von c-Moll).

Auch auf andere Weise greift Jongen auf Musik seiner Vorgänger zurück, besonders auf die Barockmusik. Formen wie die Kanone (Nr. 5), die Fughetta (Nr. 8) und die Sarabande (Nr. 14) halten Einzug. Auch weniger bekannte Gattungen wie der spätsiebzehnten-Jahrhundert provenzalische Volkstanz Rigaudon (Nr. 13) nimmt Jongen in diesen Zyklus auf. Mit Aufmerksamkeit für Phrasierung, Intonation und Akzentuierung bringt Ilić diese Präludien geschmackvoll zum Erklingen.

WER: Naruhiko Kawaguchi [Klavier], Mitglieder des Orchestra of the Eighteenth Century (Track 01: Sophie Wedell & Franc Polman [Violine], Yoshiko Morita [Viola], Albert Brüggen [Cello], Maggie Urquhart [Kontrabass])

WAS: Au clair de la lune - Flemish Romantic Piano Music

LABEL: Et'cetera KTC1718

BESTELLEN: JPC

WER: Ivan Ilić [Klavier]

WAS: Jongen: Préludes

LABEL: Chandos CHAN20264

BESTELLEN: JPC

Diesen Artikel teilen

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste, der kommentiert.

Kommentar hinterlassen

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.

DE