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Botschaft von universeller Bedeutung

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Botschaft von universeller Bedeutung

Tag zwei der Streichquartett-Woche auf dem Festival Midis-Minimes, und wieder machte ein junges französisches Quartett seinen Auftritt. Letztes Jahr musste das Quatuor Akilone noch absagen, weil sich die zweite Geigerin nicht ganz wohl fühlte. Heute präsentierten sich alle vier jungen Damen pünktlich mit einem ungekünstelt vorgetragenen Mozart recht aus dem Herzen.

Auf den Notenpulten stand das vorletzte der insgesamt sechs Streichquartette Composti e Dedicati al Signor Guiseppe Haydn (1785). Sie wissen ja, das ist die Sammlung, die nach Mozarts eigenen Worten die wahre Frucht langandauernder und erschöpfender Bemühungen war. Aus dem autographischen Material geht zudem hervor, dass Wolfgang sich mit dem Streichquartett in A-Dur am schwierigsten getan hat: das Menuetto wurde retuschiert, die Variationen aus dem Andante umgeordnet und ein alternativer Entwurf für das Finale in den Papierkorb verwiesen. Aber das Endergebnis kann sich danach sehen lassen. Es war Haydn himself, der anlässlich einer Aufführung dieser Musik zu Vater Mozart sagte: „Ich sage ihnen vor gott, als ein ehrlicher Mann, ihr Sohn ist der grösste Componist, den ich von Person und den Nahmen nach kenne: er hat geschmack, und über das die grösste Compositionswissenschaft." Auch Beethoven war danach sichtlich beeindruckt und nutzte K464 als Blaupause für sein eigenes Quartett in derselben Tonart aus seinem opus 18. Nach Professor John Irving, Autor einer zur Klassik gewordenen Monographie über die Haydn-Quartette, entdeckt jede Generation etwas Neues in diesem Sechslinge: „[…] so 'universal' in its message that it allows each subsequent generation to reinterpret it according to the agenda of its own times, though without diminishing its essence. The 'Haydn' quartets continue to appeal to every time and to every taste […]" (S. 83-84).

Frei und ungebunden

Letzteres zeigte sich heute Nachmittag erneut. Ein fast volles Haus erwartete das Quatuor Akilone. Die Erwartungen waren hoch gespannt, denn vom Gewinner der vorläufig letzten Ausgabe des Concours International de Quatuor à Cordes de Bordeaux (2016) erwartet man doch einiges. Und die vier jungen Damen enttäuschten nicht, ganz im Gegenteil. Um die Schönheit von Mozarts Musik wirklich durchdringen zu können, muss man frei und ungebunden sein. Genau so präsentierten sich auch die vier. Jede Spur von Gezierheit war dabei nicht angebracht. Der ebenso galante wie sinnreiche Einleitungsteil war dagegen ganz Verfeinerung. Die rhetorischen Feinheiten dieses Allegro wurden auf beeindruckende Weise herausgearbeitet und kamen in der ausgedehnten Durchführung mit ihrem ständigen Wechselspiel zwischen Stimme und Gegenstimme noch am besten zur Geltung. Subtile dynamische Nuancen belebten das leichte Menuett, das darauf folgte. Jede Phrase im Trio wurde zierlich vorgetragen. Ausrufezeichen klangen nicht laut, sondern hielten den Hörer mit sanfter Hand bei Verstand. Das Andante ist das gerühmte Herz dieses Quartetts: eine Folge von sechs Variationen, in denen die harmonische Verdichtung dem Zusammenspiel immer wieder neue Anforderungen stellt. Besonders die ersten beiden Variationen sangen durch bewusstes Vibrato wunderbar, obwohl in der zweiten Variation die Ostinati in der zweiten Geige zu wenig hervorkamen. In der düsteren vierten Variante wurde die Nervosität durch einen aufmerksamen Dialog zwischen Primaria und Cellistin geschickt gesteigert, während letztere ganz in der auffälligen Pulsation der letzten Variation aufzugehen schien. Die kontrapunktische Finale (Allegro), wieder so ein kompositorisches Kunststück, lieferte schließlich einen abwechslungsreich gestalteten Orgelpunkt; ein Beispiel für aufmerksames und energisches Musizieren.

Nach einigen tiefen Verbeugungen – übrigens ebenfalls perfekt synchron – hatte das Quatuor Akilone noch ein Zugabenstück zu bieten. Bei diesen Temperaturen ist es nicht ratsam, noch einmal Tempo zu machen, so müssen die Mädchen gedacht haben. Und so wurde das heitere Adagio cantabile e sostenuto aus Haydns viertem Quartett aus dem opus 64 zu Gehör gebracht: eine ausführliche Arie, die von einer besseren Welt träumen ließ.


  • WAS: Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Streichquartett Nr. 18 in A (K464)
  • WER: Quatuor Akilone [Emeline Concé (Violine), Elise De-Bendelac (Violine), Louise Desjardins (Bratsche), Lucie Mercat (Cello)]
  • WO: Königliches Konservatorium, Brüssel (im Rahmen des Festivals Midis-Minimes)
  • WANN: Dienstag, 31. Juli 2018
  • FOTO: © Natacha Colmez-Collard

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