Laus Polyphoniae, dieses zehntägige Festival für alte Musik, läuft auf Hochtouren mit einem Tages- und Abendprogramm. Rund um Laus Polyphoniae 2023 herrscht eine energische Stimmung durch den besonderen Ansatz: die Stadt Antwerpen wurde als zentrales Festivalthema gewählt 'Antwerpen. Townscape – Soundscape'.
Antwerpen ist eine Metropole. Ein internationales Handelszentrum und Kulturknotenpunkt damals und heute. Darauf wird eingespielt. Antwerpen war im 15. und 16. Jahrhundert nicht weniger faszinierend als heute. Vergangenheit und Gegenwart werden in dieser Ausgabe auf harmonische Weise vereint. Must-see: unter anderem die Sint-Augustinuskerk, ein barockes Juwel im Herzen von Antwerpen. Die ehemalige Kirche ist ein Schrein von Kunstwerken. Man hat nicht genug Augen, um das schöne Interieur zu bewundern: Stuckwerk mit einer Fülle von Putten, riesige Gemälde und drei große Altarbilder verwirklicht im erkennbaren Stil von Jan Fabre mit Deckelmalen von Juwelenkäfern.
AMUZ glänzt pro Konzert nicht mit einem dünnen Programmheft. Aber mit einem kompakten und umfangreichen Büchlein, der Bibel von Laus Polyphoniae. Ein interessantes Nachschlagewerk. Der Konzertbesucher kann darin in der ruhmreichen Geschichte von Antwerpen schmökern. Sie erfahren, wie die Stadt und die Musik in Kirchen und Stadtpalästen vokal und instrumental im 15. und 16. Jahrhundert klangen. Sie entdecken die faszinierende internationale Metropole, die Antwerpen damals war, mit all der wirtschaftlichen und musikalischen Betriebsamkeit, die damit verbunden war.
Für dieses Nachmittagskonzert ausverkauft. Die Künstler Perrine Devillers und Ariel Abramovich ließen sich von verschiedenen Antwerpener Drucken von Phalesius inspirieren, die Musik für Laute und Gesangsstimme enthielten. Die Laute wurde im späten Mittelalter zu einem beliebten Instrument. Sie wurde als Soloinstrument, in kleinen Kammermusikbesetzungen oder zur Begleitung von Sängern eingesetzt. Genau wie es in der Renaissance üblich war, führen Abramovich und Devillers eigene Arrangements von Sammlungen mit Vokalmusik auf. Le rossignol musical des chansons ist eine Anthologie französischer Chansons, die 1597 erschien. Auch darin wurde die neueste Musik aufgenommen wie Werke von Eustache De Caurroy, Andreas Pevernage, Noé Faignient, Claude Le Jeune und Séverin Cornet.
Sopranistin Perrine Devillers ist eine wunderbare Erscheinung mit einer warmen, flexiblen Stimme. Sie versteht es, Relief in eine gefühlvolle Interpretation zu bringen. Mit Anmut und Charme besingt sie die Liebe, die komplexe Knoten in einer Wirbelei von Noten flicht. Liebe: der Riss zwischen Verlangen, Erfüllung und Enttäuschung. Die schlichte Begleitung von Ariel Abramovich katapultiert Sie Jahrhunderte zurück und in die bildhafte Liebeslyriek. Ein Latifundium der Liebe, gegen das sich heutige Songwriter verblassen. Perrine Devillers ist wunderbar attraktiv mit ihrem runden Bäuchlein. Sie ist schwanger, erfüllt von Zärtlichkeit und gibt den Liedern eine zusätzliche Dimension. Die Klänge wirbeln durch den Raum. Die Akustik ist perfekt. Zwischen beiden Künstlern entsteht Chemie.