Ja, einst war die Orgel das führende Instrument. Buchstäblich für die Chorsänger in den Kirchen und führend als musikalische Ausgestaltung für zahlreiche Messfeiern aller Art und dies über Jahrhunderte hinweg. Durch den Zusammenbruch des Kirchenbesuchs wurden zahlreiche Orgeln sozusagen zu Instrumenten zweiter Klasse. Die Orgel geriet fast in Vergessenheit. Engagierte Organisten und Liebhaber des Instruments schafften es, das Erlebnis der Orgelmusik wieder zu wecken und Aufmerksamkeit zu erregen. Orgeln wurden und werden restauriert, neue Orgeln werden installiert und regelmäßig gibt es Konzertreihen und neue Aufnahmen erscheinen. Hier besprechen wir für Sie vier bemerkenswerte CDs, die vier Jahrhunderte Orgelmusik umfassen.
Recommended by Bach von Bart Jacobs
Es ist wohl die Orgel-CD des Jahres. Bart Jacobs, Titularorganist der Sint-Goedele & Sint-Michielkathedraal von Brüssel, spielt Werke von Johann Sebastian Bach – dem unübertroffenen Komponisten und für Orgelmusik gewiß nicht übertroffen – und von Bach empfohlene Komponisten.
Jacobs spielt nicht auf einer der Orgeln „seiner" Kathedrale, sondern auf einer Orgel, die ohne Bach in keinem Fall existieren würde und eine Orgel, für die Bach sich sofort begeistern würde. Hätte sie es in seiner Zeit gegeben und wäre eine Stelle frei geworden, hätte er sich sicherlich beworben und dann wäre Bach ein Bewohner von Leuven geworden. Die Orgel, die gespielt wird, steht in Leuven, ist brandneu und kann man in der Sint-Michielskerk hören und genießen.
Auf den folgenden Links findest du alle Informationen über diese Orgel, eine Contius-Orgel gebaut von Joris Potvlieghe. Diese Contius-Bach-Orgel (dürfen wir sie mal so nennen?) setzt Leuven und Flandern sofort auf die Weltkarte für ein erneuertes Interesse an der Orgel im Allgemeinen und hochwertige Orgelmusik im Besonderen. Wim Winters ist der Titularorganist und spielte die Orgel ein. Diese Orgel, die viel mehr ist als „eine gewöhnliche Orgel", kannst du natürlich vor Ort hören. Es gibt zahlreiche Gelegenheiten mit Konzerten und Festivals.
Wer aus welchem Grund auch immer nicht vor Ort kommt, kann sie zu Hause hören, genauso wie diejenigen, die sie genießen möchten, nachdem sie vor Ort waren. Kein besseres Hörstück denkbar als die Aufnahme von Bart Jacobs. Es ist ein Fest für das Ohr, reiner Genuss, eine Fülle der schönsten Klänge. Es gibt viele ausgezeichnete Orgelaufnahmen im Laufe der Jahre, bei denen man mit Mühe wählen kann, um zu sagen: „Ja, diese ist die!" Wohlan, mit dieser Aufnahme kannst du sagen: „Oh! Diese ist die!". Die Aufnahme ist die ideale Visitenkarte für dieses neue, historisch verantwortungsvolle Instrument. Schade, dass aufgrund der Umstände derzeit kein Goldenes Label vergeben werden kann (eine Folge der Covid-Krise und der darauf folgenden Neuorganisation von Klassiek Centraal), aber 5 Sterne (oder darf es 5+?) kleben wir drauf. Die Sterne sind für den Ausführenden, die Aufnahmequalität, das Instrument, das Projekt. Dies verdient so viel Lob, dass es extra hervorgekehrt werden sollte und muß.
Drei kräftige Orgel-CDs bei Da Vinci Records
Mit „Seeds of romanticism in Italy 1815" beginnen wir, trotz dieses Datums, im 18. Jahrhundert, um in die Töne der Orgel des 19. Jahrhunderts überzufließen. Sieben italienische Komponisten kommen zu Wort. Organist Eugenio Maria Fagiani musiziert auf der F.lli Serassi op. 351 Orgel in Calcinate (Bergamo – Italien). Diese (prä)romantischen Italiener, selbst ihre Orgeln singen Belcanto. Herrliche Entdeckungen, denn so häufig werden wir in unseren Niederlanden diese Musik nicht hören. Kaum oder nie auf einem klassischen Radio- oder TV-Sender, sehr selten bei Konzerten. Es ist jedoch Musik, die dir ein besonders gutes Gefühl gibt und dich einlädt, mitzusingen. Zu Hause darfst du das wirklich, wer kann sich daran stören? Geh dafür ein und schenk dir diese CD als zusätzliches Päckchen unter dem Weihnachtsbaum. Vier Sterne, sicher.
Von César Franck finden wir viel Musik auf CD, die hören wir auf den Sendern, die wird in Konzerten aufgeführt. Rodolfo Bellatti brachte eine erste CD heraus – Teil 1 – mit allen Orgelwerken des walisischen / französischen Komponisten. Viele vergessen, dass der Mann mit dem Namen, der auf die Franken hinweist, in Lüttich geboren wurde. Wir befinden uns mittlerweile im 19. Jahrhundert und wer wird leugnen, dass Franck ein Kind des Jahrhunderts der Romantik war? Auf der Orgel der Basilica Cathedrale Metropolitana di Sant'Agata V.M. in Catania (Italien) vibrieren die Orgelpfeifen der Orgel, gebaut von Jaquot-Jeanpierre (1877-1884), erweitert von Laudani e Giuldici 1926 und überarbeitet 2014 von Mascioni. Wer César Franck mag und nichts davon zu Hause hat oder nur einige Werke, der kann mit dieser vier Sterne CD und dem, was noch folgen wird, keine falschen Entscheidungen treffen.
Mit Louis Vierne und Maurice Duruflé landen wir vom 19. ins 20. Jahrhundert. Vierne ist auch einer jener Romantiker, die die Orgel als großes symphonisches Orchester sahen, und das hört man in seiner hier aufgenommenen Symphonie Nr. 2. Das Werk von Duruflé ist schon etwas moderner, fügt sich aber doch gut in die späte Romantik ein. Organist Francesco Botti versteht beide französischen Orgelmeister sehr gut und die (post)romantische Orgel der Abbazia Santo Stefano in Isola della Scala (ebenfalls Italien) kommt voll zur Geltung. 3 Sterne, für den größeren Liebhaber wohl 4.
- WER: Bart Jacobs
- WAS: Recommended By Bach
- VERLAG: Ramee
- BESTELLEN: JPC
4/5
- WER: Eugenio Maria Fagiani
- WAS: 1815: Seeds of Romanticism in Italy
- VERLAG: Da Vinci Classics
- BESTELLEN: Davinci
4/5
- WER: Rodolfo Bellatti
- WAS: César Franck: Complete Organ Works Vol. 1
- VERLAG: Da Vinci Classics
- BESTELLEN: JPC
4/5
- WER: Francesco Botti
- WAS: Vierne, Duruflé: Organ Works (Symphony No. 2, Suite Op. 5)
- VERLAG: Da Vinci Classics
- BESTELLEN: JPC