Vergangene Woche war die niederländische Stadt 's Hertogenbosch kurzzeitig ein globales Zentrum der Vokalmusik. Die 53. Ausgabe des Internationalen Vokalistenwettbewerbs war dieses Jahr dem LiedDuo gewidmet. Von den 74 teilnehmenden Duos mit 35 Nationalitäten erreichten nicht weniger als 14 Liedduos das Halbfinale. Im Finale vergangenen Sonntag, 24. November, präsentierten sich die vier Duos, die ins Finale eingezogen waren. Es war ein schönes und stimmungsvolles Konzert.
Dass aus einer so großen Vielfalt von Teilnehmern nur Damen, zwei Mezzosoprane und zwei Soprane, hervorgegangen waren, wirkte auf den ersten Blick etwas seltsam. Dennoch war überhaupt keine Monotonie zu beobachten. Jedes Duo hatte ein besonders abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Wir hörten keineswegs nur die typischen romantischen Lieder der deutschen Komponisten, sondern auch französische Mélodie oder Musik des zwanzigsten Jahrhunderts. Jedes führte eine niederländische Komposition auf. So entdeckten wir fesselnde Lieder von Robert Heppener, Brechtje van Dijk, Alphons Diepenbrock und Johanna Bordewijk-Roepman.
Der Schwerpunkt des Wettbewerbs lag ausdrücklich auf dem Musizieren als Duo. Es wurde also nicht nur auf die vokalen Fähigkeiten und die Ausdruckskraft des Sängers/der Sängerin beurteilt, sondern es war die Absicht, die Gesamtheit der Interpretation zu beurteilen: die Klavierbegleitung war somit Teil des Erfolgs oder Misserfolgs für das Finale. Lied zu singen ist nämlich ein Ganzes aus Gesang und Begleitung, wobei das Klavier mit Empathie und Unterstützung den Inhalt mitausdrückt. Bei den sechs Jurymitgliedern waren daher auch zwei Pianisten, selbst renommierte Liedbegleiter. Die Jury war übrigens sehr prestigeträchtig mit den berühmten Liedinterpreten Dame Felicity Lott, der niederländischen Mezzosopranistin Jard van Nes, dem niederländischen Bariton Thomas Oliemans, den Pianisten Graham Johnson und David Selig und der Programmleiterin des Concertgebouw Mirjam Wijzenbeek.
Ema Nikolovska, eine ausgezeichnete "Erzählerin"
Von den Damen, die die vier Final-Duos bildeten, waren zwei 26, eine 25 und eine dreißig Jahre alt. Der erste Preis des Wettbewerbs (Eugène Pannebakker LiedDuo-Preis) ging an die kanadische Mezzosopranistin Ema Nikolovska mit dem amerikanischen Pianisten Michael Sikich. Sicherlich ein berechtigter Preis. Ema Nikolovska fiel nicht nur mit ihrer abwechslungsreichen Mezzosopranstimme mit viel Farbe auf, sondern bezauberte durch ihre Natürlichkeit. Zusammen mit Michael Sikich war sie auch eine ausgezeichnete "Erzählerin" der Lieder. Ob sie Schuberts Auf dem See aufführte oder ein Lied aus den Satiren von Schostakowitsch, sie fand immer den richtigen Ton, was in einem so kurzen Programm mit sich änderndem Inhalt von Lied zu Lied sicherlich nicht einfach ist. Die deutsche Mezzosopranistin Esther Valentin war eine völlig andere Erscheinung, eher mit Primadonna-Allüren. Sie wirkte auch etwas distanzierter in ihrer Interpretation, war aber vor allem nachlässig in der Artikulation, wodurch der Text oft kaum zu verstehen war. Es gelang ihr stellenweise, Spannung aufzubauen, wie im Lied von Moritz Eggert oder in Der Feuerreiter von Hugo Wolf. Dabei spielte Pianistin Anastasia Grishutina zweifellos auch eine wichtige Rolle. Esther Valentin ist erst 26 Jahre alt und verdiente damit den Junior Jury Prize. Darüber hinaus konnte ihr vornehmer Charme so sehr bezaubern, dass ihr Duo auch den Pressepreis und den Publikumspreis gewann. Die britische Sopranistin Harriet Burns erhielt eine Auszeichnung für ihre Aufführung des speziell für den Wettbewerb von Sylvia Maessen komponierten poetisch-intimen Werks Oh che tranquillo mar. Gary Beecher, Pianist von Erika Baikoff, erhielt absolut verdient den Rudolf Jansen-Preis, den auch Jansen selbst ihm überreichte. Erika Baikoff war die jüngste Finalistin, die vielleicht noch nicht alle ihre Möglichkeiten ausschöpfen konnte. Sie ließ aber deutlich hören, dass sie sich mit ihrer warmen und zugleich jugendlichen Sopranstimme zu einer Sängerin entwickeln kann, die das Liedgenre in der Vielfalt sowohl von Intimität als auch Leidenschaft mit Verve vertreten kann. Eine charmante Erscheinung. Was wir während dieses Finales nicht hörten, war das Duo, das den Preis der Freunde des IVC erhielt, nämlich der Bariton Vincent Kusters und Pianist Charlie Bo Meijering, die das Halbfinale erreichten.
Schön war natürlich, dass der Direktor des Wettbewerbs, Ivan van Kalmthout, seine Ankündigung der Preisträger mit der Aussage einleitete: "Everybody is a winner". Denn auch bei diesem Wettbewerb ist die Teilnahme natürlich mindestens genauso wichtig wie Gewinnen und sowohl die Vorbereitung als auch die Auftritte sind eine Herausforderung für die jungen Sänger. Darüber hinaus haben sie während der Vorbereitung die Möglichkeit, Meisterkurse mit den renommierten Jurymitgliedern zu besuchen, so dass sie mit zahlreichen Tipps und nützlichen Ratschlägen sowohl technisch als auch interpretativ nach Hause zurückkehren. Ein wunderschöner Wettbewerb, der nicht nur ein hohes Niveau bietet, sondern gleichzeitig in einer informellen und angenehmen Atmosphäre stattfindet. Angenehm, daran teilzunehmen. Nächstes Jahr wird die Ausgabe des Internationalen Vokalistenwettbewerbs 's Hertogenbosch Oper und Oratorium gewidmet.
- WAS: Internationaler Vokalistenwettbewerb LiedDuo, Finale
- WER: Erika Baikoff & Gary Beecher || Ema Nikolovska & Michael Sikich || Esther Valentin & Anastasia Grishutina || Harriet Burns & Ian Tindale
- WO: 's Hertogenbosch, Niederlande
- WANN: Sonntag, 24. November 2019
- FOTO: © Rahul Gandolahage