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Der Eselsstempel? Jos Van Immerseel hinausgeworfen

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Der Eselsstempel? Jos Van Immerseel hinausgeworfen
© els and the artists

Was für eine Nachricht doch! Jos Van Immerseel, „der Jos" wie sehr viele ihn nennen, wurde aus dem Orchester geworfen, das er ins Leben rief. Das muss man sich nicht mit knapp 79 Jahren antun. Die Verdienste von Jos Van Immerseel für die klassische Musik, beginnend mit der „Wiederauferstehung" der Renaissancemusik, sind immens. Wie kann dann so jemand vor die Tür gesetzt werden?

Ach ja, „der Jos" ist nicht der einfachste Mensch, viele Menschen, die etwas Enormes aus dem Nichts schaffen und mit ungeheurer Energie großartige Dinge verwirklichen, sind nicht immer die einfachsten. Jos konnte / kann scharf sein, eine Nervensäge und noch einiges mehr, aber ja, wenn man seine Vision und sein Geisteskind anfasst, muss das wehgetan haben. Er hat, soviel ist klar, keine Verbrechen begangen, die jetzt zu einer sofortigen Entlassung führen. Er war, wie wir der Presse entnehmen, eigensinnig (geworden). Eine ganze Liste wurde herumgereicht, um die Entlassung zu rechtfertigen, und seinerseits widerlegt Jos Van Immerseel dies begründet. Dass es bei Anima Eterna nicht stimmt, da gibt es zumindest keinen Zweifel. Es geht vor allem um die Vision der neuen Generation und darum, dass „die Alten" möglicherweise nicht Abschied nehmen können. Hätte es aber nicht etwas sauberer und zivilisierter ablaufen können? Muss man die schmutzige Wäsche, ob nun schon etwas ausgelüftet oder nicht, so breit und lang der Außenwelt zeigen? Hätte man nicht lieber ein schönes Abschiedsfest organisieren und Van Immerseel die Chance geben können, noch etwas mit dem Orchester zu musizieren? Es gab bereits einen Übergang, wobei der Streit dort ganz offensichtlich auch eine Rolle spielt. Der Eindruck ist stark, dass Van Immerseel nicht an die Qualitäten der neuen Dirigenten glaubt oder glauben kann. Er hat wohl Angst, dass der Name des Orchesters darunter leiden wird und das kann er nicht akzeptieren, das ist unverdaulich.

Das „neue Chefs, neue Regeln" sitzt dem Mann in den Knochen und ja, da kann man einerseits Verständnis dafür haben, andererseits muss eingesehen werden, dass es eine Zeit zum Kommen und eine Zeit zum Gehen gibt. Abschied zu nehmen ist schwierig, besonders wenn man so ein Top-Musiker wie „der Jos" ist. Er erreichte sehr hohe Gipfel und jetzt sieht er wohl den Gipfel des Berges, den er baute, abgeflacht werden. Was für eine schmerzhafte Angelegenheit doch. Es hätte nicht so kommen dürfen. Man wirft keinen Riesen, der Jahre lang als Vorbild stand, einfach so hinaus, so ein „Querulant" er auch (geworden) sein mag. Lassen Sie uns es bei den vielen glänzenden Projekten und Verwirklichungen dieses „schwierigen" Kerls belassen, der das alles trotzdem geschafft hat. Dass es jetzt um seine legendäre Aufführung von Monteverdis Orfeo während des Rubens-Jahrs 1976 in der Oper in Antwerpen ging, dass es um seine Aufnahmen von Beethovens Sinfonien ging (für uns immer noch Weltklasse) oder um all die anderen erstaunlichen Projekte, in die sich Jos Van Immerseel stürzte und während eines solchen Projekts zur Substanz des Projekts selbst wurde, zum Komponisten, um den es ging, oder was auch immer. Und ja, er konnte und kann manchmal starke Aussagen machen, zynisch sein, frech, frei und offen, aber ist es nicht so, dass die Bilanz, abgesehen von diesem „Eigensinn", vor allem sehr positiv ist? Wer bestreitet das? Weiter wollen wir bei Klassiek Centraal nicht auf das verzerrt Verhältnis zwischen dem Vorstand des Orchesters und Jos Van Immerseel eingehen. Viel lieber hören wir den vielen hervorragenden Aufnahmen zu, die der Musiker mit seinen Anima Eterna realisierte, aber auch mit so vielen anderen in kleinen Besetzungen, als Solist, mit anderen Orchestern und Chören. Wir wünschen Jos hierbei, trotz der außerordentlich bitteren Tage und Wochen, die auf ihn warten (er sitzt jetzt vorübergehend sogar ohne Einkommen!), dennoch noch viel musikalische Freude.

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