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Elfrida Andrée und mehr Entdeckungen auf dem dritten Komponistinnenfestival in Essen

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Elfrida Andrée und mehr Entdeckungen auf dem dritten Komponistinnenfestival in Essen
© TUP

Das Aalto Musiktheater und die Philharmonie in der deutschen Stadt Essen sind vom 12. bis 15. März erneut der Treffpunkt für Musik weiblicher Komponistinnen. Die dritte Ausgabe dieses Komponistinnenfestivals stellt unter anderem die deutsche Maria Herz, die Irin Ina Boyle und die Schwedin Elfrida Andrée als absolut (wieder)zuentdeckende in den Vordergrund. Auch Vorträge sind wieder Teil des vielversprechenden Programms.

Das Komponistinnenfestival her:voice setzt eine Tradition fort, in der vergessenes Repertoire, historische Vorkämpferinnen und zeitgenössische Stimmen nebeneinander gestellt werden. Mit ausschließlich Musik von Frauen im Programm möchte das Festival nach Aussage der Intendantin Merle Fahrholz 'neue Perspektiven' eröffnen. 'Nicht, weil die Musik zwangsläufig anders wäre als die von Männern. Auch nicht, weil sie angeblich besser wäre oder weil diese Werke unbedingt in einen neuen Kanon aufgenommen werden müssten', schreibt sie im Vorwort des Festivalbroschuere, 'sondern wegen der Entstehungshintergründe. Diese spiegeln bewegte Lebensläufe, massiven Widerstand und mutige Selbstbehauptung wider, die andere Ebenen berühren als die ihrer männlichen Kollegen.'

Geflohen vor den Nazis

Nehmen Sie zum Beispiel Maria Herz (1878-1950), geboren in Köln in einer jüdischen Textilienfamilie. Zwischen den beiden Weltkriegen erlebte sie ihre kreativste Phase, während sie sich nach dem Tod ihres Mannes auch noch um ihre vier aufwachsenden Kinder kümmern musste. 1926 konnte sie als Komponistin einen Durchbruch erzwingen, indem sie den Vornamen ihres verstorbenen Mannes Albert vor ihren eigenen Namen stellte. Nachdem sie 1935 vor den Nazis geflohen war, geriet 'Albert Maria Herz' jedoch völlig in Vergessenheit.

Erst nachdem ihr künstlerischer Nachlass 2015 in der Zentralbibliothek Zürich landete und Studentinnen begannen, sich darin zu vertiefen, konnte Herz allmählich wiederentdeckt werden. Dank der deutschen Cellistin Raphaela Gromes, die 2023 auch die bemerkenswerte CD Femmes mit Werken von 24 Komponistinnen veröffentlichte, wird Herz' Cellkonzert heute erneut aufgeführt. Während des Festivals wird Gromes dabei von der Essener Philharmonie begleitet. Im immer interessanten Rahmenprogramm von Vorträgen und Gesprächskonzerten wird die Cellistin zusammen mit den Studentinnen auch tiefer auf das Leben und Werk von Maria Herz eingehen.

Mutig

Weiterhin stehen auf dem Programm dieses Sinfoniekonzerts unter der Leitung der italienisch-türkischen Dirigentin Nil Venditti die zweite Symphonie der französischen Komponistin Louise Farrenc (1804-1875) und die Rhapsodie The Magic Harp der Irin Ina Boyle (1889-1967). Über diese ist eine Passage aus einem Brief von Ralph Vaughan Williams bekannt: 'Ich finde es sehr mutig von dir, mit so wenig Anerkennung weiterzumachen. Das Einzige, was man sagen kann, ist, dass sie schließlich kommen wird.' Ich zitiere dies als eines der Mottos in meinem Buch Vrouw aan de piano, aber soweit ich feststellen konnte, bleibt sie eine Komponistin, die selten oder nie zu hören ist. Ich bin neugierig, ob dieses Festival für Ina Boyle einen Wendepunkt bedeuten kann.

Gesellschaftlich engagiert

Eine andere Komponistin, die ich in Vrouw aan de piano bespreche, aber von der ich noch nie Werk live gehört habe, ist die Schwedin Elfrida Andrée (1841-1929). Diese Schülerin von Niels Gade war die erste weibliche Organistin und Telegrafistin Schwedens – sie zeigte sich schon von Jugend an sehr für 'männliche Berufe' interessiert. Festival-Intendantin Merle Fahrholz weist auf das gesellschaftliche Engagement sowohl der Komponistin als auch ihrer Librettistin, der Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf, hin. In Fritjof-Saga, Andréés einziger Oper, wird eine altnordische Sage aus der Perspektive der Frauen erzählt, die zurückbleiben, wenn ihre Männer in den Krieg ziehen.

Das künstlerische Team rund um die in Kasachstan geborene Regisseurin Anika Rutkofsky, Gewinnerin des prestigeträchtigen Ring Award, macht aus dieser archaischen Vikinger-Geschichte mit ihrer ungewöhnlichen, weiblichen Erzählweise eine überraschend moderne Produktion, verspricht die Festivalorganisation.

Uraufführung

Andrée und Lagerlöf reichten das Werk 1894 bei einem Wettbewerb anlässlich der Eröffnung des neuen königlichen Opernhauses in Stockholm ein, aber es wurde nie aufgeführt. Mehr als 130 Jahre später erlebt die Fritjof-Saga in Essen endlich eine vollwertige szenische Uraufführung – wiederum ein treffendes Beispiel dafür, wie das Festival bei jeder Ausgabe vergessenes Repertoire ausgräbt.

So war bei der ersten Ausgabe die Oper Fausto (1825) der französischen Komponistin Louise Bertin (1805-1877) – die erste, die von Goethes Meisterwerk eine Oper machte – eine absolute Entdeckung. Und im vergangenen Jahr bei der zweiten Ausgabe durften wir die Symphonie La grande guerre von Charlotte Sohy (1887-1955) – oder Charles Sohy wie das männliche Pseudonym dieser Pariserin lautete, das sie in der Hoffnung auf Anerkennung annahm – kennenlernen. Sohy begann 1914 mit La grande guerre, aber das Werk blieb mehr als ein Jahrhundert lang irgendwo in einer Schublade vergessen und unaufgeführt.

Es fällt auf, dass das Kriegsthema bei jeder Ausgabe des Festivals zurückkehrt. Oder wie solch vergessene Werke ohnehin aktuell bleiben…

Symposium

Wie gesagt, beschränkt sich das Komponistinnenfestival her:voice nicht auf Konzerte. Das Festival kombiniert Musik mit Reflexion über ein umfassendes Symposium zu Themen wie Pionierschaft, Geschlecht in der Oper und die Sichtbarkeit von Komponistinnen in der Musikgeschichte.

Die Kraft von her:voice liegt darin, dass es kein Nischen-Event sein will. Das Festival zeigt, wie reich und vielfältig das Repertoire weiblicher Komponistinnen ist, und wie selbstverständlich es eigentlich sein sollte, dass diese Musik Teil des Standardrepertoires ist. Einige Konzerte, wie die Fritjof-Saga, werden übrigens auch außerhalb des Festivals programmiert.

• Komponistinnenfestival her:voice III vom 12. bis 15. März in Essen (Dl.). Konsultieren Sie hier das vollständige Programm der Konzerte und Vorträge.
• Dieser Artikel ist auch auf dem Blog Notities van een vrouw aan de piano erschienen.

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