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Vrienden & Vriendjes

V
· 6 Min. Lesezeit
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Vrienden & Vriendjes

Samstagabend, das Eurovision Song Contest. Es war in den vergangenen Wochen und Tagen zu einem Höhepunkt aufgebaut. Unser Vertreter Gustaph gab sein Bestes. Der Mann kann singen und erzielte einen schönen siebten Platz. Dieses Festival ist jedoch zu einem Zirkus mit viel Tamtam und gegenseitigem Überbieten in Extravaganz in einer Mischung aus Mode, Tanz und Performance geworden. Sodass es am Ende auch zur Einheitswurst wird!

Less is more

Dann plädiere ich lieber für Bellissama, belcanto & bella musica mit Authentizität und Charme. Dieses Konzert unter dem Titel „Freunde en Freundjes". Die bereits erfahrenen Künstler luden zwei Schüler im letzten Jahr des Klassischen Gesangs, Anaïs Simon und Isis Van Ginneken, ein, um einige Lieder aus ihrem Examensrepertoire vor einem lebenden Publikum zu bringen und so Handwerk zu erwerben… Absicht: Anfänger unterstützen.

Das Quartett von „Ode an die Freunde": Sopranistin Lissa Meyvis, Pianist Lester Van Loock, Bariton Jokke Martens und Alt Alexandra Franck musste sich am Ende mit Pech auseinandersetzen. Alexandra wurde am Samstag krank und musste absagen. Schnell umschalten ist dann erforderlich. Im Eiltempo wurde das Programm angepasst. Hier zeigt sich die Flexibilität, Wendigkeit und Professionalität von vollblütigen Künstlern. Obwohl man mit zwei Sopranistinnen, einem Alt, einem Bariton und einem singenden Pianisten oft außerhalb der Grenzen singen muss. Sie tun es mit Verve, ungezügelt und ausgelassen. Sie bewegen sich am Schnittpunkt von Virtuosität und Kreativität. Ihr Ansatz neigt zur Fusion mit einer sinnvollen Kollektion von Songs, die Verbindung zu sich selbst und zum Publikum sucht. Ein Programm mit breiter Ausrichtung: romantisch, emanzipatorisch, poetisch, komisch, flugblattartig… Musik in allen Tonarten und Gefühlen. Auch innerhalb eines Satzes oder Liedes wechseln sich kontrastierende Emotionen schnell ab. Sie fassen Klänge in Worte und Worte in Klang. Kein Funke von Monotonie zu finden. Mit Gewandtheit wird außerdem alles aneinander geplaudert, sodass das Ganze sprüht. Eine erfolgreiche Formel mit ansteckender Ausstrahlung.

Die ganze Gesellschaft beginnt mit dem flotten „Good Morning". Es wurde von Gene Kelly im Musical „Singin' in the Rain" aus dem Jahr 1952 gesungen und wurde so weltberühmt.

Die junge Anaïs entpuppt sich als Komödiantin im Lied „Yes" von Maurice Yvain, Sprachschwierigkeiten mit einem Fuß in der opéra comique. Ihre Studienkameradin Isis bringt das emotionale Lied „Le jour le soleil béni" aus der Oper Madame Chrysanthème von André Messager. Sie singt ausgezeichnet, aber es fehlt ihr noch etwas Bühnensicherheit. Ein heikler Punkt für alle angehenden Sänger und Schauspieler… wo bleiben meine Hände!? Ein kleiner Aufmerksamkeitspunkt.

Anschließend ein Duett zwischen den zwei Konservatoriumsstudenten „Ah guarda sorella" aus Cosi fan tutte von W.A. Mozart. Die Schwestern Fiordiligi und Dorabella sind verzweifelt über die Untreue ihrer Geliebten. Auch die erfahrene Lissa Meyvis greift auf ihre Studienzeit zurück und bringt ein Lied aus ihrem Abschlussproject „Peregrina I" von Hugo Wolf, mit komplexem Inhalt und Aufbau. Wolf gehörte zusammen mit Gustav Mahler zu den Großmeistern des spätromantischen Lieds.


Lester Van Loock & Lissa Meyvis


Anaïs Simon


Jokke Martens, Lissa Meyvis, Lester Van Loock


Isis Van Ginneken


Lester Van Loock

Der Tastenzauberer Lester Van Loock befindet sich auf der gleichen Wellenlänge und greift auf seine Masterarbeit zurück mit einer „Auswahl aus A gyermekeknek" von Béla Bartók. Spielerei mit Noten. Jokke Martens geht buchstäblich und im übertragenen Sinne in die Vergangenheit mit dem Song „When I was One And Twenty" von Arthur Somervell. Jugendliche Vermessenheit versus Reife. Abwechslung ist Trumpf.

Anaïs und Isis schließen an mit dem Duett „Some Things Are Meant To Be" aus dem Musical „Little Woman", Musik Jason Howland und Texte von Mindi Dickstein, basierend auf dem Roman von Louisa Alcott über die März-Schwestern, die unter den Flügeln ihrer Mutter während des Bürgerkriegs erwachsen werden. Auch besonders bemerkenswert ist ihre Interpretation des Klatschlied „Echt bestaat" aus dem Musical Goodbye Norma Jane über das Leben von Marilyn Monroe, Komponist Sam Verhoeven. Die Rollen setzen ihre Kampflust gegen das verschwörerische Geplaudere ein.

Der erste Teil endet mit dem wunderschönen Blumenduett „Viens, Mallika … dôme épais" aus der Oper Lakmé von Léo Delibes für Sopran und Mezzosopran. Vielleicht eines der berühmtesten Opernduette überhaupt. Es ist ein Genuss der lebhaften reinen Töne und scheinbar grenzenlosen Atemführung von Lissa und Anaïs und anschließend von Anaïs und Isis.

Nach der Pause beginnt Isis mit „J'ai deux amants" aus der musikalischen Komödie L'amour masqué von André Messager. Eine emanzipierte Frau lässt sich entfahren „Mon Dieu, que c'est bête les hommes!". Herrlicher Text und geschickt gestaltet von der jungen Isis. Auf ihre unnachahmliche eigene Weise interpretiert Lissa Meyvis „J'ai deux amours", das Lieblingslied der legendären Josephine Baker. George Gershwin schrieb einmal eine Parodie auf die Klischees von Liebesliedern „Blah, blah, blah". Fehlen ihr die Worte, löst Anaïs die Schwierigkeiten mit einer sexy Körpersprache. Eine geschickte Interpretation und Darstellung. Bariton Jokke Martens vermag mit der wunderschönen Arie „Nessum Dorma" aus der Oper Turandot von Giacomo Puccini zu Tränen zu rühren.

Lester Van Loock spielt mit Schwung 'Etude op. 10 Nr. 5' von einem seiner geliebten Komponisten Frédéric Chopin.

Anschließend ein Liebesduo aus dem Musical 'All I Ask Of You' aus The Phantom Of The Opera von Andrew Lloyd Webber gesungen von Anaïs und Jokke. Das Ganze bekommt eine doppelte Bedeutungsebene, als Anaïs ihre Aufmerksamkeit verlagert und verführerische Blicke mit dem Pianisten austauscht. Lustig! Das Quartett von Ode an die Freunde geht gerne das Spiel an, bei dem Oper und Theater sich mit gehöriger Portion Humor begegnen. Diese Tonart wird im Duo zwischen Isis und Jokke 'Lippen schweigen' aus Die lustige Witwe von Franz Léhar fortgesetzt. Im dritten Duo 'So muss allein ich bleiben' aus Die Fledermaus von Johann Strauss wird die Liebe des Mannes endlich erwidert. Dritter Versuch, guter Versuch. Als Schlusspunkt – und tutti im Einsatz – folgt noch 'Ode an die Freude' von Beethoven und das Publikum kann nach Herzenslust mitsingen.

Talente der neuen Generation bekamen hier eine schöne Chance angeboten, um vor einem Publikum zu stehen. Fünf Performer mit einer Leidenschaft für Musik, einer reinen Technik und einer stilvollen, begeisternden Aufführung. Sie legen ihre Seele und ihr Heil in das Singen und Spielen. Freunde & Freundjes: inspirierend und mit vollen Zügen vom Publikum genossen.

WER: Lissa Meyvis, Lester Van Loock, Jokke Martens, Anaïs Simon, Isis Van Ginneken

WAS: Freunde & Freundjes

WO: TheaterCafé Fakkeltheater

WANN: Sonntag, 14. Mai

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