Im Vorjahr startete die erste Ausgabe von „STROOM". Kreative Geister bleiben nicht gerne untätig. Veerle Simoens, künstlerische Direktorin des Festival van Vlaanderen OdeGand, und ihr Team wollten nicht nur die einzigartigen Orte in der Innenstadt Gent, sondern auch die vielen schönen Plätze in Ostflandern, das reich an wunderschönen Schlössern ist, mit Musik erschließen. Ein voller Erfolg. Mäandernd führt STROOM das Publikum auf eine musikalische Entdeckungsreise. Jeden Tag gibt es in einer anderen Stadt oder Gemeinde im Scheldetal ein großes Open-Air-Konzert, ein intimes musikalisches Erlebnis oder nachhaltigen Diskurs zu erleben. Mit ihrer zweiten Ausgabe lässt der jüngste Festivalsprosse des Festival van Vlaanderen Kultur und Natur ineinander übergehen und befasst sich mit den Themen Klima, Ökologie und Nachhaltigkeit. Das Programm trägt alle Qualifikationen in sich, um außergewöhnlich zu sein mit einem Spektrum von Ernst bis Verspieltheit, analytisch versus romantisch, sucht Antworten auf Lebensfragen und ist eine Ode an die Fantasie.
„A Midsummer Night's Dream" Regie Tom Goossens
Damit landen wir direkt beim Eröffnungskonzert mit dem sehr passenden „A Midsummer Night's Dream" von Shakespeare und Mendelssohns märchenhafter Orchestermusik während der Sommersonnenwende am 21. Juni. Treffpunkt: der Donkmeer in Berlare. Es wird ein großes Ereignis mit dem Symfonieorkest Vlaanderen und den Schauspielerpaaren Tom Van Dyck & Alice Reijs und Koen De Graeve & Ariane van Vliet, dem Vokalensemble Air4Six, Dirigent Risto Joos in einer Regie von Tom Goossens. Er war in den vergangenen Jahren bei Muziektheater Transparant tätig, seiner eigenen Kompagnie: de SCHONECOMPAGNIE, Com. Marius. Bei Opera Ballet Vlaanderen führte er im vergangenen Monat Regie bei Le Nozze di Figaro, eine freche und gefeierten Produktion. Seine Arbeit bringt eine frische Dimension ins Opernrepertoire, Fiktion und Realität, die er feinsinnig mit einem Hauch Humor zu filtern versteht. Trotz seines vollen Terminkalenders gelang es uns, ihn für ein Gespräch zu gewinnen.
-Beim Inszenieren, was spricht Sie besonders an: Herz, Verstand oder Intuition?
Intuition, auf jeden Fall. Ich versuche immer, das zu machen, das ich selbst gerne sehe. Das hat natürlich mit Geschmack zu tun. Ich versuche, mich gut vorzubereiten, so dass es für die Schauspieler sehr klar ist, welche Art von Sprache und Atmosphäre ich erreichen möchte.
-Empfänglichkeit für Stimmungen ist sehr wichtig.
Wenn ich inszeniere, versuche ich, die Atmosphäre sehr gut zu gestalten und die Menschen darin mitzunehmen. Gesprochener Text ist an sich musikalisch. Die Schauspieler bekommen bei mir auch eine Partitur. Das macht den Kontext sehr konkret. Bei einem Spiel mit Spielregeln kannst du dich sehr viel amüsieren. So ist es auch bei diesem Theaterstück von Shakespeare. Es gibt Spielregeln, es gibt einen Rahmen, es gibt Musik zum Sprechen. Dadurch gibt es einen sehr klaren Rahmen. Diesen Rahmen musst du anlernen, du musst die Regeln kennen. Innerhalb dieser Regeln entwickelt sich ein Zusammenspiel. Das sorgt für Entspannung und Vergnügen auch. Wenn ein Text musikalisch ist, zieht er die Spieler auch in die schöne Atmosphäre. „A Midsummer Night's Dream" können wir als eine zärtliche Träumerei beschreiben, eine Geschichte, die reich an spielerischen Elementen ist. Zusammengefasst in zwei Worten: Romantik und Humor.
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-Der Donkmeer, eine ländliche Umgebung, reizt sofort die Sinne.
Es ist ein ganz besonderer Ort. Die Tribüne ist gigantisch groß, eine Art Fußballtribüne, davor ein See und ein Steg mit Pflanzen. Dort wird das Orchester in einem transparenten Zelt platziert. Rundherum bewegen sich die Schauspieler. Sie werden zwischen der Musik hindurch Texte bringen, die auf dem Werk von Shakespeare basieren. Das Publikum sieht den Sonnenuntergang, die einbrechende Nacht. All dies sind Elemente, um das Erlebnis zu intensivieren.
-F. Mendelssohn, ein musikalisches Wunderkind, schrieb die „Ouverture" mit 17 Jahren, komponierte aber erst sechzehn Jahre später den Rest. Ursprünglich mit einem Sprecher, einem Sopran und Mezzosopran, einem Kinder- und Frauenchor. Wie gehen Sie vor?
Wir machen es mit weniger Schauspielern, einem sechsköpfigen Frauenchor und einem Orchester. Diese Schauspieler spielen eigentlich sich selbst. Sie spielen die Schauspieler aus dem Stück Midzomernachtsdroom. Es gibt Szenen, in denen es um eine Gruppe von Schauspielern geht und die erleben auch alle Liebeszerwürfnisse, die die anderen Charaktere, die nicht-Schauspieler erleben. Ich habe das alles zusammengeworfen und mich auf nur vier Charaktere konzentriert, und das sind diese vier Schauspieler.
© Paul Teerlinck
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-Du konntest die Top-Schauspieler Tom Van Dyck & Alice Reijs und Koen De Graeve & Ariane van Vliet gewinnen. Du hast dir nach und nach einen Ruf aufgebaut. Du suchst immer nach den richtigen Menschen für die richtigen Rollen.
Ja, das stimmt. Ich wähle normalerweise die richtige Gruppe aus, um die richtige Geschichte zu erzählen. In diesem konkreten Fall habe ich sie nicht so sehr wegen ihrer Rolle ausgewählt, sondern eher wegen der Gruppenenergie. Weil diese Gruppendynamik zu dem passt, was ich mit der Geschichte erreichen möchte. Die Gefühlswelt steht im Mittelpunkt einer Erzählung, die trotz ihres Märchencharakters gefühlvoll ist.
-Wird das Ganze eine frische Verbindung zwischen schönen Arien, neuem Text- und Gesangsmaterial?
In Mendelssohns Sommernachtstraum steckt relativ wenig Gesangsmaterial. Es wird anders sein. Es sind eher Schauspieler mit Orchester. Es wird eine verspielte Geschichte voller Understatements.
-Du hast „Rigoletto" zu einem Blockbuster in der Opernwelt gemacht! Einige Szenen waren fast reine Slapstick. Auch „Le nozze di Figaro" bekam eine zusätzliche humoristische Schicht. Was ist mit „Sommernachtstraum"?
Es ist eigentlich ein klassisches Konzert, das mit Textmaterial von Shakespeare aufgebrochen wird. Ein Konzept mit verspielten Szenen, vital gebracht von den vier Schauspielern.
Musik: F. Mendelssohn, Symfonieorkest Vlaanderen, Tom Van Dyck / Alice Reijs und Koen De Graece / Ariane van Vliet, Vocaal ensemble Air4Six
Dirigent: Risto Joos
Regie: Tom Goossens
WO: Festivalhal, Berlare
WANN: 21. Juni 2023
Tickets über: Website