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Jan Caeyers startet europäische Konzerttournee Beethoven27 in der Antwerpener Elisabethzaal

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Jan Caeyers startet europäische Konzerttournee Beethoven27 in der Antwerpener Elisabethzaal

Es könnte kein „Gala"-Konzert eleganter sein: Der flämische Ministerpräsident Jan Jambon lud die 27 EU-Kulturminister zu diesem Konzert ein, am Vorabend seines Treffens mit diesen Ministern. Belgien hat nämlich noch bis Ende Juni den Vorsitz der EU inne.

Keine bessere Aufwärmung für sie als Beethovens 9. Sinfonie. Die europäische Hymne basiert darauf, und die 9. Sinfonie hatte vor genau 200 Jahren Premiere. Dieses Mal war es keine bearbeitete Karajan-Version davon. Unmöglich mit Beethoven-Biograf und Dirigent Jan Caeyers. Es war sein Traum, dieses Werk unter idealen Bedingungen aufzuführen. Das bedeutet mit seinem eigenen Le Concert Olympique und dem Wiener Arnold Schoenberg Koor. Auch heute Abend eine Premiere: Dies ist der Beginn einer Konzerttournee, die sie mit den 27 wichtigsten Werken des Komponisten in 27 europäischen Ländern durchführen werden, das Projekt Beethoven27. Ganz passend trägt das Konzert den Titel Call for peace. Aber genug trockene Fakten, nun zum Wort der Musik.

Dennoch noch folgendes. Ein kürzlich von Flandern erworbenes Stück Beethoven-Manuskript übergab der Kulturminister Jan Jambon zur Aufbewahrung und Untersuchung an Bart Demuyt von der Alamire Foundation, dem internationalen Forschungszentrum für Musik aus den Niederlanden. Eine schöne Geste und ein gutes Beispiel für seine Kollegen, um zu zeigen, wie Flandern mit europäischem Erbe umgeht. Es handelt sich um eine seltene Musikskizze für den letzten Teil von Beethovens allererster Klaviersonate, die er im Alter von 26 Jahren schrieb. Die meisten der vielen musikalischen Eingebungen, die er auf diese Weise festhielt, sind verloren gegangen.

Nicht nur die Neunte stand auf dem Programm, zuerst kam die Chorfantasie. Diese schrieb Beethoven bereits etwa 15 Jahre früher, und sie sollte zum Modell für die neunte Sinfonie werden, denn – nie zuvor versucht – er entschließt sich, einen Chor, um diese Fantasie zu beenden. Wenn die Neunte eine Ode an den Frieden und die Freude ist, dann ist die Chorfantasie eine Ode an die Schönheit, so Caeyers.

Es ist Pianist Kit Armstrong, der uns mit seinen frischen und zarten Tastenberührungen zu dieser funkelnden Schönheit führt, zu den Streichern und den Bläsern und schließlich zu jenem ausgezeichneten Chor. Der Amerikaner Armstrong gilt als Wunderkind und ist es auch, wie könnte es anders sein, wenn Alfred Brendel dein Mentor war und Caeyers deinen Weg kreuzt. Er nimmt ihn mit auf seiner Beethoven27-Tournee durch Europa, zusammen mit dem gut eingespielten Orchester, das unter der treibenden Leitung des Dirigenten uns diese Aufwärmung zur Neunten erklingen lässt.

Und dann diese Neunte, ebenfalls ruhig und zögernd im Anfang, aber schnell jenes kraftvolle Rhythmus jenes bekannten Themas und die Wiederholungen und Variationen. Man könnte meinen, dass auch Beethoven ein repetitiver Musiker war. Aber lassen Sie uns das lieber als innovative Erfindungsreichtum auffassen. Und dann jener zweite Satz, das Molto Vivace, es erinnert mich immer an jene tanzende 7. Sinfonie von ihm.

Mit einem schwungvollen Rhythmus hält Caeyers sein Concert Olympique zusammen. Man fragt sich, wie all dies klingen würde, wenn er die Verfügung über eines dieser berühmten Sinfonieorchester hätte oder nicht? Man muss ihm zugeben, dass hier ein Dirigent am Werk ist, der sich durch und durch dem Komponisten verschrieben hat. Allzu oft geht zu viel Aufmerksamkeit auf den Ausführenden, zu wenig auf den Schöpfer. Und Caeyers? Der ist durch und durch in Beethoven bewandert. Partitur? Nicht nötig! Das Orchester spielt ein mitreißendes Adagio unter den ausholenden Gesten eines zurückhaltenden Dirigenten. Ganz anders wird er, als die alarmierenden Töne plötzlich verstummen und Bass Hanno Müller-Brachmann auf die Bühne stürmt und mit seiner wundervollen Stimme fragt: „Nicht diese Töne", anders, freudvoller muss es klingen. Dann bricht jene überwältigende Romantik los. Beherrscht und in ausgreifender Geste zieht der Dirigent siegessicher sein Orchester, seinen Chor und die Solisten mit zur „Ode an die Freude" und zu jenem „Elysium", in das uns die Solisten und besonders Sopranistin Lenneke Ruiten wunderbar hineinführen.

Fürwahr, auf der Bühne brennt es vom göttlichen Feuer, die „Götterfunken" sprühen davon ab. Dies war wahrlich ein Konzert würdig Beethoven.

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