Diese Vorstellung ist teilweise ein Experiment, aber das Prinzip ist ein bewährtes Konzept, bei dem das Publikum die Playlist des Abends bestimmt: Es wird im Voraus abgestimmt, aber im Saal wird die endgültige Wahl während der Vorstellung getroffen. Jeder Abend ist einzigartig.
Vor gut 20 Jahren betraten Lucas Van den Eynde, Nele Bauwens und Tine Embrechts zum ersten Mal die Bühne mit ihrem brandneuen Programm „Jukebox 2000". Das Publikum konnte aus 100 niederländischsprachigen Liedern und Melodien aus Flandern und den Niederlanden wählen: Alle Stile und Geschmäcker kamen vor: von Louis Neefs bis Marva, von Willeke Alberti bis Gorki. Ein Riesenerfolg!
Es dauerte lange, bis jemand auf die Idee kam, das Gleiche mit klassischer Musik zu versuchen, und auch das ist ein voller Erfolg. Die Vorstellungsreihe an Kulturzentren und Gemeindezentren startete am 13. September in GC De Wildeman in Herent, wir erlebten die letzte Vorstellung im CC 't Bolwerk in Vilvoorde mit. Klassische Musik bietet ein breites Spektrum von sinfonischen Werken bis zu intimen Liedzyklen. Die Begleitung ist minimalistisch: ein Klavier und eine Harfe, The Jukebox String Quartet, Vokalistin ist die Sopranistin Liesbeth Devos, aktiv als Opern- und Liedsängerin. Man weiß sofort, auf welches Segment des klassischen Repertoires der Schwerpunkt liegt.
Masters of Ceremony: Clara Cleymans und Warre Borghmans moderieren die verschiedenen Kompositionen an und sorgen für Atmosphäre. Warre Borghmans geht dabei manchmal etwas in den Overdrive. Clara Cleymans stellt mit Verve alle ihre Talente zur Schau, zeigt einen Spagat, singt Duette und setzt sich auch ans Klavier für ein Vier-Hände-Spiel. Eine anmutige und spritzige Frau.
Das Publikum konnte vorher seine Vorlieben über ein Abstimmungsformular auf der Website von Classical Jukebox angeben, um bestimmte Kompositionen zu spielen. Die beiden Werke mit den meisten Stimmen wurden beibehalten. Live im Saal entscheidet sich, welches der beiden gewinnt. Warre Borghmans trägt ein blaues Outfit, Clara Cleymans ein rotes. Die Instrumentalisten eine Mischung aus beiden Farben. Beide Akteure erzählen etwas über den Komponisten und den Inhalt des Werkes und regen die Fantasie des Publikums an. Das tun sie mit Leib und Seele. Das Publikum entscheidet mit einer blauen oder roten Karte in die Luft, was letztendlich gespielt/gesungen wird.
Es dauerte nur wenige Noten, und das Publikum war völlig dabei. Aus der Musik sprudelt die Lebensfreude oder Melancholie. Als Eröffnungsnummer die „Ouverture aus Le nozze di Figaro" von Mozart. Liesbeth Devos versenkt sich daraufhin in ein melancholisches Lied von Richard Strauss. Dann musste zwischen zwei belgischen Kompositionen von einerseits Lodewijk Mortelmans und andererseits Jan Van Roost gewählt werden. Seine kernige und tänzerische Komposition „Rucudim" gewinnt die Abstimmung. Sie lehnt sich stark an Klezmer an, die jüdische ausgelassene Hochzeitmusik.
Während „Classical Jukebox" wurde auch Raum für junges lokales Talent geschaffen, das so etwas Bühnenerfahrung sammeln kann. In Vilvoorde wurde in der Musikakademie die 13-jährige Violinistin Gitte Germain ausgewählt. Sie bringt ein kurzes Meisterwerk von E. Elgar „Salut d'Amour".
Anschließend ist die romantische Arie an der Reihe mit einer Arie von Vincenzo Bellini, in einer beeindruckenden und ergreifenden Interpretation von Liesbeth Devos.
Das Publikum durfte auch ein Lieblingswerk für Instrumente wählen. Die Wahl fiel auf das Huszarenstück von Niccolo Paganini „Moto Perpetuo". Max Lohse, Konzertmeister bei Opera Ballet Vlaanderen, demonstriert die virtuose Beherrschung seines Instrumentes. Fasziniert schaut man den fingerflinken Bewegungen zu, die diese Komposition erfordert.
Eine schwierige Wahl wurde es zwischen dem „Stabat Mater" von Pergolesi und „Erbarme dich" von Bach. Zwei unglaublich schöne Klassiker. Das Publikum wählte fast einstimmig für die bekannteste Arie aus der Matthäus-Passion von Bach. Arie, die die Hörer von Klara im vergangenen Jahr zur 1. Stelle der Klara top-100 stimmten. „Spiegel im Spiegel" von Arvo Pärt wurde auf den 2. Platz verwiesen. Diese vielseitige und anspruchsvolle Arie wird auf gefühlvolle Weise von Liesbeth Devos interpretiert. Sie weiß, das Herz zu berühren.
Der Abend hat einen schönen Aufbau. Serene und spitzfindige Kompositionen wechseln sich ab. Wird es das Instrumentalwerk von Mozart oder Ravel? Letzterer gewinnt mit seinem einzigen „Streichquartett", in dem viel Pizzicato verarbeitet ist.
Clara Cleymans wagt sich zusammen mit Liesbeth Devos an das lustige Duett zweier Katzen „Duetto buffo di due gatti" von Rossini.
Pianist Bart van Caenegem interpretiert die „2. Rhapsodie von Brahms". Technisch sauber, aber seine Interpretation hat wenig Begeisterung.
Als letztes Vokalwerk gab es noch die Wahl zwischen „O mio babbino caro" von Puccini oder dem wollüstigen „Meine Lippen sie küssen so heiß" aus der Operette Giuditta von Léhar. Liesbeth Devos' Stimme geht in die Höhe, hält die Noten fest und streichelt sie. Sie schafft es, zu reizen, zu amüsieren und zu ergreifen.
„Classical Jukebox" endet mit einem Medley einer Reihe von Ohrwürmern aus dem klassischen Repertoire. Der Abend endet mit den Allüren einer Proms Night, mit Lichtern im Saal, die sich im Rhythmus der Musik hin und her bewegen, Handklatschen und gemeinsames Singen.
Ein dynamischer Abend, der von der musikalischen Vielfalt zeugt, in der faszinierende musikalische Welten erkundet wurden.