Place to be: Park Spoor Noord. Unter reger Beteiligung fand die offizielle Gründung von Junior Ballet Antwerp, kurz JBA, statt – ein pre-professionelles Tanzensemble für talentierte junge Tänzer zwischen 17 und 21 Jahren, das mit der Koninklijke Balletschool Antwerpen verbunden ist.
Niemand Geringeres als der talentierte Alain Honorez, ehemaliger Principal von Ballet Vlaanderen, ist die treibende Kraft hinter dieser Initiative. Er ist in guter Gesellschaft, denn Choreograph David Dawson übernahm die künstlerische Patenschaft. Honorez ist ein kreativer Workaholic, der sein Talent und seine Erfahrung nicht ungenutzt lässt. Nach seiner glänzenden Tanzkarriere bei Ballet Vlaanderen macht er weiterhin große Sprünge – erst als freischaffender Tänzer, Lehrer und Fotograf, und nun setzt er als künstlerischer Koordinator seine Schultern unter dieses neue Projekt, das von Grund auf aufgebaut werden musste. Abwechslung gibt einer Karriere Sauerstoff. In den letzten anderthalb Jahren wurden die Möglichkeiten ausgelotet und Sondierungsgespräche geführt. Allmählich kam das Projekt in Gang. Sobald die Matrix klar und präzise skizziert war, kam die Lokomotive ins Rollen mit partizipativen Formaten sowohl internationaler Stars als auch lokaler Künstler. Ein Masterstudium, das Theorie und Praxis, Handwerk und Engagement, Tradition und Experiment kombiniert – eine interdisziplinäre Erfahrung. Das präsentierte Programm klingt ehrgeizig und vielversprechend.
Premiere
Dieses Format existiert bereits in anderen Ländern und schlägt eine Brücke zwischen einer hochstehenden Tanzausbildung und der professionellen Welt. Für Belgien ist es eine Premiere. Es ist kein überflüssiger Luxus, sondern eher eine Notwendigkeit. Tänzer müssen heute viele verschiedene Stile beherrschen: einen würzigen Cocktail vom reinen Klassischen, Neoklassischen, Zeitgenössischen bis Modernen. Darüber hinaus werden die Anforderungen und Erwartungen der Choreographen immer stringenter. Grenzen werden unaufhörlich verschoben. Nur Tänzer auf höchstem Niveau können diesen Anforderungen gerecht werden. Wie geht die Schule mit dieser Vielfalt um? JBA bietet ehrgeizigen jungen Tänzern, die die klassische Ballettechnik bereits auf hohem Niveau beherrschen, ein neues umfassendes zweijähriges Programm an. Das Ziel ist es, das maximale künstlerische Potenzial der Studierenden auszuschöpfen und ihnen technische Fachkompetenz zu vermitteln. Mit anderen Worten: ein Gesamtprojekt. JBA soll eine Brutstätte und ein Experimentierraum für aufstrebendes junges Talent sein. So wird der Weg für vielseitige Tänzer gepflastert.
Startblöcke
Nachdem der Rahmen skizziert wurde, folgten auch Auditions. Diese wurden über eine neue Website, soziale Medien und Tanzmagazine weltweit angekündigt. Dreihundertfünfzig junge Menschen fühlten sich angesprochen. Zweimal dreißig Kandidaten wurden ausgewählt. Letztendlich wurden neunzehn Kandidaturen aus verschiedenen Weltregionen angenommen: Australien, Amerika, Japan, Brasilien, Spanien, Italien, Frankreich, England und auch Belgien, davon drei Tänzer aus der Koninklijke Balletschool selbst. Was erwartet sie? Die Kombination aus kontinuierlichen Workshops und gezielter Bühnenerfahrung. Für die Saison 2019/2020 sind Workshops geplant, die auf dem Repertoire von David Dawson, William Forsythe, Sidi Larbi Cherkaoui, Christian Spuck, Jean-Christophe Maillot und Mauro Bigonzetti basieren. Choreographen, die alle etwas Besonderes zu bieten haben und den Geist der Tänzer enorm bereichern werden. Es sind oft die persönlichen Assistenten dieser Choreographen, die eine oder zwei intensivere Wochen mit den Tänzern arbeiten werden. Ein Tänzer kann nur auf der Bühne wachsen und zu seinem Recht kommen. Der Höhepunkt des Programms für das nächste Jahr ist eine Galaaufführung am Samstag, 22/02/2020 in der Oper von Antwerpen mit einer Choreographie zu „Die 4 Jahreszeiten", nicht von Vivaldi, sondern „Seasons 4.0" des deutsch-britischen Komponisten Max Richter, eine einflussreiche Stimme in der post-minimalistischen Komposition und in der Begegnung von zeitgenössischer klassischer und alternativer populärer Musikstile seit Beginn dieses Jahrhunderts. Eine Wahl, die vollkommen in die Linie des Projekts passt. Vier junge Choreographen mit unterschiedlichen Visionen und vielfältigem Werk geben die Ausfüllung: Juanjo Arques von „Spring"; Altea Nuñez „Summer"; Graig Davidson „Autumn" und Mauro De Candia zeigt „Winter". Darüber hinaus treten die gesamte Population der Ballettschule an und sorgt für die Ouvertüre mit der Choreographie „Bolero", die im vergangenen Jahr beim Graduation Gala der Ballettschule dem Publikum präsentiert wurde und von Klassiek Centraal übrigens ein Goldenes Label erhielt.
Ein starkes Team
Nadia Deferm, künstlerische Direktorin KBA, gab Alain Honorez Carte Blanche und unterstützt ihn mit Rat und Tat. Alain Honorez wird von seiner Lebenspartnerin Altea Nuñez unterstützt. Zwei Künstler mit starken Profilen. Auch sie tanzte bei Ballet Vlaanderen und entwickelte dort eine besondere Affinität zur Choreographie. In den letzten Jahren machte sie national und international Furore als Choreographin mit ihrer ausdrucksstarken Bildsprache.
Das Publikum wurde während der Aufführung von Junior Ballet Antwerp mit ihrer jüngsten Kreation verwöhnt.
Vorgeschmack
13 männliche Tänzer der KBA gaben das Beste aus sich in der Choreografie 'YU' Japanisch für Mut, zu Musik von John Williams aus dem Film 'Memoires of a Geisha' und Musik von Juno Reactor aus dem Film 'Matrix Reloaded', in der verschiedene Stile verschmolzen. In ihren wirbelnden langen schwarzen Röcken waren die jungen Tänzer ein Inbegriff östlicher Gnade und Virilität. Eine Choreografie in jeder denkbaren Variation von stürmisch bis umsichtig. In einem Spiel von Distanz schaffen und überbrücken. Mit subtilen Variationen in ihren Bewegungen können die Tänzer ein neues Bewusstsein für den Raum, sich selbst und einander in synchronen und unerwarteten Bewegungen entdecken. Schön, verfeinert und kraftvoll und blitzartig riefen die Bilder in mir Erinnerungen an männliche Samurai hervor. Eine schöne, vitale Aufführung.
Auf eigenen Flügeln
Vorläufig ist dies eine private Initiative. Die ersten Gespräche über Subventionen wurden geführt, aber alle Minister, auch die für Kultur, müssen den Geldbeutel zu halten. Aber das hielt Alain Honorez nicht auf. Es wird sich wahrscheinlich regeln, aber vorläufig ist JBA ein kostenpflichtiges Programm. Die Kostengruppe liegt bei 5.000 € pro Student pro Jahr. Mit diesen Einnahmen und dem Zuschuss von der Schule für den Start muss er die gesamte Initiative stemmen. Sie sind daher auf der Suche nach privaten Sponsoren, die dem Projekt gewogen sind. Wer fühlt sich berufen?
- WAS: Aufführung der brandneuen Initiative 'Junior Ballet Antwerp'
- WANN: Sonntag, 16. Juni 2019
- WO: Park Spoor Noord, Antwerpen
- FOTOS: © Nicha Rodboon[gallery columns="5" ids="eyJ1cmwiOmZhbHNlLCJ0aXRsZSI6bnVsbCwiY2FwdGlvbiI6ZmFsc2UsImFsdCI6IiIsImRlc2NyaXB0aW9uIjpudWxsfQ==,eyJ1cmwiOmZhbHNlLCJ0aXRsZSI6bnVsbCwiY2FwdGlvbiI6ZmFsc2UsImFsdCI6IiIsImRlc2NyaXB0aW9uIjpudWxsfQ==,eyJ1cmwiOmZhbHNlLCJ0aXRsZSI6bnVsbCwiY2FwdGlvbiI6ZmFsc2UsImFsdCI6IiIsImRlc2NyaXB0aW9uIjpudWxsfQ==,eyJ1cmwiOmZhbHNlLCJ0aXRsZSI6bnVsbCwiY2FwdGlvbiI6ZmFsc2UsImFsdCI6IiIsImRlc2NyaXB0aW9uIjpudWxsfQ==,8779,eyJ1cmwiOmZhbHNlLCJ0aXRsZSI6bnVsbCwiY2FwdGlvbiI6ZmFsc2UsImFsdCI6IiIsImRlc2NyaXB0aW9uIjpudWxsfQ==,eyJ1cmwiOmZhbHNlLCJ0aXRsZSI6bnVsbCwiY2FwdGlvbiI6ZmFsc2UsImFsdCI6IiIsImRlc2NyaXB0aW9uIjpudWxsfQ==,eyJ1cmwiOmZhbHNlLCJ0aXRsZSI6bnVsbCwiY2FwdGlvbiI6ZmFsc2UsImFsdCI6IiIsImRlc2NyaXB0aW9uIjpudWxsfQ==,eyJ1cmwiOmZhbHNlLCJ0aXRsZSI6bnVsbCwiY2FwdGlvbiI6ZmFsc2UsImFsdCI6IiIsImRlc2NyaXB0aW9uIjpudWxsfQ==,eyJ1cmwiOmZhbHNlLCJ0aXRsZSI6bnVsbCwiY2FwdGlvbiI6ZmFsc2UsImFsdCI6IiIsImRlc2NyaXB0aW9uIjpudWxsfQ=="]