Am Sonntag, 29. Juni wurde das Festival Musiq3 in Flagey mit einem bezaubernden Konzert abgeschlossen, in dem das Festivalthema „Be Curious" auf spannende Weise zum Leben erweckt wurde. Es war ein Abend, in dem nicht nur die Musik, sondern auch die warme, familiale Atmosphäre das Publikum umarmte. Dies wurde sofort durch die herzliche Dankesrede gegenüber den Mitarbeitern deutlich. So wurde auch die Verbundenheit innerhalb des Festivals stark spürbar.
Flagey, als internationales Haus, könnte jedoch erwägen, ihre Einführungen auch während dieses Festivals in mehr Sprachen anzubieten. Es wäre schön gewesen, auch einige Erklärungen auf Niederländisch und Englisch zu geben, auch wenn es eine Veranstaltung des französischsprachigen Radiosenders war.
Die Kraft des Klangs: Brussels Philharmonic
Was fiel von der ersten Note an auf? Brussels Philharmonic ist versiert in den Werken von Maurice Ravel und Georges Gershwin; es ist Musik, die jedem Musiker auf den Leib geschrieben ist. Das Orchester zeichnete sich durch einen reichen, warmen Klang aus; die Musiker kannten die Musik aus dem Effeff und waren vollständig in ihrem Element.
Der junge Dirigent Lio Kuokman: vielversprechend, aber mit Raum für Tiefgang
Der junge Dirigent Lio Kuokman verstand es, das Orchester mit Enthusiasmus und Präzision zu leiten, aber es blieb manchmal an der Oberfläche. Obwohl sein Potenzial unbestreitbar vorhanden war, könnte er in Zukunft vielleicht tiefer in die Musik eindringen. Seine Energie war ansteckend, aber in einigen Passagen hatte ich den Eindruck, dass die Musik etwas mehr brauchte als die flüssige Leitung, die er gab. Dennoch bietet sein Talent vielversprechende Aussichten für die Zukunft.
Der Abend eröffnete mit einer soliden Interpretation von Ravels Rapsodie espagnole, einem Werk, das uns in Flagey sofort auf die sonnenbeschienenen, farbenfrohen Straßen Spaniens führte.
Virtuosität der Pianistin Yeol Eum Son: Kraft und Technik im Gleichgewicht
Die südkoreanische Pianistin Yeol Eum Son betrat die Bühne für das Solowerk. Als ich sie Anfang März in der Wiener Musikverein in Mozarts Klavierkonzert Nr. 20 glänzen sah, war ich neugierig auf ihre Interpretation von Ravel und Gershwin. Sie enttäuschte nicht. Ihre Technik war unübertroffen, besonders in den Solomomenten sowohl von Ravel als auch von Gershwin. Sie spielte mit enormer Intensität, wobei ihr Gershwin vielleicht besser lag als Ravel. Es war beeindruckend, wie sie mit ihrer linken Hand eine so schwierige Partitur meisterhaft spielte. Die Brillanz war unbestreitbar, aber der zurückhaltende, jazzige Charakter der Musik hätte ab und zu etwas mehr Platz bekommen können. Nichtsdestotrotz war ihre musikalische Vision verfeinert und wurde mit deutlichem Ausdruck und Technik an das Publikum vermittelt.
In ihrer Interpretation von Ravels Concerto pour la main gauche wurde die Kraft des Stücks auf beeindruckende Weise spürbar. Dieses Werk ist intensiv und anspruchsvoll, und Son brachte die schwierigen Passagen mit beispielloser Präzision. Gershwins Rhapsody in Blue führte das Publikum dann in eine andere Welt. Der Klarinettist, der das ikonische Eröffnungssolo spielte, verdient Lob für seinen ausdrucksstarken und energetischen Beitrag zum Stück. Der energiegeladene Swing von Gershwin verzauberte das Publikum, und die verspielten „Quakgeräusche" aus dem Orchester sorgten für ein Lächeln bei den Anwesenden.
La Valse: zurückhaltendes schönes Walzer
Als Abschluss brachte Brussels Philharmonic Ravels La Valse. Trotz der Virtuosität des Orchesters fehlte dieser Aufführung manchmal die Bedrohung und die wilde, orgiastische Energie, die dieses Werk so besonders macht. Stattdessen erklangen vor allem zurückhaltende Tanzschritte, wobei die Schönheit des Klangs im Vordergrund stand. Dies wurde vom Publikum deutlich gewürdigt, das diese elegantere Interpretation von Ravels Persiflage des Walzers genoss. Dennoch hätte ich mir vielleicht noch etwas mehr von der Wirkung gewünscht, die ich Anfang dieser Woche in der Interpretation von Nézet-Séguin gehört hatte, etwas Feuriger und Beunruhigender.
Ein erfolgreicher Abschlussabend für Musiq3
Dieses Konzert in Flagey bildete einen charmanten musikalischen Abschluss des Festivals Musiq3. Das Publikum wurde von der Virtuosität der jungen Pianistin, der Dynamik des jungen Dirigenten und der begeisterten Aufführung des Orchesters verzaubert. Das Festival hat sein Ziel eindeutig erreicht: Neugier wurde geweckt, neue Perspektiven auf klassische Musik wurden geboten, und die jungen Talente bewiesen, dass sie die klassische Bühnenkunst mit Flair und Energie vertreten können.