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Ein neues Passionsoratorium von Bach?

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Ein neues Passionsoratorium von Bach?
© Giodo Werner, Hartmut Hientzsch

Bereits am Palmsonntag in ein musikalisches Passionswerk gehen? Ja, man konnte es bei AMUZ in Antwerpen hören, Uraufführung in unserem Land mit Il Gardellino und nicht das von Matthäus oder Johannes. Es ging um ein Passionsoratorium, eine Rekonstruktion von Partituren, die lange Zeit in den Kulissen von Johann Sebastian Bachs Sammelwerk, in der "Anhang" des "BWV" oder Bach Werke Verzeichnis, hängen geblieben sind.

[caption id="attachment_42527" align="alignleft" width="400"] Alexander Grychtolik[/caption]

Musikwissenschaftler und Musiker fragen sich immer noch, ob es sich um Stücke handelt, die Bach unvollendet ließ oder nur ihm zugeschrieben werden. Einer von ihnen ist der Musikwissenschaftler und Cembalist Alexander Grychtolik. Er fand und untersuchte in einer Sammlung von Bachs Librettist und Dichter Picander Texte für ein "Passionsoratorium". Es ist bekannt, dass Bach 1725 an einer Passionsgeschichte für Karfreitag arbeitete, aber es bleibt unklar, ob er sie auch vollendete. Auf der Grundlage all dieser textlichen und musikalischen Daten rekonstruierte Grychtolik dieses Oratorium. Er nennt es selbst ein "künstlerisches Experiment". Mit einer Anspielung auf Bachs Liebe zur Zahlensymbolik besteht diese Geschichte aus 33 Teilen, die Christuszahl seines Alters.

Von der ersten Note an bist du in diesem Passions-Idiom von Bach. Mit den Worten des Chorals ist das wie folgt:"O Mensch, bewein deine Sünde, darum Christus gab das Blut". Gepflückt aus dieser Sammlung von Bachs Textschreiber Picander und hier alles schön und poetisch ins Programmheft übersetzt. Danach folgt als Rezitativ ein erstes Stück Evangeliengeschichte und eine Arie mit Tenor/Evangelist Hans-Jörg Mammel. Bei vielen dieser Arien in dieser Passions-Rekonstruktion gehört ein Dialog mit einem oder mehreren Instrumenten dazu, jedes Mal unterstützt durch einen schwermütigen Basso continuo.

Besonders schön ist zum Beispiel die sehr melodische Petrus-Arie mit Bass Jonathan Sell, im Duo mit Querflöte und Oboe. Zuerst zusammen vereinigt und nebeneinander Jan De Winne und Marcel Ponseele, Gründer des Barockorchesters Il Gardellino". Das erste Mal ist die melodische Linie klagender, das zweite Mal war es einen Ton höher auf einer Oboe d'amore und sollte böser klingen. Das Problem ist, wenn man diese Arie zweimal spielen muss, ist das körperlich nicht zu bewerkstelligen und gab ich das zweite Mal an meinen Kollegen ab" sagt Ponseele. Es war ein Höhepunkt in dieser Passion. Aber das war auch so bei all diesen Arien mit Alt William Shelton, Bariton Tiemo Wang, Sopran Maria Jana Pieters jeweils im Dialog mit der Violinistin, mit den Blockflöten, Fagott, Oboen...

Wie kam diese Zusammenarbeit zustande? Jan De Winne: "Es war Alexander Grychtolik, der uns einlud, mal seine Rekonstruktion zu hören, und er rief uns später an und sagte, dass er sein Projekt gerne mit Il Gardellino machen würde. Wir haben ja gesagt und arbeiten jetzt schon lange daran. Er hat das Projekt während der Covid-Zeit abgeschlossen und 2023 war die Uraufführung in Frankfurt. Es gibt natürlich Diskussionen über eine solche Rekonstruktion, aber jedes Bachfestival möchte das inzwischen einmal hören…". Marcel Ponseele fügt scherzhaft hinzu: "Das wäre meine erste Frage, wenn ich Bach sehe: stimmt das nun oder nicht?"

Wenn dieses Passionsoratorium mit dem wunderschönen Chorpart "Wir setzen uns bei deinem Grabe nieder" endet, kann man nur denken: "die Rekonstruktion ist wirklich Bach". Herrlich, wenn man diesen Begriff bei einer Passionsgeschichte verwenden kann. Es klingt genauso beeindruckend und ergreifend wie die vollendeten Passionen von Johann Sebastian Bach.

Noch zu hören auf KLARA, eingeleitet von Nicole Van Opstal, jetzt Karfreitag 18. April im Programm Klara Classic um 20 Uhr und später auch auf VRT MAX.

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