Zum Inhalt springen
Automatisch übersetzt · Original
Nachrichten

Caeciliaprijzen 2022 | Preisträger

R
· 10 Min. Lesezeit
Diesen Artikel teilen
Caeciliaprijzen 2022 | Preisträger

Josquin Baston
Flemish and French Chansons
Ratas del viejo Mundo
1 CD Ramée

Der vergessene Polyphonist Josquin Baston wird wiederentdeckt. Über das Leben des Komponisten ist wenig bekannt. Ein geheimnisvoller Schleier hängt über seinem Namen. Bastons Werk zeichnet sich durch Charme, Qualität und Ausdruckskraft aus. Floris De Rycker und sein Ensemble Ratas del viejo Mundo bringen mit ihrer CD „Baston: Flemish and French Chansons" eine Hommage an diesen franko-flämischen Komponisten. Anhand seiner Chansons zeigen sie, wie Baston mit den formes fixes des 16. Jahrhunderts spielte. Stilistisch ist seine weltliche und religiöse Musik sich fast identisch. Das Schlüsselwort ist fast. Der Unterschied liegt in den Details. Diese Botschaft hat Ratas del viejo Mundo gut verstanden. Mit Aufmerksamkeit für Phrasengestaltung und rhythmische Akzente setzen sie diese subtileren Unterschiede auf lebendige Weise in Szene. (Helena Gaudeus)

Bach & Beyond
A Well-Tempered Conversation
J.S. Bach, Preludes & Fugues in major keys fromBook 1 of The Well-Tempered Clavier, BWV 846-868 – Works in minor keys by Beethoven, Chopin, Rachmaninov, Fauré, Ravel, Mozart, Brahms, Shostakovich, Busoni, Ligeti, Reger, Schoenberg
Julien Libeer
2 CD Harmonia Mundi

Pianist Julien Libeer geht von Bachs Schlüsselwerk Das Wohltemperierte Klavier aus, führt die 24 Präludien und Fugen in allen Tonarten aber nicht vollständig auf. Auf „A Well-Tempered Conversation" koppelt er die Stücke in Dur mit einem sorgfältig gewählten Mollwerk eines späteren Komponisten, als ein Dialog über die Jahrhunderte hinweg. Seine Auswahl ist sehr gewissenhaft und reicht von Beethoven und Mozart bis Schönberg und Schostakowitsch. Libeer gelingt es dabei wunderbar, diese musikhistorischen Verbindungen auch in seiner Interpretation deutlich hörbar zu machen, indem er bei einer Musiksprache landet, die perfekt sowohl zu Bachs Hochbarock als auch zu all seinen illustren Nachfolgern passt. (Jasper Croonen)

George Frideric Handel
Semele HWV 58
Chœur de chambre de Namur, Millenium Orchestra
Ana Maria Labin, Dara Savinoya, Lawrence Zazzo, Gwendoline Blondeel, Matthew Newlin, Chiara Skerath, Andreas Wolf
Leonardo García Alarcón
3 CD Ricercar

Die erste englische „Oper" Handels wird heute als eines der besten Werke aus der reifen Schaffenszeit des Komponisten aus Sachsen betrachtet. Semele – die eigentlich nichts anderes als ein konzertantes Divertimento ist – weist Merkmale sowohl der italienischen Opera seria als auch der englischen Tradition im Bereich der Masque und Semi-Opera auf. Der Chor spielt eine Hauptrolle, was das Werk einem weltlichen Oratorium sehr nahe bringt. Der Chœur de chambre de Namur und das Millenium Orchestra hinterlassen großen Eindruck durch ihre atemraubende Vitalität und liefern eine flamboyante Interpretation, in der der Reichtum und die Theatralität des Musikdramas vollkommen zur Geltung kommen. Die Solisten sind hier ideal besetzt und interpretieren auf vorzügliche Weise den emotionalen und psychologischen Zustand der Protagonisten. Arien und Ensembles sind sowohl virtuos als auch lyrisch und zeigen eine breite Palette an Humor, liebevollem Zärtlichkeit, frustriertem Verlangen und tragischer Eifersucht. (Olivier Vrins)

Carl Maria von Weber
Der Freischütz
Christian Immler, Polina Pasztircsák, Kateryna Kasper, Maximilian Schmitt, Yannick Debus, Matthias Winckhler, Max Urlacher, Dimitry Ivashchenko
Zürcher Sing-Akademie, Freiburger Barockorchester
René Jacobs
2 CD Harmonia Mundi

René Jacobs wirft einen frischen Blick auf Webers fantastisches Singspiel (mit dem „Prolog", den der Komponist auf Bitte seiner Ehefrau kurz vor der Uraufführung strich) und macht daraus ein spannendes Hörspiel. Die Sprachverwendung in diesem Freischütz wird etwas modernisiert, die ursprünglichen Dialoge gekürzt – wobei das gleichnamige Volksmärchen von Johann August Apel berücksichtigt wird –, die Erscheinung des Einsiedlers am Anfang der Oper wird wiedereingeführt. Jacobs lässt diese Eröffnungsszene – die offiziell nie vertont wurde, aber sicher dazu bestimmt war, gesungen zu werden – nicht von Schauspielern aufführen (wie viele Regisseure es in der Vergangenheit getan haben), noch verwendet er Musik „im Stil Webers" – wie sie der gewissenhafte Komponist Oskar Möricke schrieb. Stattdessen verwendet er herrliche Harmonien, wobei er die Musik des Autors von Aufforderung zum Tanz als Ausgangspunkt nimmt, greift aber auch andernorts – wie bei Schubert – für die „Ballade" von Kuno zurück. Das Endergebnis ist ein Hörspiel, bei dem nichts von der Schönheit des ursprünglichen Werkes verloren geht, das aber sicherlich an Kohärenz gewinnt. Und das mit der aktiven Mitwirkung eines gleichermaßen überzeugten wie überzeugenden Sängerensembles! (Olivier Vrins)

Jules Massenet
Songs with Orchestra
Nicole Car, Jodie Devos, Cyrille Dubois, Etienne Dupuis, Véronique Gens, Chantal Santon Jeffery
Orchestre de chambre de Paris
Hervé Niquet
1 CD Palazzetto Bru Zane

Diese Aufnahme wird sicherlich eine Überraschung für diejenigen sein, die der Meinung sind, dass Massenet nur sentimentale und süßliche Musik schreiben konnte. Manchmal weht über diesen Liedern mit Orchesterbegleitung ein unverkennbares findesiècle Parfum, aber diese subtil orchestrierten Kompositionen bestehen durch Eleganz und Feinsinnigkeit, manchmal auch Humor. Die Creme de la Creme der gegenwärtigen französischsprachigen Stimmen und Dirigent Hervé Niquet sorgen für eine in allen Details sorgfältig gepflegte Interpretation. (Patrice Lieberman)

Karol Szymanowski
Preludes op. 1 (Nos. 1, 2, 7 & 8), Masques op. 34, Mazurkas op. 50 (Nos. 13-16), Variations on a Polish Folk Theme op. 10
Krystian Zimerman
1 CD Deutsche Grammophon

Wer von polnischen Präludien und Mazurkas spricht, spricht von Frédéric Chopin. Das Piano-Idol Krystian Zimerman gibt mit seinem Album einen anderen Impuls und lenkt dich in Richtung Karol Szymanowski. Auch dort baden diese Pianominiaturen in volkstümlichen Einflüssen dank subtiler Rhythmik und packender Melodien. Bei Szymanowski schimmert vor allem die slawische Melancholie durch. Zimerman versteht es meisterhaft, den Ton dieser Musik mit subtilen Nuancen, mit packender Klarheit in der Vielstimmigkeit und mit einem Rubato, das sich nach Sehnsucht sehnt, zu erfassen. Einige dieser Aufnahmen lagen schon fast dreißig Jahre im Regal. Glücklicherweise sind sie nun endlich veröffentlicht worden! (Jasper Croonen)

Olivier Messiaen
Vingt Regards sur l'Enfant-Jésus
Bertrand Chamayou
2 CD Erato

Chamayou war erst neun Jahre alt, als er die Vingt Regards zum ersten Mal hörte, ein ergreifendes Werk, das für immer in ihm nachwirkte. Diese Aufnahme lässt die Folgen eines Schocks vernehmen, der inzwischen nichts an Kraft verloren hat. Als Pianist, der sein Licht immer über die Musik scheinen lässt, widmet sich Chamayou völlig dieser anspruchsvollen, scharfen und glitzernden Partitur. Er beeindruckt durch seinen fehlerfreien Geschmack, seine glänzende Beherrschung der Dynamik und des endlos variierten Anschlags, wobei er aus dieser rhythmisch unglaublich komplexen Musik ein Glasfenster macht, würdig von Chagall. Nichts geht in dieser außergewöhnlichen Aufführung verloren: das Klavier – seideweich oder perkussiv – verwandelt sich in ein Orchester, der Klang erinnert an Gamelan oder Vogelgesang, um die „mystische Liebessprache, gleichzeitig vielseitig, zart, manchmal roh, mit farbigen Ordnungen" zu entziffern, die der Komponist erfand. Vierzig Jahre nach der Version dieses Werkes von Yvonne Loriod, damals ebenfalls bei Erato veröffentlicht, sorgt Chamayou für eine neue Referenzaufnahme. (Olivier Vrins)

Isang Yun
Silla – Violin Concerto No. 3 – Chamber Symphony
Sueye Park
Seoul Philharmonic Orchestra
Osmo Vänskä
1 CD BIS

Traditionelle koreanische Musik, europäische Avantgarde und beeindruckendes Klangkenntnisse: das sind die drei Eigenschaften, die den Stil des koreanischen Komponisten Isang Yun (1917-1995) perfekt zusammenfassen. Sein Oeuvre ist für seine stilistischen Schwierigkeiten und technischen Herausforderungen bekannt. Die vielen einzelnen Linien müssen klar und gleichwertig klingen, die vielen Ornamente müssen sorgfältig koordiniert werden und Nuancen in der Klangfarbe sind entscheidend. Das Album Isang Yun - Three Late Works beweist dies mehr als genug. Das Seoul Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Osmo Vänskä spielt gleich drei von Yuns sinfonischen Werken. Für das Violinkonzert werden sie von der koreanischen Geigerin Sueye Park begleitet. Zusammen setzen sie eine beeindruckende Aufführung mit Aufmerksamkeit für Klangfarbennuancen um. (Helena Gaudeus)

Lost & Found
Hildergard von Bingen, Chick Corea, Julius Eastman, Bill Evans, Shiva Feshareki, Daniel Kidane, Oliver Leith, Olivier Messiaen, Meredith Monk, Moondog
Sean Shibe
1 CD Pentatone

Sean Shibe ist eine einzigartige Persönlichkeit, die sich nicht an einen Stil oder eine Tradition festlegen lässt. Auf Lost & Found bearbeitet er Musik von unter anderem Hildegard von Bingen, Chick Corea, Moondog und Olivier Messiaen für seine elektrische Fender-Gitarre. Das Ergebnis ist ein Spiel mit der Subtilität des elektrischen Klangs, ein frischer Wind für uraltes Repertoire. Sein Spiel ist äußerst beruhigend, überraschend zerbrechlich für dieses Instrument. Beschwörend, ohne in Klischees zu verfallen, denn gerade wenn Shibe in dieser Ruhe die Grenze zur Ambient-Musik zu überschreiten scheint, weckt er den Hörer mit wohlplaziertem Schwung, virtuosem Fingerpicking und schleifendem Feedback auf. (Jasper Croonen)

Dhrupad Fantasia
Uday Bhawalkar, John Dowland, Tobias Hume, Romina Lischka, Robert Parsons
Uday Bhawalkar
Romina Lischka
Hathor Consort
Romina Lischka
1 CD Fuga Libera

In diesem außergewöhnlichen Recital bringen die Gambistin Romina Lischka und Kollegen mit dem Dhrupad-Sänger Uday Bhawalkar (der sich selbst auf Tanpura begleitet) und dem Schlagzeuger Pratap Awad (Pakhawaj) zwei auf den ersten Blick unvereinbare Musiksysteme zusammen: das eine westlich, barock und harmonisch; das zweite indisch, zeitlos und rhythmisch. Und es funktioniert! Dank des Widerhalls der Tanpura, der feinsinnigen Stickerei des Pakhawaj, der subtilen Anpassung bestimmter Stücke, bei denen man den Eindruck erhält, dass Dissonanzen „gelöst" werden, und schließlich dank der Vertrautheit von Romina Lischka mit der indischen Musiksprache (sie beherrscht übrigens auch die Technik des indischen Gesangs…), bietet diese Aufnahme neben Repertoirestücken auch Momente neu erfundener, lebendiger und reichhaltiger Musik. (Martine D. Mergeay)

Ludwig van Beethoven
Symphonies 6 à 9
Sara Gouzy, Laila Salome Fischer, Mingjie Lei, Manuel Walser
Le Concert des Nations, La Capella Nacional de Catalunya
Jordi Savall
2 CD Alia Vox

SPEZIALPREIS: Coup de cœur

Besteht noch Bedarf an neuen Aufnahmen von Beethovens Sinfonien? Wenn diese von so viel Intelligenz, Menschlichkeit, Bescheidenheit und ruhiger Leidenschaft geprägt sind, die ganz dem Dienst einer immer wieder neuen und überraschenden Musik gewidmet sind, kann die Antwort nur ein volles „Ja" sein. Savall und das Concert des Nations wählen einen authentischen Ansatz, aber es ist nicht ihre Absicht, um jeden Preis ihre Sicht zu beweisen. Das Ergebnis ist eine äußerst überzeugende Version dieser zeitlosen Werke. (Patrice Lieberman)

César Franck
Complete Orchestral Works
Orchestre Philharmonique Royal de Liège
Christian Arming, Pierre Bleuse, Gergely Madaras, Hervé Niquet, François-Xavier Roth
Florian Noack, Cédric Tiberghien
Chœur de Radio France, Lionel Show
4 CD Fuga Libera

PREIS FÜR SCHNELLFÄNGER
Für eine ausgezeichnete belgische Produktion


Unter den zahlreichen Gesamtausgaben, die anlässlich des zweihundertsten Geburtstags von César Franck veröffentlicht wurden, fällt diese seiner Orchestermusik gewidmete Ausgabe sowohl durch die chronologische Darstellung seines Werks auf – Franck war kaum zwölf Jahre alt, als er seine zwei Reihen Variations brillantes niederschrieb! – als auch durch das Porträt, das uns des Orchesters unter einer Reihe verschiedener Dirigenten geboten wird. Das Erstaunlichste ist sicherlich die Kontinuität zwischen – um nur ein Beispiel zu nennen – diesen Variationen aus Francks Kindheit (aufgeführt von Florian Noack und Pierre Bleuse) und den Symphonischen Variationen, die der Komponist ein halbes Jahrhundert später schrieb, hier von Cédric Tiberghien und François-Xavier Roth präsentiert. Francks Einfallsreichtum und überraschend frühes Meisterschaft reißen unsere Bewunderung mit sich, genau wie die Sorgfalt, mit der seine heutigen Mitbürger seines Geburtsortes sein Genie alle Ehre zollen. (Martine D. Mergeay)

Jacqueline Fontyn
Trios
Trio Spilliaert (Jean-Samuel Bez, Guillaume Lagravière, Gauvain de Morant)
Apolline Degoutte, Raphael Béreau et Karel Coninx
1 CD Cybele

KARRIEREPREIS


In einer Zeit, in der geniale Komponistinnen einfach vom Himmel zu fallen scheinen, sorgt diese CD für wahre Euphorie. Die Aufnahme veranlasst uns, Jacqueline Fontyn (wieder) zu entdecken, wobei sechs Werke zwischen 1956 – „letzte Verwendung klassischer Formen" – und 2013 interpretiert werden. Das Trio Spilliaert ist hier mit zwei Klaviertrios in klassischer Besetzung (Violine, Cello, Klavier) sowie drei weiteren Trios tätig, bei denen jeweils eine Rolle für Flöte, Gitarre und Bratsche vorgesehen ist. Das außergewöhnliche Niveau der Ausführenden, ihr Engagement, ihre Spielfreude dienen einer Musik, die von Phantasie überläuft. Wir haben es hier mit einer völlig beherrschten Schreibweise zu tun, die sowohl Gelehrsamkeit als auch Freiheit zeigt und sowohl prägnant als auch leichtfüßig sein kann. Diese vollkommene und zeitgenössische Kunst kann auf ideale Interpreten rechnen. (Martine D. Mergeay)
Diesen Artikel teilen

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste, der kommentiert.

Kommentar hinterlassen

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.

DE