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Hanne Deneire: Es lebt, es wächst, … niemand weiß wohin.

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· 9 Min. Lesezeit
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Hanne Deneire: Es lebt, es wächst, … niemand weiß wohin.

Meine erste Begegnung mit Hanne Deneire liegt 20 Jahre zurück im Concertgebouw von Radio 1, als sie sich, frisch diplomiert, entwaffnend vorstellte als "Hallo, ich bin Hanne D. und ich werde eine Oper schreiben." Von einem ausführlichen Gespräch über Winterreise in Meisterwerk auf Klara erinnere ich mich an ihre spontane Aussage "Oh, aber ich habe keine Angst vor dem Tod", sie war eine junge Dreißigerin. Inzwischen bringt Deneire ihre zweite Oper auf die Bühne, Bonaparte (1) nach einem Libretto von Tom Lanoye und mit Schauspieler Stefaan Degand in der Hauptrolle. Den ganzen Sommer über können wir in der Sint Maartenskerk von Kortrijk die Ausstellung "AMI", Mycelium Music Installation, mit Musik eingespielt von Philippe Thuriot, erleben.

CDW: Du nennst dich Impact Composer, während ich dich meist als Community Composer bezeichnen würde. Sprechen wir über das Gleiche?

HD: Tatsächlich ist alles, was ich tue, eine Form von Community-Art, deshalb bin ich nach dem Konservatorium in Antwerpen für meine Spezialisierung zur Guildhall School of London gegangen, die UK ist die Wiege der Community-Art. Diese Denkweise und Handlungsweise sitzt mir für immer unter der Haut. Aber inzwischen bin ich auch Unternehmerin, ich leite beispielsweise bereits mehr als 25 Jahre lang meine Musikschule House of Music, ganz à ma façon, auf der Suche nach der größtmöglichen Verbindung zwischen Menschen. Impact Composer ist eine Kontamination von Community Composer und Impact Unternehmer, womit ich in die Reihe von Menschen wie Piet Colruyt oder Wouter Torfs komme. Es geht mir nicht nur darum, Musik zu schreiben, die schön gefunden wird, ich will auch Impact haben. Was ich derzeit mit meiner Installation versuche zu tun, ist Dinge aber auch Menschen wachsen zu lassen.

© Johan Van Den Bosch

Ausstellung 'AMI' – Mycelium Music Installation
Sint Maartenskerk, Kortrijk vom 9. Juni bis 25. September 2022


Die Ausstellung "AMI", Mycelium Music Installation besteht aus drei aufrecht stehenden Objekten, die sofort an einen Sarkophag oder Sarg erinnern. Sie bestehen tatsächlich aus lebendem Material, auf dem Stroh, aus dem sie hergestellt sind, wächst nämlich Mycelium, das vom riesigen Pilznetzwerk stammt, das alles oberirdische und unterirdische Leben verbindet und das Abfallstoffe in neues Leben recycelt. Wenn sich ein Besucher dem Sarg nähert, reagiert ein Sensor auf die Bewegung und es erklingt Musik: 'Ami', eine Komposition von Hanne Deneire aus 2015, eingespielt auf Akkordeon von Philippe Thuriot. Über die Installation möchte sie in verschiedenen mehr oder weniger spirituell aufgeladenen öffentlichen Räumen einen Dialog mit dem Besucher entstehen lassen. Diesen Sommer geschieht das in einer gotischen Kirche, in der nicht zufällig auch ein Orgelfestival stattfindet. Zu bestimmten Zeiten kann eine Live-Performance hinzugefügt werden.

CDW: Woher kommt deine Faszination für einen lebenden Organismus wie Mycelium, das wir mit Biologie, Ökologie, Wissenschaft assoziieren?

HD: Als Kind war ich mir bereits sehr bewusst über meine Verbindung mit der Welt und die Kraft bestimmter Energien. Letzteres ist genau wie Mycelium unsichtbar, nicht greifbar, aber es hat durchaus eine große Wirkung. Wenn in meiner Kindheit 'schwierige' Kinder in der Nähe waren, mit denen die Menschen keinen Kontakt bekamen, sagten sie 'setzt Hanne da hin, das wird schon klappen'. Nun, ich vermute irgendwo, dass dies mit einem Bewusstsein für Verbindung mit allem um dich herum zu tun hat. Ich bin überzeugt, dass in unserer Welt alles mit allem verbunden ist, wie das Pilznetzwerk unter der Erde zusammenarbeitet. Mit der Zeit ist dies mein Lebensstil geworden.

HD: Eigentlich suchte ich schon lange nach einem Raum, aber auch einem Objekt, einem Material, sogar einer Textur, die mit meinen Kompositionen und meiner Lebensweise übereinstimmt. Seltsamerweise waren die zwei Begriffe, die mir in den Sinn kamen, 'lebendig - tot', ich suchte nach einem Spiel von Kräften, etwas von großer Verletzlichkeit, ach, wir würden ja sehen… Bis ich unerwartet einen Dokumentarfilm über Mycelium sah. Am nächsten Tag hatte ich die Macher in der Leitung und hatte ich Kontakt mit der Technischen Universität Delft, die umfangreiche Forschung zu Mycelium betreibt, gleich in der Nähe, sozusagen. Ich entdeckte, dass die Bestattung von Leichen in Särgen, die aus Mycelium hergestellt wurden, ökologischer und organischer verläuft als die traditionelle Art zu begraben oder zu kremieren. Es ist eine harmonischere Weise, könnte man sagen. Einen Leichnam über der Erde unter einer Schicht Mycelium 'begraben', würde den Verwesungsprozess noch mehr auf wenige Monate verkürzen. Aber das ist Zukunftsmusik, weil die entsprechende Gesetzgebung derzeit überall fehlt. Ziemlich schnell gelang es meinen Gesprächspartnern und mir, meine künstlerische Vision mit ihrem wissenschaftlichen Know-how in einer Mycelium Music Installation zu verbinden. So trage ich zu einer größeren Sichtbarkeit der Forschungsarbeit von Loop biotech (2) bei und hat diese Zusammenarbeit mich wachsen lassen, als Mensch und Künstler.

CDW: Der Sprung von Mycelium zu Community war für dich offenbar gar nicht groß?

HD: Als componist wil ik de hedendaagse muziek meer laten léven, als ondernemer wil ik mensen verbinden, ze laten stilstaan en reflecteren, als pedagoog gebruik ik mijn geduld, mijn tijd om dingen uit te leggen. Het materiaal van mycelium, de textuur, de betekenis vertelt eigenlijk perfect wat ik te zeggen hebben. In mijn werk ben ik voortdurend met mensen bezig, baby's, kinderen zowel als bejaarden en mensen met dementie. Leven en dood zijn niet elkaars tegendeel, de objecten, de sarcofagen ervaar ik dan ook eerder als poorten, en de hele installatie als een vorm van transformatie. Verbinding maken tussen leven en dood, tijd en ruimte, geluid en stilte, mycelium vermag het allemaal.
Tot slot is er nog de grote onvoorspelbaarheid. Met restjes mycelium heb ik hier thuis verder geëxperimenteerd, het luistert erg nauw, hangt af temperatuur, vochtigheid, duur van de kweek, etc. Het eindresultaat is even onvoorspelbaar als een improvisatie op mijn basklarinet, geweldig toch.

CDW: Die meisten Menschen werden 'Ami' als Installation erleben, nicht als eine Performance, bei der du anwesend bist und die Dinge einrahmen kannst. Der Verirrte, der zufällige Besucher, der die Stille der Kirche aufsucht, der Musikliebhaber während des Orgelfestivals, der Tourist, der Kulturmensch, der über dich las… Was kann 'Ami' bei all diesen verschiedenen Menschen bewirken?

HD: Ik wil en ga niets invullen, maar ik hoop dat de installatie voldoende open is zodat iemand zichzelf ontmoet. Het geheel vertrekt immers vanuit stilte. Als het beeld van de kist je triggert en uitnodigt om verder te ontdekken, reageert het beeld op jou via een sensor en ontstaat er een subtiel spel van stilte en muziek. De muziek begint ppp en neemt zachtjesaan in volume toe, ze speelt in loops en is zo geschreven dat je er altijd in en uit kan stappen. Klein detail, ze is ingespeeld in een kerk, de akoestiek is dus heel passend.

HD: Das Schönste, das ich tun kann, ist Schönheit zu schaffen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der jemand bei sich selbst ankommen kann. Wenn ich überhaupt etwas hoffe, dann ist es, dass sich Menschen in diesem Raum geborgen und getragen fühlen können. Vielleicht bist du ganz allein in der Kirche und fühlt es (sie flüstert) … als würden diese Objekte, größer als du selbst, dich ein wenig halten.

© Johan Van Den Bosch
© Johan Van Den Bosch

© Johan Van Den Bosch
© Johan Van Den Bosch

© Johan Van Den Bosch
© Johan Van Den Bosch

© Johan Van Den Bosch
© Johan Van Den Bosch

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CDW: Hanne Deneire, die Bonaparte für das Orchester der Flämischen Oper schreibt, und Hanne Deneire, die das Publikum in der Kirche zur Stille einlädt – wie verhalten sich diese beiden zueinander?

HD: Mit Ami, der Installation, verbinde ich mich mit dem Besucher und somit mit der Gesellschaft, während ich mich für meine Oper eng mit dem Librettisten verbinden musste. Tom Lanoye und ich haben synchron, nebeneinander am Text und der Musik geschrieben, wir wurden ein Kopf, sahen, wie das Stück wuchs und wie die Puzzleteile wunderbar jedes Mal an die richtige Stelle fielen. Die Vision, die aus meiner Mycelium-Installation spricht, ist vollständig im kreativen Prozess von Bonaparte wiederzufinden. Rund den Protagonisten Stefaan Degand alias Napoleon hängt viel menschliches Drama, das ich auf eine geerdetete Weise darstelle. Der Schauspieler wird auch Sänger, es gibt keinen klassischen Chor, die Gesellschaft ist mein Chor und das Orchester wird aus seiner Komfortzone herausgeholt. (Einige werden einwenden, dass dies keine Oper ist, soit, das ist eine Frage der Terminologie). In Bonaparte ist die Gesellschaft sehr präsent, in der Installation steht der Besucher, das Publikum im Mittelpunkt. Insofern liegen die beiden Welten sehr nahe beieinander.

CDW: Dein lebendes Kunstwerk atmet und wächst, … niemand weiß wohin. Viel Erfolg bei allem, was du noch tun möchtest.

AGENDA:


24. Mai 2022 Bonaparte (1), mit Stefaan Degand in der Hauptrolle durch Vlaams Opera Orkest, während Antwerp Spring Festival. Die Tournee wurde wegen Corona immer noch verschoben.

9. Juni 2022 um 20:00 Uhr Mycelium Music Happening mit Improvisation auf Bassklarinette durch Hanne Deneire und auf der Orgel durch Dirk Blockeel.

10. Juni bis Ende September 2022. Ausstellung 'AMI', Mycelium Music Installation in der Sint-Maartenskerk in Kortrijk täglich von 10 bis 18 Uhr. Während der liturgischen Gottesdienste ist die Kirche für Besucher nicht zugänglich.

Zwischen 12. Juni und 18. September 2022: Internationales Orgelfestival in Kortrijk mit Pflichtwerk geschrieben von Hanne Deneire, über das später weitere Informationen folgen werden.

2023 wird die Installation auf dem Festival der Voorkempen und im SMAK zu hören und zu sehen sein.

BIO, ein Robotfoto.


Hanne Deneire hatte mehrere Klavierlehrer, studierte Bassklarinette bei Jan Guns, Komposition bei Wim Henderickx und Luc Vanhove, spezialisierte sich auf Musiktherapie und Community-Art. Sie ist bekannt für die Kompositionen Mitä, Katsu, Lotus, Divina Commedia u.a. Schrieb 2008 für Het Paleis die Oper Papieren Geluk mit Dimitri Leue in der Hauptrolle. Entwickelte eine eigene Musikmethode Children are Composers, die sie in House of Music, HoM unterrichtet. Schrieb Een andere Dementie in Muziek, das international als Grundlagenwerk im Umgang mit Musik und Demenz gilt. Absolviert an der Akademie von Berchem die Ausbildung Projekt-Atelier für bildende Künstler.
© Johan Van Den Bosch

(2) Die Installation wurde technisch ermöglicht durch Loop Biotech
https://loop-biotech.homerun.co/


hannedeneire.info
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