Zum Inhalt springen
Automatisch übersetzt · Original
Ankündigungen

Ein Pianist, zwanzig Sonaten und ein Komponist, der es verdient

W
· 3 Min. Lesezeit
Diesen Artikel teilen
Ein Pianist, zwanzig Sonaten und ein Komponist, der es verdient
© Xander Benham

Xander Benham beginnt an einem Langzeitprojekt: den vollständigen Klaviersonaten von Kapustin. Er nimmt diese Herausforderung mit der Hartnäckigkeit von jemandem an, der genau weiß, warum.

Nikolai Kapustin ist einer jener Komponisten, über die jeder, der ihn kennt, enthusiastisch wird, der aber beim großen Publikum immer noch grob unterschätzt bleibt. Der ukrainisch-russische Pianist und Komponist (1937–2020) wuchs in der Sowjetunion auf, studierte am Moskauer Konservatorium und hegte im Geheimen eine leidenschaftliche Liebe zum Jazz – ein Genre, das in seinem Heimatland politisch verdächtig war. Seine Antwort auf dieses Paradoxon war ebenso einfallsreich wie kompromisslos: Er schrieb den Jazz vollständig aus. Keine Improvisation, keine Leadsheets, sondern vollständig notierte Musik, die klingt, als würde sie spontan entstehen. Klassische Architektur mit einer Seele aus Jazz.

Das Ergebnis ist ein eigenartiges Oeuvre, das sich schwer einordnen lässt – zu jazzig für die klassische Konzertsaal, zu streng notiert für den Jazzclub – und das vielleicht gerade deshalb so lange im Schatten blieb. Wer Kapustin einmal entdeckt hat, wird abhängig davon. Und das bringt uns zu Xander Benham.

Der englische Pianist, inzwischen in Utrecht ansässig, lernte Kapustin während seines Bachelors an der City, University of London kennen und ließ ihn seitdem nicht mehr los. Er vertiefte sich in die Concert Etudes und führte ein seltenes Konzertwerk von Kapustins Zweitem Klavierkonzert in den Niederlanden als Abschluss seines Masters am HKU Utrecht Conservatorium auf – ein Werk, das hier bis dahin kaum bekannt war. Seitdem spielt er Kapustin regelmäßig in Konzerten. Nun unternimmt er einen Schritt, den bisher kein Pianist je unternommen hat: Er wird die gesamte Serie von zwanzig Klaviersonaten aufnehmen, eine nach der anderen.

Die erste Aufnahme ist ab 1. Juni 2026 auf allen Streamingplattformen verfügbar: die Klaviersonate Nr. 1, opus 39, besser bekannt als die Sonate-Fantasie, geschrieben 1984. Das Werk besteht aus vier Sätzen – Vivace, Largo, Scherzo und Allegro molto – und dauert etwa einundzwanzig Minuten. Es ist technisch anspruchsvoll, voller rhythmischer Komplexität, virtuoser Wendungen und dieser typischen Kapustin-Spannung zwischen notierter Präzision und scheinbarer Spontanität. Benham studierte es ab Mai 2023 und nahm es erst im Oktober 2025 in Trypoul Studios in der niederländischen Stadt Neerkant auf. Mehr als zwei Jahre für eine Sonate – das ist kein Planungsproblem, sondern Ernst.

Was dieses Projekt auszeichnet, ist die dahinterstehende Überzeugung. Benham sieht Kapustin nicht als Kuriosum oder als Hybrid zwischen Genres, sondern als einen Komponisten von Format, der einen gleichberechtigten Platz im Repertoire verdient. Dieser Standpunkt ist verteidigbar, und es ist gut, dass jemand ihn durch Taten untermauert.

Kapustin arbeitete sein Leben lang in relativer Unbekanntheit – seine Partituren zirkulierten jahrelang kaum, sein Name fehlte in den großen Nachschlagewerken. Das Interesse wächst in den letzten Jahren glücklicherweise, aber eine systematische Dokumentation des Sonatenzyklus bleibt aus. Dass Benham diese Lücke füllen möchte, ist an sich schon von Bedeutung.

Die klassische Musik braucht mehr Pianisten mit einer Mission, nicht nur mit einem Programm. Benham scheint zu wissen, was er sagen möchte, und er hat zwanzig Sonaten Zeit, um es zu beweisen. Das ist vielleicht die stärkste Art von Versprechen.

Mehr Informationen: https://linktr.ee/xander.benham

Diesen Artikel teilen

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste, der kommentiert.

Kommentar hinterlassen

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.

DE