Die Dokumentation Maria by Callas die seit dieser Woche im Kino zu sehen ist, zeigt in knapp zwei Stunden ein doppeltes Bild der Sängerin. Zunächst und vor allem die Diva, eine Frau, die sich in der Welt von Glitter und Glamour wie ein Fisch im Wasser fühlt. Daneben lernen wir unter dieser mondänen Oberfläche auch die verletzliche Frau kennen, die ihr Glück vor allem in ihrer Kunst fand, mehr als im persönlichen Leben.
Der Film beginnt mit einem Interviewfragment, in dem Callas sagt, dass zwei Frauen in ihr stecken, Maria als Person und die Opernstar. Ihr Ziel ist es, beide möglichst miteinander zu versöhnen. In dieser Hinsicht schließt diese Dokumentation schön an den Anfangssatz meiner Rezension (Oktober 2017) der 45-teiligen Box Remastered live recordings 1949-1964 veröffentlicht von Warner Classics an: "Alles was du über mich wissen willst, ist in meiner Musik". Das Interview ist in Stücke durch den ganzen Film verwoben und gibt immer wieder einen sehr persönlichen "Touch". Es zeigt die intelligente und fast weise Art, wie Callas die oft turbulenten Ereignisse in ihrem Leben erfährt und einordnet. Diese Interviewpassagen sind die einprägsamsten und authentischsten Fragmente in der Dokumentation. Die ruhige und schlichte Art, wie Callas darin ins Bild gesetzt wurde, trägt zum ergreifenden Aspekt des Films bei.
Darüber hinaus bietet der Film einen biografischen Überblick über Maria Callas von ihrer Jugend in New York über die großen Triumphe als Opernsängerin in Mailand, London, New York, Dallas, ihre Krise und ihr Comeback und ihr Leben in der Intimität des Pariser Apartments, in dem sie 1977 starb. Ich denke, es ist faszinierender für diejenigen, die mit Callas als Opernstar vertraut sind, als für diejenigen, die sie nicht kennen. Ihre Entwicklung vom hässlichen Entlein zur hübschen schlanken Schwan wird übergangen. Für Opernliebhaber sind auch die anderen Interviews mit ihrer Lehrerin Elvira Hidalgo und mit Rudolf Bing zum Beispiel fesselnd.
Ergreifend
Der Film widmet sich zu oft der Aufregung bei der Ankunft an einem Flughafen oder in einem Theater, mit jeweils einer Schar von Paparazzi um sie herum. Sie geben natürlich ein Bild der Popularität der Sängerin und ihres Platzes in der Welt der Berühmtheiten ihrer Zeit. Die Begegnung und Beziehung mit Aristoteles Onassis bietet dankbares Filmmaterial, während die Ehe mit Meneghini sehr marginal behandelt wird und fast nur in Zusammenhang mit den Scheidungsproblemen erwähnt wird. Die Zwischenfälle in Rom (wo sie nach dem Abbruch einer Norma ausgepfiffen wurde – ein Fragment, das zur Musik der Ouvertüre La Forza del destino gezeigt wird!) und New York, wo Intendant Rudolf Bing sie vor die Tür setzt, werden ausführlich dokumentiert. Ebenso wie übrigens ihre Rückkehr in die Metropolitan mit Aufnahmen von Zuschauern, die vor dem Opernhaus campieren, um eine Karte zu bekommen! Ergreifend ist das Ende der Dokumentation im Apartment in Paris, wo Callas sich endlich geborgen fühlt und nicht von einer Meute Fans gehetzt wird.
Wir sehen natürlich auch Aufnahmen ihrer Auftritte, wobei die Passagen, die sie hinter den Kulissen zeigen, eine zusätzliche Dimension zu ihrem Leben als Sängerin verleihen. Das schönste Opernfragment im Film ist zweifellos die Aufnahme (in Farbe!) ihrer Tosca in London.
Maria by Callas bietet eine Fülle von Bildern und Zeugnissen aus dem Leben der Künstlerin und Frau Maria Callas. Es ist unglaublich viel Recherche vorangegangen und unglaublich viele Menschen haben daran mitgearbeitet – auch Künstler, die nicht unbedingt im Film vorkommen. Fanny Ardant ist eine ausgezeichnete Interpretin der Zeugnisse auf Französisch, als "alter ego" von Maria Callas. Ein Schwachpunkt meiner Meinung nach ist, dass der Film ziemlich chaotisch montiert ist und von Interview zu Opernaufnahme zu Reportagebildern springt, ohne sorgfältige Übergänge. Aber das ist sicherlich kein Grund, sich die Dokumentation nicht anzuschauen!
- WAS: Maria by Callas
- REGIE: Tom Volf
- WANN: jetzt im Kino …
- BILDNACHWEIS: © Fonds de Dotation Maria Callas