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Sonne, Meer und <em>minimal music</em> in der Bozar: Einstein on the Beach

J
· 4 Min. Lesezeit
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Sonne, Meer und <em>minimal music</em> in der Bozar: Einstein on the Beach

Philip Glass' Einstein on the Beach (1976) ist ein hervorragendes Beispiel für Minimal Music: tranceähnliche Loops, Text mit fließendem Inhalt und sich ständig wiederholende zirkuläre Passagen. Mit einer Dauer von manchmal 4 bis 5 Stunden ist diese Oper eine Herausforderung für die Sinne von Aufführenden und Publikum. Ictus, Collegium Vocale Gent und Suzanne Vega unter der Leitung von Tom De Cock brachten eine starke konzertante Interpretation von Glass' unendlicher musikaler Nicht-Geschichte. Ob es viel Einstein gab, lässt sich bezweifeln, aber es gab sicherlich viel sensationellen Klang!

Einstein?

Einstein on the Beach ist eine Nicht-Geschichte-Oper, was bedeutet, dass es keine spezifische Handlungslinie gibt. Einige Referenzen zu Einstein erfolgen durch numerische Wiederholungen im Text und die Aufteilung der Passagen in Abschnitte, die sich auf seine wichtigsten Theorien beziehen – letzteres ist vielleicht in der konzertanten Version etwas weniger deutlich. Die inhaltlich locker aneinander gebundene Form – zusammengehalten durch fünf knee jerk plays (eine Art gesprochene Zwischenspiele) – ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Glass und Theaterproduzent Robert Wilson. Minimal Music strebt nach einer Unendlichkeit in der Musik, etwas, bei dem eine feste Geschichte ein Risikofaktor ist (denn man kann sich darauf fixieren). Wenn Sie als Publikum sich vollständig fokussiert – und sogar physisch und mental eingezogen – fühlen bei den elektronischen Loops und stimmlichen Wiederholungen, dann wissen Sie, dass Sie Minimal Music hören.

Das Minimal-Publikum

Bewegungen – Herein- und Hinausgehen – während minimalistische Aufführungen sind nichts Neues. Es gibt dem Publikum die Möglichkeit, seine eigenen persönlichen Hörsektionen zu schaffen. Während dieser konzertanten Aufführung war diese Option nicht anders. Stunden in einer musikalischen Trance zu verbringen ist natürlich eine Herausforderung für alle, auch für diese Rezensentin (ich bin durchaus ein großer Fan dieses Gefühls). Aber es gibt auch Nachteile. Bei diesem Konzert gingen für mich als Rezensentin die ersten 15 Minuten – und der fantastische Auftritt von Suzanne Vega – weitgehend verloren durch Massen von Publikum, das noch hereinkam, seine Plätze suchte und laut zu konversieren begann. Außerdem können Sie Pech haben und in einer Reihe landen, in der Lachen, Sprechen – und vor allem sich nicht mit der Musik beschäftigen – die Norm war. Hier mein Kompliment an BOZAR, die diese Anmerkungen zu Herzen nahmen und mir eine neue musikalische Blase bescherten.

© Maxime Fauconnier

Eine musikalische Trancenblase

Denn eine gute Minimal Music-Produktion messe ich nicht nur an der Qualität der Klänge und der musiktechnischen Höchstleistungen, sondern vor allem daran, wie "eins" ich mit der Musik werde. Diese Produktion kann ich nur loben, denn in den besten Momenten hörte ich nur noch die Musik oder Vegas syllabisches Klang- und Sprechspiel. Dass Vega die richtige Wahl war, mit ihrer schönen, klaren, aber auch tiefgefärbten Stimme, war deutlich. Und wer behauptet, dass Gesang nicht gleich Spitzensport ist, dem wurde an diesem Abend das Gegenteil bewiesen. Komplimente an Collegium Vocale Gent – es waren blitzschnelle Lippenbewegungen (ich saß an einem ausgezeichneten Platz, um das zu beobachten), bei denen die schwierigen Wiederholungen immer klar herauskamen.

Die Übergänge waren nahtlos und fließend – was zum unendlichen Wiederholungsgefühl beitrug. Die multidisziplinären Talente der Musiker waren bewunderungswürdig – vom Dirigieren zum Klavier, um dann plötzlich eine stimmliche oder gesprochene Passage mitzumachen. Es ist übrigens auch sehr amüsant, bei dieser Art von Kompositionen die Dirigent(en) im Auge zu behalten, denn minimal von der Kompositionsstruktur ist alles andere als leichter. Zumal mit mehreren Musikern, Chorsänger und Sprechstimmen zusammen! Die Finger gingen in einem erbarmungslosen Tempo über die Tastaturtasten oder Violinen – und das stundenlang. Denken Sie daran, es gibt wenige Musikpausen in minimal Kompositionsstücken. Zu keinem Zeitpunkt schien es einen Qualitätsverlust in der Aufführung zu geben. Für diesen Marathon gaben die Aufführenden konstant das Beste von sich.

Kurz zusammengefasst war es sicherlich eine gelungene Aufführung. Komplimente verdienen Ictus, Collegium Vocale Gent und Suzanne Vega für dieses Tour-de-Force. Glass' Werk erwachte stundenlang zum Leben und schuf eine bezaubernde, mathematische Trance – etwas, das auf die hohe Qualität der Produktion zurückzuführen ist. Jeder sollte einmal eine Aufführung von Glass' in diesem Niveau erleben – sie öffnet neue, unendliche musikalische Sensationswelten!

WAS: Einstein on the Beach (1976) von Philip Glass (konzertante Aufführung).

WER: Tom De Cock [Dirigent], Ictus [Ensemble], Collegium Vocale Gent [Chor], Suzanne Vega [Sprechstimme], Michael Schmid [Assistent-Dirigent].
Koproduktion: BOZAR / Ictus / Ars Musica

WO: BOZAR (Brüssel)

WANN: Mittwoch, 30.11.2022.

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