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Dionysos Now! ist zurück mit mehr spannender Polyphonie

H
· 3 Min. Lesezeit
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Dionysos Now! ist zurück mit mehr spannender Polyphonie

Mit der Adriano-Serie bringt Dionysos Now!, gegründet von Tore Tom Denys, die Musik des Polyphonisten Adriaen Willaert erneut zum Erklingen. Das Ensemble möchte ein breites Publikum für diesen Roeselaarer „Michael Jackson seiner Zeit" begeistern. Wir haben bereits früher Adriano 1 & 2 besprochen. Jetzt beleuchtet das Ensemble mit Adriano 4 ein anderes Genre aus Willaerts Œuvre: die Passion.

Tore Tom Denys ist die treibende Kraft hinter diesem Projekt. Er und Adriaen Willaert (ca.1490-1562) teilen die Geburtsstadt Roeselare. Bei seinen Musikerkollegen ist diese Stadt völlig unbekannt, aber wenn Denys erwähnt, dass sie die Geburtsstadt des Komponisten Willaert aus dem 16. Jahrhundert ist, nicken sie zustimmend. Willaerts Name ist weltberühmt. Ein Grund mehr für Denys, ein Ensemble zu gründen, um seine Musik zu ehren.

Bisher stand auf jedem Album eine Messe im Mittelpunkt. Dionysos Now! eröffnete diese Serie mit der Missa mittit ad virginem. Die zweite brachte die Missa sex vocum super 'benedicta' und Album 3 Missa ippolito. Jetzt ist es Zeit für etwas Neues. Auf diesem Album bringen sie Willaerts Johannespassion. Ein Werk, das nach dem Tod des Komponisten nicht mehr aufgeführt wurde, aber jetzt wieder lebendig wird.

Bei einer Passion denken wir schnell an die berühmten Passionen von J.S. Bach. Oder vielleicht an andere, weniger bekannte Barockpassionen wie die von Heinrich Schütz. Willaerts Passion ist jedoch anders als diese späteren Beispiele. Kontrapunkt und Basso continuo liegen hier nicht zugrunde, und Figuren werden nicht nur von einer einzelnen Stimme verkörpert. Dies ist ein polyphones Werk. Verschiedene vokale Linien bilden Stimmengeflechte und mehrere Stimmen arbeiten zusammen, um eine Figur zum Klingen zu bringen. So ist der Evangelist vierstimmig, Jesus dreistimmig und das Volk sogar sechsstimmig ausgearbeitet.

Das Ganze ist nicht dramatisch wie bei Bach, sondern heiter. Diese Passion beginnt überraschend homophon mit verschiedenen Stimmen im gleichen Rhythmus. Danach wird Willaerts subtiles Genie immer deutlicher hörbar. Als kleine, abgegrenzte Abschnitte erklingen die verschiedenen Figuren a capella. Dabei dient die Textur (die Anzahl der Stimmen und das Verhältnis zwischen ihnen) als Indikator dafür, welche Figur gerade singt.

Was sofort auffällt, ist der klare Text. Dieser ist bemerkenswert verständlich. Dies ist sicherlich ein Verdienst davon, wie Willaert diese Passion komponierte, aber auch Dionysos Now! kommt dieses Verdienst zu. Bereits in meiner Besprechung von Adriano 1 & 2 wies ich auf ihre bewundernswerte Artikulation und das großartige dynamische Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Stimmen hin. Dies sorgt für einen kristallklaren gesungenen Text, bei dem man sich auf jede einzelne Stimme konzentrieren kann und perfekt mitfolgen kann. Die Sänger von Dionysos Now! sind offensichtlich vertraut mit dem Repertoire von Willaert, und das führt zu einer sublimen Hörerfahrung.



4.7/5

WER: Dionysos Now!

WAS: Adriano 4

LABEL: Evil Penguin EPRC 0051

BESTELLEN: www.challengerecords.com

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