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Intimität und beißender Tragik

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· 5 Min. Lesezeit
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Intimität und beißender Tragik
Die Oper von Köln präsentiert diese Saison eine der intimsten Opern von Giuseppe Verdi, Luisa Miller. Die Oper gehört noch zu seiner früheren Periode und ist nicht eine seiner am häufigsten aufgeführten, aber sicherlich eine seiner schönsten und ergreifendsten. Eine Gelegenheit also, die man nicht verpassen darf!

Liebe, Intrige und Gift

Diese drei Begriffe gab Verdi als Titel den drei Akten der Oper mit. Jugendliche aufrichtige Liebe, durchkreuzt durch einen niederträchtigen Rivalen, bedroht durch gesellschaftliche Ehre, unter Zwang verleugnet, um das Leben eines Vaters zu retten und schließlich mündend in den Tod der Geliebten: es ist eine sehr knappe Zusammenfassung einer typischen Verdi-Operntrama. Dass Luisa Miller eine der frühen Verdi-Opern ist, tut der Spannung und der äußersten Präzision keinen Abbruch, mit der Verdi die emotionalen Peripetien der Figuren in seiner Musik ausdrückt. In Luisa Miller ist der Begriff von „Ehre" und die damit verbundene unmögliche Liebe wegen eines Standeskonfikts genauso wesentlich wie in dem drei Jahre später geschriebenen La Traviata. Die menschlichen Konflikte, die Verdi zum Gegenstand seiner Opern macht, sind nämlich zeitlos. Auch der Vater-Tochter-Konflikt, so prominent in Verdis Opern, ist hier vorhanden, und eigentlich auch ein Konflikt zwischen Vater und Sohn. Lassen Sie uns einige Namen nennen: In der Oper ist Luisa Miller verliebt in Rodolfo, den Sohn des Grafen Walter. Der Sekretär des Grafen Walter, Wurm ist auch verliebt in Luisa und möchte ihren Vater unter Druck setzen, um Luisa mit ihm verheiraten zu lassen. Graf Walter seinerseits ist mit der Liebe Rodolfos zu Luisa auch nicht zufrieden, denn er möchte, dass sein Sohn die gesellschaftlich wichtige Federica heiratet. Nach viel Gezerre gibt es keinen einzigen Gewinner, denn Rodolfo und Luisa begehen zusammen Selbstmord und kurz bevor er stirbt, ersticht Rodolfo seinen Rivalen Wurm. © Thomas Aurin © Thomas Aurin

Christof Loy wendet "close reading" an

Wie immer erweist sich auch diesmal Regisseur Christoph Loy als Experte für Textverständnis und präzise Umsetzung des Inhalts, allerdings auf äußerst nüchterne Weise. Johannes Leiacker entwarf eine Einheitskulisse: Die ganze Oper spielt sich in einem weißen, kahlen Raum mit einfachem Küchentisch und ein paar Stühlen ab. Die Trapezoidform verleiht ihr stellenweise eine enge Atmosphäre, passend zu den Ereignissen. Im zweiten Akt wird der Raum etwas erweitert durch eine Fensternis mit Spiegel, gleichsam Symbol für den höheren Stand und damit verbundene Eitelkeit der Herzogin Federica. An dem Einfachsten hat Loy genug, um Bedeutung zu schaffen. An der weißen Wand hängt ein kleines Kruzifix, denn in der ländlichen, religiösen Familie von Luisa wird regelmäßig über Gott und seine Barmherzigkeit oder Bestrafung gesprochen. Die Tür am Ende des Trapezoidraums gibt Luisa die Gelegenheit, unbemerkt ein für sie schmerzhaftes Gespräch zwischen Rodolfo und seinem Vater abzuhören und sie erfährt, dass Rodolfo meint, dass sie ihre Liebe zu ihm abgeschworen hat. Es gibt dir Gänsehaut, denn als Zuschauer hast du Kenntnis der verübten Intrige! Auch seine Personenregie ist einmal mehr äußerst aussagekräftig. Der unsympathische Wurm sitzt im ersten Akt fast wie eine graue Maus am Rand des Tisches und schaut zu, entwickelt sich aber zu dem gewissenlosen Schurken, der prominent auf der Bühne das ganze Geschehen beherrscht. Sein unbedeutendes Blumensträußchen, das er zu Luisas Geburtstag dabei hat, kontrastiert scharf mit dem Strauß roter Rosen, mit dem Rodolfo ankommt. Ein einfaches, aber aussagekräftiges Symbol der Rivalität zwischen den beiden Männern, beide verliebt in Luisa. So ist die Aufführung voll von Hinweisen auf unterliegende brodelnde Emotionen, die die Figuren beherrschen.
© Thomas Aurin

Gesanglich meisterhafte Leistung

Die tiefe Männerstimme des Basses Wurm, gesungen von Krzysztof Bączyk verleiht der Geschichte Spannung. Er klang erschreckend als gewalttätiger Schurke. Ólafur Sigurdarson ist dagegen ein Bariton, der als Luisas Vater Verdisches vaterliches Charisma ausstrahlt. Rodrigo Porras Garulo singt einen strahlenden Rodolfo mit heller Stimme, wunderbar gehaltenen Noten und viel Leidenschaft. Für Rodolfo hat Verdi übrigens eine seiner schönsten Tenorarien geschrieben: Quando le sere al placido und der Tenor sang sie mit ergreifender Melancholie. Leidenschaft auch bei der herrlichen Figur Luisa. Sie wurde mit Bravour und Virtuosität verkörpert von Mané Galoyan. Obwohl sie das Opfer der Umstände ist, zeigte die Sängerin, dass sie sicherlich keine Frau ist, die sich wehrlos der Situation ergibt. So verkörperte sie in dieser Aufführung eine jener glänzenden Frauenfiguren, die Verdi geschaffen hat, selbstbewusste und starke Frauen, mit denen er seiner Zeit weit voraus war. Auch die übrigen Partien waren flott besetzt, was sich unter anderem in den Schlussensembles der Akte manifestierte. © Thomas Aurin © Thomas Aurin © Thomas Aurin

Engagiertes Orchester

Roberto Rizzi Brignoli dirigierte offensichtlich mit Herz und Seele das Gürzenich-Orchester Köln, das mit Bravour aber auch mit Nuancierung sowohl sentimentale als auch schmerzhaft bissige Passagen wiedergab. Schöne Solo-Einleitungen von Oboe und Klarinette machten deutlich, dass sich das Orchester den Sängern trotz der schwierigen Position an der Seite der Bühne eng verbunden fühlt. Ein Übel, das mit dem vorübergehenden Aufenthalt der Oper im Staatenhaus zu tun hat. Inzwischen sehr lange "vorübergehend", denn das Kölner Opernhaus ist inzwischen schon gut zehn Jahre in Renovierung… Die Wiedereröffnung war bereits 2015 angekündigt worden, aber der derzeitige Intendant Hein Mulders kann nicht mit Sicherheit sagen, ob es nun 2024 oder 2025 sein wird. Glücklicherweise hat das Publikum den Weg zum Staatenhaus gefunden, denn es fehlte der Vorstellung keineswegs an Begeisterung. Eine Zeitschrift schrieb: "Was wellste machen sagt man in solchen Situationen in Köln". WAS: Luisa Miller - Giuseppe Verdi WO: Oper Köln WER: Christoph Loy [Regie], Gürzenich-Orchester Köln u.L.v. Roberto Rizzi Brignoli

Mit: Ólafur Sigurdarson, Mané Galoyan, Rodrigo Porras Garulo, Krzysztof Bączyk, Dario Russo, Adriana Bastidas-Gamboa

WANN: Sonntag 19-3-2023 (Vorstellungen bis 1-4-2023)
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