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Magdalena Kožená, die tschechische Mezzosopranistin, hat ein „Gespür" für tschechische Volksmusik, wie dies so deutlich und überzeugend aus dem hier von mir besprochenen Recital hervorging - Folk Songs, der Albumtitel spricht für sich - mit damals durch ihre stimmliche Intensität getriebenen musikalischen Partnern dem Tschechischen Philharmonischen Orchester unter der Leitung ihres Ehemannes Sir Simon Rattle. Ihre ausgezeichnete Gesangskunst und idiomatischen Interpretationen werden manches musikalische Herz damals zweifellos zum Schmelzen gebracht haben. Bei diesem zweiten Album wird dies sicherlich nicht weniger sein.
Dieselben Charakteristiken machen auch diese zweite Ausgabe zu einem hörenswerten und abenteuerlichen Erlebnis und wir hören ihren warmen und strahlenden Mezzo in einem gemischten Programm, das - es ist mehr als nur eine Kuriosität - auch die auf der japanischen Folklore gestützten sieben Lieder von Bohuslav Martinu aus dem Jahr 1912 umfasst, stammend aus einer Zeit, in der praktisch alles, das aus Japan wie auch aus anderen Teilen Asiens stammte, nicht nur in West-, sondern auch in Mitteleuropa ausgesprochen „en vogue" war. Wie dies zum Beispiel auch für Mahlers Das Lied von der Erde galt, vollendet 1909 und gestützt auf chinesische, ins Deutsche übersetzte Texte.
Es war der deutsche Übersetzer Paul Enderling, der 1905 seine Japanische Novellen und Gedichte veröffentlichte, die wiederum die Grundlage für den tschechischen Dichter Emanuel Lešehrad und damit für Martinu's Nipponari: Ukázky žaponské lyriky bildeten (frei übersetzt Nipponari: Beispiele japanischer Dichtkunst). Dabei ist zu vermerken, dass Martinu in seinen Kompositionen eine große Anzahl verschiedener Stile anwendete, die nicht unbedingt auf die Mitteleuropas zurückzuführen waren (obwohl auch diese nicht in seinem besonderen Oeuvre fehlten).
Auch Hans Krása und Gideon Klein sind in diesem Kleinod vertreten. Krása mit seinem ersten offiziellen Opus, den vier Orchesterliedern und Gideon Klein mit seinem Wiegenlied. Beide komponierten während ihres erzwungenen Aufenthalts im Durchgangslager Terezín (Theresienstadt). Krása starb am 17. Oktober 1944 in der Gaskammer von Auschwitz-Birkenau, Klein wahrscheinlich am 27. Januar 1945 im in der Nähe von Katowice gelegenen Arbeitslager Furstengrübe; einige Quellen berichten jedoch, dass er während eines der vielen Todesmärsche (die Russen waren den Nazis auf den Fersen) ums Leben kam.
Praktisch alle Programmpunkte fallen weit außerhalb des „eisernen" Repertoires, was dieses Album als Ganzes noch attraktiver macht, obwohl die Orchestrierungen von Jiří Teml und Jiří Gemrot unvermeidlich eine Veränderung des Originals (Singstimme und Klavier) bedeuten.
Der Sieg geht jedoch an Magdalena Kožená, deren Mezzo sich sowohl für das jugendlich-strahlende, schlanke und warme als auch für die düsteren Untertöne eignet. Ihr Ausdruck reicht weit, ihre Diktion ist über jeden Kritik erhaben und das schön hervorgehobene Orchester liefert die erforderliche Synergie. Somit ein besonders gelungener Fortsatz zu Folk Songs!