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Ein beeindruckendes „In Memoriam" für Weinberg und Schostakowitsch

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Ein beeindruckendes „In Memoriam" für Weinberg und Schostakowitsch

Es ist nicht verwunderlich, dass wir auf diesem Leuvenser 20•21 Festival erneut auf Schostakowitsch treffen. Er war vor zwei Jahren "Ehrengast" mit einigen seiner Streichquartette. Seine Geschichte ist mittlerweile bekannt. Das ist viel weniger der Fall für das Werk von Mieczyslaw Weinberg. Aber noch weniger bekannt ist, dass beide Komponisten gute Freunde waren. Obwohl der junge Weinberg und der ältere Schostakowitsch eigentlich Konkurrenten waren. Es gab sogar einen gegenseitigen Streichquartett-Wettbewerb, wie uns das Programmheft verrät. Nachdem der polnisch-jüdische Weinberg sein Land vor der deutschen Aggression geflohen war, half ihm der russische Schostakowitsch zu einem Visum für Moskau, und das besiegelte ihre Freundschaft.

Die Festivaldirektion wählte Dmitri Schostakowitch's 15. Streichquartett und das 16. von Mieczyslaw Weinberg, aufgeführt von einem Quartett, das auch treuen Festivalbesuchern nicht unbekannt ist, dem Quatuor Danel. Nicht zuletzt dank ihrer Aufnahme aller siebzehn Streichquartette von Weinberg im Jahr 2009 wurde sein Name immer bekannter bei Musikliebhabern. Weinberg schrieb sein 16. Streichquartett zum Gedenken an seine deportierte Schwester. Für Schostakowitsch war sein 15. sein letztes Streichquartett. Das Konzert trägt den Titel: "In Memoriam" und wurde angemessen in einer ruhigen Umgebung aufgeführt, der Leuvenser Sint Geertrui-Kirche. In der Mitte der Kirche saßen die Quartettmusiker auf einer kleinen runden Bühne, das Publikum in einem Quadrat darum herum. Nicht allzu zahlreich, aber viel junges Publikum. Man könnte denken: "Kenner", denn Streichquartette haben doch diesen Ruf? Und wir saßen also dicht beim Danel-Quartett und konnten sofort die vollen Klänge von Weinbergs 16. Streichquartett aufnehmen. Aber neben harten Passagen gab es auch sehr zarte Momente: mit dem Bogen die Saiten heiser hüpfend antippend. Kontrastreiche Dynamik war es und das sah man auch in der Mimik und Gestik der Mitglieder und besonders des führenden Geigers Marc Danel. Und immer wieder diese unerwarteten Wendungen. Komponisten dieser Art von Musik müssen es schwerer haben als "Papa" Haydn, der Vater des Streichquartetts, der aus einem unerschöpflichen Vorrat bekannter Muster, Schemata und Formeln schöpfen konnte. Weinberg konnte auf andere Inspirationsquellen rechnen, die der osteuropäischen jüdischen Klezmermusik zum Beispiel. Es bleiben Klänge und Noten, gesammelt im Gehirn des Komponisten, der sie hier bis zum Ende hin leise aber dissonant auf das letzte Blatt der Partitur legt.

Und dann kam jenes letzte Streichquartett von Schostakowitsch. Ist es vielleicht, weil wir Schostakowitsch schon länger und besser kennen, aber ab den ersten zarten Tönen klingt diese Musik gewichtiger, eindringlicher, meisterlicher als das, was wir bisher gehört haben. Den ersten Teil betitelte er mit Elegie, aber das könnte man auch von den übrigen Teilen sagen. Es gibt keine Zäsuren zwischen den einzelnen Teilen. Das ganze Quartett ist eine lange ausgedehnte "In memoriam". Und in Bezug auf Qualität gleicht es manchmal den späten Streichquartetten von Beethoven, aber im Quadrat. Mit einem dazwischen fast losgelösten Marc Danel. Intim? Melancholisch? Ein langer Weheklang? Ja, aber das klingt nun wirklich wie die musikalische Entwirrrung des Todes, getragen von drei ausgezeichneten Geigern, gestützt durch den Cellisten.

Lerne Weinberg kennen, natürlich. Aber ehre vor allem Schostakowitsch.


WAS: In Memoriam. Mieczyslaw Weinberg, Streichquartett Nr. 16; Dmitri Schostakowitsch, Streichquartett Nr. 15.

WER: Quatuor Danel. Marc Danel, Gilles Millet Violine; Vlad Bogdanas, Bratsche; Yovan Markovitch, Cello.

WO: Sint Geertrui-Kirche, Leuven

WANN: 24. Oktober 2023

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