Zum Inhalt springen
Automatisch übersetzt · Original
Rezensionen

Ein Hase im Turm ist kein Turmhase, oder?

L
· 5 Min. Lesezeit
Diesen Artikel teilen
Ein Hase im Turm ist kein Turmhase, oder?
Drei Türme gleich drei Leben, eigentlich vier, nein fünf, oder sagen und schreiben wir sechs Leben? Insider können 'den Hasen' und 'den Turm' sofort verbinden, aber die jüngere Generation inzwischen weniger. Welcher Hase denn? Kein echter, sondern Jo Haazen, der unübertroffene Glockenspieler und Pädagoge. Soeben erschien Jo Haazens Autobiografie als bronzebearbeitender Turmbesteiger, notgedrungen 'Kletterer', denn es gibt kaum Glockenspiele, die nicht in einem Turm stehen. Drei Türme bestimmen großenteils das Leben des Künstlers. Pro Turm schrieb Jo Haazen einen Buchband – Antwerpen, Mechelen und Sankt-Petersburg, gesammelt in einer schönen Buchmappe unter dem gemeinsamen Titel 'Ein Hase im Turm'. Jo Haazen, ein echter Springinsfeld – naja im Turm - kann man durchaus einen Hasen nennen. Was für ein aktives, komplexes Leben im Allgemeinen und was für eine reiche, seltene berufliche Laufbahn, auf die er mit berechtigtem Stolz zurückblicken kann und darf. Haazen ist derzeit ein wandelndes Stück Glockerspielgeschichte von Weltbedeutung. Antwerpen Es begann als 14-jähriger Teenager, der sich angesprochen fühlte von jenen wöchentlich, sogar täglich klingenden Glocken im gotischen Spitzentturm der Liebfrauenkathedrale in Antwerpen. Seine Mutter wurde auf dem Großmarkt geboren, näher bei den Glocken konnte es kaum sein. Jo, fast 'das Kleine Jo' denn vom 24. Dezember 1944 – er wird 80, war fast kein Weihnachtskind. Noch einen Tag warten konnte er nicht. Ja, so geht es mit Menschen, die immer mit 1.001 Dingen beschäftigt sind. Als junger Kerl zog er zur Glockenschule in Mechelen zu Staf Nees. Er war, immerhin für Glockenspiel, ein brillanter Schüler und kaum erwachsen geworden, wurde er als Stadtglockenspieler in Antwerpen angestellt, während er zwischen dem Musikunterricht, dem Lernen von Esperanto und auch dort Unterrichten und dem Glockerspiel auf seinem Turm noch dreimal den Internationalen Glockenwettbewerb des Holland Festivals gewann. Jo baute die Montagabendkonzerte in Antwerpen zu legendären Abenden aus. Die heruntergekommene Umgebung zog zehntausende Besucher an, es kam viel Gaststättenbetrieb und die Gegend lebte bis heute auf. Leider hat das Glockenspiel nicht mehr die Ausstrahlung der 'Jo-Haazen-Jahre', aber der Liebhaber bekommt immer noch das Nötige geboten. Mehr über die Geschichte Antwerpen liest du im ersten Buchband. Mechelen Abschied von Antwerpen zu nehmen, fiel Jo Haazen sehr schwer und hart. Er hat diesen Abschied nie wirklich verarbeiten können, aber die Herausforderung, Direktor der Königlichen Glockenschule zu werden und gleichzeitig Stadtglockenspieler von Mechelen, wo gerade ein mächtiges neues Glockenspiel in der Sint-Romboutstoren installiert worden war, war letztendlich zu groß. Nach vielen Telefonaten, sogar noch um 3 Uhr nachts, bevor die Frist für die Kandidatur verstrich, gab Jo Haazen nach und würde sich dafür einsetzen. Mit seinen Verdiensten, Erfahrungen und Kenntnissen wollte er nicht nur die Schule aus dem Sumpf holen, sondern auch aus den Mecheler Montagabendkonzerten machen, was es vor WWII unter Jef Denyn war oder was er in Antwerpen verwirklicht hatte. Was die Konzerte betrifft, gelang es nicht. Mechelen ist eine ganz andere Stadt, eine ganz andere Mentalität und Kultur. Die Schule hingegen wurde aus einem nach Tabak stinkenden Loch, voller gestapelter Werbezettel, zu einem international geschätzten lebendigen Institut, das heute unter seinem Nachfolger noch täglich von dessen Früchten profitiert. 100 Studenten aus mehreren Ländern sind inzwischen in diesem Akademiejahr 2024-'25 angemeldet. Das Niveau steht gleich mit den großen internationalen Konservatorien. Der fünfjährliche Königin-Fabiola-Wettbewerb ist noch in Qualität gestiegen. Die Mecheler Jahre liefen, was den Erfolg der Schule betrifft, auf Rosen, aber wir lesen auch zwischen den Zeilen, dass es manchmal besonders schwierig zuging zwischen einem Verwaltungsrat, der erstarrt in der Vergangenheit hängengeblieben war und manchmal schwer Gegenwind leistete. Inzwischen kam es zu Kontakt mit Russland, wo man in Sankt-Petersburg das Glockenspiel des Zaren Peter der Große gründlich anpacken wollte. Es wurde ein neues Instrument. Jo Haazen reiste noch mehr hin und her, nicht mehr in die USA oder nach Japan wie zuvor, sondern nach Russland. Parallel zu Mechelen unterrichtete er auch dort. Sankt-Petersburg Jeder muss in den Ruhestand gehen, wenn er Beamter ist, und Jo Haazen war als Stadtglockenspieler ein städtischer Beamter und als Direktor war er Angestellter des Unterrichtsministeriums. Also Rente. Mehr freie Zeit würde man sagen? Jo Haazen würde all diese freiwerdende Zeit in sein russisches Projekt pumpen. Inzwischen war er bereits mit der 'Auszeichnung der Freundschaft' geehrt worden, der höchsten Auszeichnung, die ein Nicht-Russe erhalten kann. 2006 wurde er zum Professor an der Fakultät für Künste, Abteilung Orgel, Cembalo und Glockenspiel in Sankt-Petersburg ernannt. Jo Haazen baute eine Konzerttradition aus, unzählige Touristen fanden und finden ihn dort, Politiker aus dem eigenen Land zogen dorthin mit im Gefolge vielen Journalisten und teils im Tross Missionen, an denen Geschäftsleute teilnahmen. Heutzutage ist es weniger lebhaft, was das Interesse aus dem Westen betrifft, angesichts der politischen Spannungen und des Krieges in der Ukraine. Schade, denn Kultur muss die Politik übertreffen, mehr noch sollte sie verbinden. Jo Haazen leitete vor dem Krieg in Sankt-Petersburg neben Russen auch Ukrainer in dieser Palaststadt aus. Lassen Sie uns hoffen, dass nach Ende der Feindseligkeiten in einer Atmosphäre des Friedens und der Brüderlichkeit die Schönen Künste siegen mögen.

Ein Hase im Turm, dreiteilige Autobiografie des Glockenspielers Jo Haazen - Antwerpen, Mechelen und Sankt-Petersburg.

Vorworte von Bart De Wever, Bürgermeister von Antwerpen; Marc Hendrickx, ehemaliger Erster Schöffe von Mechelen und Natalia Dementieva, ehemalige Ministerin für Kultur der Russischen Föderation.

Eine reich illustrierte Publikation mit sechshundert Seiten, versehen mit beispiellosen Geschichten aus dem Glockenspielleben in den oben genannten Städten und in der Welt.

Diesen Artikel teilen

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste, der kommentiert.

Kommentar hinterlassen

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.

DE