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Eine vergessene Missa Solemnis ... von Papa Mozart

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Eine vergessene Missa Solemnis ... von Papa Mozart

*** Geburtstage von Komponisten werden in der klassischen Musikwelt im Allgemeinen gerne begangen. Der dreihundertste Geburtstag von Leopold Mozart (1719-1787) zeigt, dass dies nicht immer der Fall ist. Besonders berühmte und populäre Komponisten erfreuen sich nämlich dieser zusätzlichen Aufmerksamkeit. Und doch: ab und zu ist ein Geburtstag auch Anlass, um einen weniger bekannten Komponisten in den Fokus zu rücken.

Ist Leopold Mozart denn weniger bekannt? Ja, zumindest als Komponist, denn er wird vor allem als der Vater in den Blick genommen, der sein Wunderkind Wolfgang zu einem Superstar machte. Selbst Wolfgang Amadeus Mozart kümmerte sich kaum um das Erbe seines Vaters. Und doch hatte er Respekt vor der pädagogischen Anleitung, die er seinem Vater zu verdanken hatte, auch wenn er sich regelmäßig von ihm distanzierte. Aber nach der Komposition seiner eigenen Grosse Messe in c-moll (KV 427) und vier Jahre vor dem Tod von Leopold verwies er doch demütig auf die Kirchenmusik seines Vaters und beklagte sich, dass sie schrecklich vernachlässigt wird.

Eine zu begrüßende Initiative also, dass die Bayerische Kammerphilharmonie – ansässig in Augsburg, der Geburtsstadt Leopolds – die Missa Solemnis einer Aufnahme würdig erachtet. Mit Alessandro de Marchi haben sie einen Dirigenten, der sich gerne für weniger bekannte Werke einsetzt. Er leitet das Kammerorchester mit Feingefühl im Ton je nach Messeteile und bringt die sakrale Musik lebhaft, aber nuanciert zu Gehör. Ein zurückhaltender Gratias agimus tibi und ein kräftiger Hosanna in excelsis, um nur diese als Beispiel zu nennen. Der Chor Das Vokalprojekt bietet einen innig-religiösen Klang. Hören Sie sich doch einmal das Et incarnatus est an. Und beim Solistenquartett fällt nur der Tenor etwas aus dem Rahmen, mit einer etwas hölzernen Stimme und wenig geschmeidigem Legato. Sopran und Alt sorgen für einen schönen Wechsel in der Schlussstrophe Miserere nobis des Gratias agimus tibi. Sie singen ihre Solopassagen schön, ebenso wie der Bass.

Diese Aufnahme holt diese kantatenartige Messe von Leopold Mozart also zu Recht aus dem „kollektiven Vergessen" heraus, wie Sylvie Kürsten es in ihrem Begleittext zur CD nennt. Es ist eine schöne Würdigung an den 300 Jahre alten vernachlässigten Vater-Komponisten von Wolfgang Amadé.


  • WAS: Leopold Mozart (1719-1787) – Missa Solemnis
  • WER: Bayerische Kammerphilharmonie und Das Vokalprojekt u.L.v. Alessandro de Marchi – Arianna Venditelli (Sopran) – Sophie Rennert (Alt) – Patrick Grahl (Tenor) – Ludwig Mittelhammer (Bass)
  • AUSGABE: BR-Klassik - AP205
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