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Neue Saison De Munt: Harmonie mit drei russischen Opern

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Neue Saison De Munt: Harmonie mit drei russischen Opern

Mit drei russischen Opern in der neuen Spielzeit setzt De Munt auf harmonisches Zusammenleben, nicht auf Konflikt.

Die Presseeinladung zur Vorstellung der neuen Spielzeit von De Munt fand am schönsten Platz des Theaters statt, sagte Intendant Peter de Caluwe, am Ort, wo alles passiert, auf der Bühne, mit Blick auf das schönste Bühnenbild, das ich euch anbieten kann, dieses Schmuckstück eines Saals. Und dann war es Zeit, alle zur Sache zu bringen. Mit einem Zitat von niemand Geringerem als Lenin. „Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts geschieht, und es gibt Wochen, in denen sich Jahrzehnte vollziehen." COVID und der Krieg, beide Phänomene stellen Fragezeichen hinter unsere Zukunft, so de Caluwe. Viele Projekte standen auf dem Plan, aber durch die Pandemie sind einige davon in den Lagerbestand gelangt. Höchste Zeit, nun wieder in die Offensive zu gehen, ohne Bitterkeit über unsere Ohnmacht dagegen, sondern durch offensives Einsetzen auf Verwunderung und Verzauberung, die uns die Oper bringen kann.

Und welches Programm ist daraus in dieser schwierigen Zeit geworden? Zunächst etwas über das Mega-Projekt „Bastarda", das bereits früher in Planung war. Die Aufführung, auf zwei Abende verteilt, von Donizettis Tetralogie über das Leben der Königin Elisabeth I., ein Familiendrama über die englischen Tudors. Eines der Höhepunkte wird die Krönungsszene mit Publikum und einem Bühnenbild sein, das bis in den Saal hineingeht. Wer noch mehr Königsdramen aus der Zeit der Tudors haben möchte, bekommt „Henry VIII" von Saint-Saëns gratis dazu, anvertraut an Regisseur Olivier Py. Und wer sich seine Inszenierung von „Les Huguenots" merkt, kennt die Kraft seiner Fantasie. Ein bereits früher geplantes neoklassisches Meisterwerk, „Der Rosenkavalier" von Richard Strauss, hatte inzwischen bereits seine Uraufführung in Vilnius, mit den Bühnenbildern, die die Ateliers von De Munt bereits fertiggestellt hatten. Jetzt kommt es, mit zwei Jahren Verspätung, auch nach Brüssel. Das eigentliche Thema dieser Oper ist eigentlich die Vergänglichkeit unseres Lebens. Und diese Gedanken über „le passage du temps" wird Regisseur Damiano Michieletto inszenieren und Dirigent Alain Altinoglu wird mit dem Munt-Orchester diese raffinierte Partitur sicherlich erstrahlen lassen.

Und dann - erschreckt nicht - tatsächlich drei russische Opern. Und die erste ist der Auftakt der Spielzeit: Tschaikowskis „Pique Dame". Dieses zwei Jahre aufgeschobene Projekt platziert Regisseur David Marton nun in einem zeitgenössischen Gewand. Doch dabei sei auch das Munt-Debüt von Nathalie Stutzmann als Dirigentin erwähnt! Mit „Onegin" erreicht Tschaikowski einen unerwarteten Doppelsieg in diesem Brüsseler Opernhaus, und das ist auch bei Alexander Puschkin der Fall, auf dessen Geschichten beide Opern basieren. Der dritte Russe in der Gesellschaft ist die satirische Oper von Schostakowitsch „Die Nase". Er schrieb diese musikalische Kritik am „zaristische Beamtentum", als er gerade 22 Jahre alt war. Das Stück war jahrelang aus dem sowjetischen Repertoire verbannt. Die Novelle von Gogol war seine Inspirationsquelle: eine absurde Geschichte über einen Mann, dessen Nase ein Eigenleben zu führen beginnt. Wenn man ein solches Thema La Fura dels Baus und Theatermacher Alex Ollé anvertraut, dann kommt da garantiert Spektakel heraus.

„Und okay," sagte Peter de Caluwe, „ich weiß es, es sind viele russische Titel. Wir haben unser Programm nicht von der aktuellen Situation beeinflussen lassen, sie waren geplant, aber vor allem: wir sind hier, um Kunst zu schaffen, nicht um Krieg zu führen. Wir verurteilen den Krieg in der Ukraine aufs Schärfste, ja. Aber wir setzen nicht auf kulturelle Ausschlüsse, wir stehen für kulturelle Offenheit. Europäische Kunst, Literatur, Film, Musik wird immer mit der russischen Kultur verbunden bleiben. Diese Verbindung können wir nicht auslöschen. In unserer neuen Spielzeit werden russische und ukrainische Künstler Seite an Seite mit unserem Personal zusammenarbeiten, das 38 Nationalitäten umfasst." Ein Statement, das zählt!

Zwei Kreationen auch noch. De Munt hat schon immer ein Faible für Philippe Boesmans gehabt und auch diese Spielzeit hat dieser Hauskomponist eine Oper fertig. Nichts Ernstes würdest du denken, wenn du den Titel liest: „On purge bébé" oder wie Boesmans es beschrieb: Verstopfung ist kein Lachen! Eine komische Oper natürlich. „Jedes Mal, wenn ich daran arbeitete, musste ich lachen", erzählte Boesmans. Und er fühlte sich ein bisschen wie Verdi, der mit „Falstaff" seine letzte Oper schrieb, „ruhig wartend auf das Ende meines Lebens ….", schließt ein lächelnder Boesmans. Die andere Uraufführung der Spielzeit ist „Solar, Icarus burning" des britischen Komponisten Howard Moody. Ein Projekt, das vollkommen zur Vision eines umweltbewussten Opernhauses passt, eine Geschichte über den Umgang mit Nachhaltigkeit, realisiert von und für die jungen Sänger der MM Academy und die Kinder- und Jugendchöre von De Munt. Und nicht zu vergessen 2022: Es gibt dann immer noch die Fortsetzung der Feier des 250-jährigen Bestehens des Munt-Orchesters. In diesem Jahr kommen auch die ehemaligen Musikdirektoren Kazushi Ono und Sir Antonio Pappano vorbei, um zu dirigieren.

Nie oberflächliches Vergnügen in De Munt, aber doch wieder Verspieltheit, Fantasie und vor allem Substanz. Hoffentlich bleiben die Türen offen, die Gesichtsmasken weg und die Kriege vorbei.

© Roger Creyf

© Roger Creyf

WAS: Vorstellung neue Spielzeit 2022-2023 De Munt

WER: Peter de Caluwe, Generalintendant; Philippe Delusinne, Vorsitzender des Verwaltungsrats; Philippe Boesmans, Komponist.

WANN: 22. März 2022

WO: Muntschouwburg, Brüssel.

Tags Opera De Munt
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