Musik als Experiment... Mit „Wissenschaft" als thematischem roten Faden findet vom 18. November bis 2. Dezember die neue Ausgabe von Ars Musica statt, seit Jahren der Brennpunkt für neue und zeitgenössische Musikwerke. Der aussagekräftige Titel dieser Ausgabe lautet BIG SCIENCE, mit einem Programm, das von computergesteurter Klangforschung bis zu Überlegungen über den Kosmos reicht. Die Wissenschaft erweist sich immer wieder als ergiebige Inspirationsquelle für zahlreiche neue musikalische Kreationen. Während der Konzerte, die dieses Jahr geplant sind, träumst du mit offenen Augen und steigst in die verblüffende Tiefe unserer Vorstellungskraft hinab, mit Laurie Anderson, Georges Aperghis, Brian Eno, David Krakauer, Martin Matalon, Jean-Luc Fafchamps oder Philip Glass... Dieses einzigartige Festival hat ungezwungene musikalische Entdeckungen zu seinem Markenzeichen gemacht und lässt dich gerne daran teilhaben!
Der Titel BIG SCIENCE ist in erster Linie eine Hommage an das Kult-Album von Laurie Anderson, das 1982, vor mittlerweile 40 Jahren, veröffentlicht wurde. „Das avantgardistische Experiment von BIG SCIENCE ist auch heute noch genauso visionär", findet Bruno Letort, künstlerischer Direktor von Ars Musica. Laurie Anderson ist dieses Jahr daher 'Ehrengast' des Festivals. Sie ist nicht nur Komponistin und bildende Künstlerin, sondern auch Dichterin und scheut sich nie vor einem künstlerischen Experiment. Anderson zeichnet für zwei Konzerte (darunter eines mit Brussels Philharmonic am 1. Dezember), eine Installation mit Hsin-Chien Huang: To the Moon, und die Aufführung zweier Filme in Bozar (Heart of a Dog und Home of the Brave) verantwortlich.
Wissenschaftlich bewiesene Musikalität
Das 2022er Programm von Ars Musica betrachtet Wissenschaft also als ein dynamisches, experimentelles und transdisziplinäres Element, das eine Rolle im Kreativprozess neuer Musik spielt. Das gilt besonders für den Festival-Opener Metropolis Rebooted: das Filmkonzert in Bozar, in dem eines der ersten Cyborg/Kunst-Crossover unter die Lupe genommen wird (18/11, Metropolis von Fritz Lang mit Musik von Martin Matalon).
Verweise auf die Wissenschaft tauchen im Programm auch in der musikalischen Figur von Albert Einstein auf (Einstein on the Beach von Philipp Glass durch Ictus und Suzanne Vega am 30/11 in Bozar), in der futuristischen Bewunderung für den Kosmos (On Mars von Brian Eno gekoppelt mit dem grafischen Universum von François Schuiten am 19/11 im Planetarium) und in den Improvisationen mit Video und Technologie während des Konzerts von David Krakauer und Kathleen Tagg (am 22/11 in den Hallen von Schaarbeek). Ein weiteres Highlight des reichhaltigen und vielfältigen Festivals sind die Schriften von Galileo Galilei, wie sie in der Musik von John Cage oder Meredith Monk auftauchen (Et pourtant elle tourne, 20/11 in les Brigittines).
Transdisziplinarität
Filmkunst nimmt in dieser Ausgabe einen prominenten Platz auf dem Festival ein mit der Uraufführung der Symphonie Ombres célestes von Jean-Luc Fafchamps, während Fiction Science; ein Abend der Musik von Science-Fiction-Filmen am 25/11 in Bozar. Hier genießt du große Klassiker des Genres mit Planet of the Apes, Encounter of the Third Kind und der nicht zu verpassenden Ouvertüre von 2001. A Space Odyssey. Komponist Frédéric Verrières schöpft aus dieser filmischen Inspirationsquelle für sein neues Werk Screening, das am 22. November in La Raffinerie präsentiert wird und in dem die Worte von Alfred Hitchcock in einer geschichteten Partitur von Gesten und Klang umgesetzt werden.
Aber auch Literatur macht auf dem Festival ihren Auftritt. In dem Werk Migrants von Georges Aperghis taucht der Roman Heart of Darkness von Joseph Conrad auf und veranschaulicht perfekt das reichhaltige kreative Potenzial künstlerischer Mischformen.
Schließlich gibt es noch die zweite Ausgabe des Bal contemporain, das eine fröhliche und verspielte Frage stellt: „Wie kann man zeitgenössische Musik tanzen?" Der Ball, der 2019 bereits ein großer Erfolg war, findet im Maison du Peuple in Sint-Gillis statt. Dieses Mal übernimmt das Ensemble Spectra die musikalische Gestaltung.
Es ist eine Zeit, in der Wissenschaft nicht nur eine Quelle der Hoffnung ist, sondern auch allzu oft ein Grund zur Besorgnis darstellt. Ausgestattet mit einer großen Dosis musikalischer Transdisziplinarität und Pop lädt die BIG SCIENCE-Ausgabe dazu ein, die Wissenschaft mit Neugier zu betrachten und sich zu einer experimentellen musikalischen Reise einzuschiffen.