Zum Inhalt springen
Automatisch übersetzt · Original
Rezensionen

Doppelkonzert in der Antwerpse Elisabethzaal

W
· 3 Min. Lesezeit
Diesen Artikel teilen
Doppelkonzert in der Antwerpse Elisabethzaal

Unter dem Titel Dubbelconcerto erklangen am 16. dezember in der Antwerpse Koningin Elisabethzaal drei Kompositionen: ein zeitgenössisches Stück und zwei große romantische Werke. Der Abend eröffnete mit dem neuesten Werk, das von Jörg Widmann (°1973) geschaffen wurde.

Dieser deutsche Komponist ist einer der meistaufgeführten zeitgenössischen Komponisten. Viele werden den Mann und seinen Stil noch von dem Pflichtwerk des Elisabethwettbewerbs Cello des letzten Jahres kennen. Aus einigen kurzen Motiven ist die ganze Ouvertüre Con Brio aus 2008 aufgebaut, vital und erfinderisch. Ein Augenzwinkern an Beethoven, dessen Geburtstag wir am selben Tag (16. dezember) feiern.

Violist Pinchas Zukerman ist einer der großen Namen, die diese Saison in der Elisabethzaal eingeladen werden. Zusammen mit Cellistin Amanda Forsyth spielt er das Dubbelconcerto von Brahms. Nach Zukermans langer Karriere bin ich neugierig, ihn in seinem vierundsiebentigsten Lebensjahr noch einmal live zu hören. Als Geigenschüler war Zukerman einer meiner großen Idole. Der Mann hatte einen eindringlichen Ton, den ich nirgendwo sonst fand. Diesen kraftvollen Ton hat er noch immer. Nach sechzig Jahren auf der Bühne scheint es kaum Verschleiß an seinem energiegeladenen Geigenspiel zu geben.

Wie andere Concerti für mehrere Solisten wird auch das von Brahms seltener gespielt als die Soloconcerti aus dem romantischen Repertoire. Es gibt Aufnahmen aus historischer Zeit mit sowohl berühmten Geigerninnen als auch Cellisten. So hat sogar Zukerman dieses Dubbelconcerto noch mit der legendären Jacqueline Dupré gespielt. Auch die gebrachte Version mit Forsyth und dem Antwerp Symphony war eine wunderbare Aufführung in einer interessanten Interpretation.

Das Dubbelconcerto für Violine, Cello und Orchester ist Brahms' letztes Orchesterwerk. Der erste Satz wurde in einem etwas schleppenden Tempo gespielt, im guten Sinne des Wortes, wie ein alter Mann mit seinen Pantoffeln durch den Raum schlurft. Durch ihr Erscheinungsbild zog Cellistin Amanda Forsyth die Aufmerksamkeit auf sich. Weil sie keine Partitur vor sich stehen hatte, und Zukerman schon, schien es wie ein Cellokonzert mit begleitender Solovioline. Auch im echten Leben sind beide bereits viele Jahre ein Paar, was das Zusammenspiel meist zum Guten kommt, die Blicke aufeinander erklärt und wodurch sie dieses Konzert öfter spielen.

Nach dem tiefgründigen Brahms stand nach der Pause die vierte Symphonie, genannt die "Italienische", von Mendelssohn auf dem Programm. Strahlend und funkelnd aber auch rasend schwierig für die Streicher wegen der schnellen Passagen. Dadurch kann der erste Satz etwas gehetzt klingen mit schnellen Noten, die am Ende einer Musikphrase zu schnell verschwinden. Fehlerfreies Zusammenspiel war es nicht, aber dank Dirigentin Elim Chan bildete es musikalisch ein kohärentes Ganzes.

Die Elisabethzaal ist ein Resonanzkörper mit herrlicher Akustik. Es ist ein Genuss für unsere Ohren. Schade, dass die Bläser hinter den Streichern nicht höher und sichtbarer sitzen, wie meist bei anderen Orchestern. Jetzt sieht man hinter den Streichern hier und da einen Kopf, ein Fagott oder ein glänzendes Horn. Einige Bläser sind kaum sichtbar, obwohl sie die Solisten im Orchester sind. Ein Klassenorchester wie das Antwerp Symphony verdient Besseres.

WER: Pinchas Zukerman [Violine], Amanda Forsyth [Cello], Antwerp Symphony Orchestra u.L.v. Elim Chan

WAS: Widmann - Con brio, Brahms - Dubbelconcerto für Violine und Cello in a, opus 102, Mendelssohn - Symphonie Nr. 4 in A, opus 90, 'Italienische'

WO: Koningin Elisabethzaal (Antwerpen)

WANN: Freitag 16.12.2022 - 20:00

Diesen Artikel teilen

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste, der kommentiert.

Kommentar hinterlassen

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.

DE