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Fadia Tomb el-Hage: Hymne an das Mosaik libanesischer Stile

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· 4 Min. Lesezeit
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Fadia Tomb el-Hage: Hymne an das Mosaik libanesischer Stile

Die libanesische Altistin Fadia Tomb el-Hage bringt eine Huldigung an die libanesischen Künste. 16 libanesische Komponisten haben 19 Texte von (nahezu ausschließlich) libanesischen Dichtern und Schriftstellern vertont. Eine Vielzahl von musikalischen Stilen kommen auf dieser CD zusammen, wie das Mosaik von Traditionen die libanesische Gesellschaft prägt.

Fadia Tomb el-Hage

Fadia el-Hage (°1962, Beirut) begann ihre Musikkarriere im Alter von 14 Jahren. Sie durchbrach 1998 beim Festival of Baalbeck und wuchs zur international gepriesenen Sängerin heran. Diese Altistin ist für ihr vielfältiges Repertoire (europäische Klassik, Mittelalter, Nahost und zeitgenössische Musik) bekannt. Sie ist spezialisiert auf verschiedene Gesangstechniken und versteht es, diese innovativ zu kombinieren. Das Timbre ihrer Stimme ist besonders ausdrucksvoll und el-Hage versteht es, mit Beherrschung Leidenschaft und Charisma zu vermitteln.

Libanesische Musik

Libanesische Musik und Literatur besitzen einen außergewöhnlichen Reichtum und eine Vielfalt: manchmal ist sie östlich und manchmal westlich. Die gesungenen Worte sind eine Auswahl arabischer, französischer, deutscher und englischer Gedichte und Texte. Die musikalischen Stile sind eklektisch: Einige Werke sind arabisch und andere westlich, einige traditionell und andere zeitgenössisch, einige tonal andere modal oder atonal,… Dies führt zu einem reichen Austausch von Farben, Tönen, Modi, Rhythmen, Harmonien und Vokaltechniken. Zu diesem letzten Aspekt schreibt el-Hage im beigefügten Heft: „Für mich war dieses Album kein Versuch, meine künstlerische Identität zu betonen. Es sollte libanesische Komponisten einladen, durch das Vertonen von Texten, die von Libanesen geschrieben wurden, ihre eigenen Universen auszudrücken, wobei meine Stimme der Gast sein würde."

Ein Mosaik musikalischer Stile

Und verschiedene Welten sind es... So enthält das Avantgarde-Werk Das Lied der Seele (Ur. 2006 / Deutsche Übersetzung 2019) von Houtaf Khoury (°1967) eine ähnliche Skepsis wie Schnittke und Kantscheli. Khoury's Stil wird durch seine Überzeugung charakterisiert, dass Musik eine Botschaft vermittelt und seine Botschaft ist eine Bitte um eine humanere Welt. Wie der Text von Jacques Aswad sagt, ist es ein Lied „das in der Perle meines Herzens lebt" und „das Ruhe ausbreitet, das Lärm begraben lässt."

Daneben kontrastiert das jazzige Vers le soleil blue (2018) von Joëlle Khoury (°1963). Die Pianistin und Komponistin ist sowohl im Jazz als auch in klassischer Musik tätig und dies spiegelt sich auch in diesem Lied wider. Sie wählte einen strophischen französischen Text von Nadia Tuéni. Saxophon, Violine, Violoncello, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug (mit Besen) sorgen für die Begleitung, während el-Hage den Text abwechselnd locker singt und emotional rezitiert.

Die Brücke zwischen dem Nahen Osten und dem Westen erklingt im Oeuvre von Mona A. Ahdab (1966°). À la fin de cela (2016) ist ein schönes Beispiel ihres kompositorischen Stils. Eine spätromantische Lied-Ästhetik ist mit traditionellen Klangfarben vermischt, die in den Noten des Klavierquartetts widerhallen und diesem Werk dadurch eine „libanesische Färbung" geben.

Wafāʾal-ʿaşāfīr (2004 / 2020) von Charbel Rouhana (°1965) ist das deutlichste Beispiel auf der CD, das sich von traditioneller Musik inspirieren lässt. Neben westlichen Instrumenten wie Streichern werden auch traditionelle Instrumente wie Oud (birnenförmiges Saiteninstrument, das als Vorläufer der Laute gilt) und Qanûn (oder Kakun, eine Art Hackbrett) hinzugefügt. Der arabische Text stammt von Ounsi El-Hage und beschwört die Schönheit der Natur und die Freiheit der Vögel. Das warme Timbre von el-Hage kommt in diesem Lied wunderbar zur Geltung.

Für diese CD arbeitete el-Hage mit dem belgischen Ensemble Fragments zusammen. Sie nahmen, mit Ausnahme einiger Stücke, die vom Beirut Oriental Ensemble aufgeführt wurden, die instrumentale Begleitung auf sich. Wie el-Hage fühlt sich Fragments in verschiedenen Genres zu Hause und beschreiben diese fruchtbare Zusammenarbeit als eine „fantastische neue Erfahrung; sie hat uns gelehrt, mit arabischer Musik und Kultur zu vibrieren." Die Initiative für diese CD war eine Zusammenarbeit zwischen Fadia el-Hage, Centre du Patrimoine Musical Libanais (CPML), Baalbek International Festival und Quart de ton (eine internationale gemeinnützige Organisation mit Sitz in Belgien). Sie baten verschiedene libanesische Komponisten, ein Lied für Alt und Kammermusikensemble auf Texte von libanesischen Schriftstellern zu komponieren. Mit dieser Sammlung von Werken stellen die Musiker den Reichtum an nebeneinander existierenden Musikstilen zur Schau, die das Land kennzeichnen.

Die verschiedenen Stile sind eklektisch, aber so angeordnet, dass ähnliche Stile nebeneinander platziert sind, um die Übergänge beim Hören zu glätten. Dieses Mosaik gewährleistet eine angenehme Reise durch die libanesische Musiklandschaft.


  • WER: Fadia Tomb el-Hage [Altistin], Fragment ensemble, Beirut Oriental Ensemble
  • WAS: Masārāt: Sings Lebanese Authors And Composers
  • AUSGABE: Orlando Records (Katalognr.: or 0042, EAN-Code: 9120040732431)
  • FOTOS: © Antonella Badaoui
  • SPOTIFY: Masārāt
  • BESTELLEN: JPC
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