Zum Inhalt springen
Automatisch übersetzt · Original
Rezensionen

Georges Bizet Carmen in Opera Ballet Vlaanderen

L
· 3 Min. Lesezeit
Diesen Artikel teilen
Georges Bizet Carmen in Opera Ballet Vlaanderen
© Danny Willems

Choreograf stürzt Carmen in den Ruin

Mit Carmen, der ikonischen Oper von Georges Bizet (1838-1875), die im letzten Jahr sein 150-jähriges Jubiläum feierte, macht Choreograf Wim Vandekeybus seine erste Opernregie. Es war also spannend, seine Herangehensweise und Vision zu sehen.

Um gleich Klartext zu sprechen: es war eine tiefe Enttäuschung. Wim Vandekeybus ist als inspirierter und origineller Choreograf bekannt und das steht auch nach dieser Produktion außer Frage. Aber es ist dennoch überdeutlich geworden, dass man damit keine gute Opernregie macht.

Felsenpartien und Tabakballen

Im Bühnenbild dominieren große schwarze Felsenpartien und auf der anderen Seite torffarben gefärbte Blöcke als Mauern der Zigarettenfabrik: darin soll die Geschichte der leidenschaftlichen Liebe und Eifersucht ihren Platz finden. Tabakballen beherrschen die ganze Oper, das Bühnenbild ist bestimmt von ihnen, denn Carmen ist schließlich eine Arbeiterin in der Zigarettenfabrik. Vor dem Vorspiel wird viel zu lange in den Felsen herumgehackt, was sofort langweilt. Dass dann ein wilder Kerl aus diesen Felsen hervorbricht, soll also – wenn ich das richtig verstehe – die archaische und instinktive Kraft der Oper und besonders der Protagonistin Carmen darstellen. Diese wilde Figur taucht unangebracht und vor allem viel zu oft und ermüdend in der Aufführung auf. Die Ausstrahlung von Carmen zu verstärken, tut es überhaupt nicht. Außerdem gelingt es Rhaeann Bryce Davis nicht, das subtile verführerische Spiel noch die verhängnisvollen Liebe von Carmen auszudrücken. Dafür wird sie viel zu plump und undifferenziert dargestellt. Eine absolute verpasste Gelegenheit, zumal sie ihre Rolle auch kaum durch ihre stimmliche Leistung rettet. Meist befleckt durch ein hässliches Vibrato (ein Fehler, das übrigens auch Escamillo hässlich trifft!) und vor allem eine sehr schlechte französische Diktion. Ein absoluter Fehlbesetzung also. Und ja, was macht man mit einer Oper wie Carmen mit einer schlechten Hauptdarstellerin? Die dann in der Schlussszene eine Art Verschmelzung mit dem bereits zu Tode aufgeführten „Ungeheuer" des Stier-Symbols zeigt? Es ist klar, dass die lokale Atmosphäre von sowohl „sur la place, chacun passe" als auch der Arena-Szene am Ende („A dos cuartos") wenig ankommt. Schade. Auch die intimeren Passagen kommen kaum zur Geltung, wie die erste Arie von Michaela oder ihre Konfrontation mit José im dritten Akt bei den Schmugglern. Maeve Höglund ist zu schwach gezeichnet, um als Michaela zu rühren. Die Choreografie beherrscht in zu vielen Passagen die Szene und meist auf eine zu gewalttätige Weise. Glücklicherweise können die Chorpassagen hier und da die Atmosphäre noch ein wenig retten – auch dank der wie immer schönen Leistung des Chors und des Kinderchors von Opera Ballet Vlaanderen. Dirigentin Keren Kagarlitsky belebt das Orchester zu einer insgesamt beeindruckenden Aufführung, hatte aber zu wenig Kontrolle über die stimmliche Leistung der Solisten.
Diesen Artikel teilen

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste, der kommentiert.

Kommentar hinterlassen

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.

DE