Junger Gott
Was macht jemanden zu einem Spitzendirigenten? Bei Mäkelä ist es keine Jahrzehnte Erfahrung. Dirigieren ist Kommunikation und Überzeugungskraft, und natürlich muss ein Dirigent die Partitur in- und auswendig kennen. Beim Concertgebouw sind es vor allem die Musiker selbst, die ihn als neuen Chef wollen. Er kommt auch aus einem musikalischen Nest und war ursprünglich auf dem Weg, eine Solokarriere als Cellist aufzubauen. Auch als Dirigent bleibt er ein Musiker unter den Musikern. Als junger Gott wird Mäkelä im Management der klassischen Musik natürlich auch wie ein Fotomodell vermarktet. Mozart schrieb seine Pariser Symphonie 1778 im Auftrag der Pariser Concerts Spirituels, einem der ersten öffentlichen Konzertvereine. Für das Pariser Publikum durfte es nicht zu tiefgründig sein und musste viel Lärm machen. Schon von den ersten Akkorden an wird der Saal mit dem reichen Klang des Concertgebouworkest gefüllt, das zusammen mit den Berliner und Wiener Philharmonikern eines der besten Orchester der Welt ist. Wahrscheinlich könnten sie das auch ohne Dirigent, aber Mäkelä fügt einige überraschende Akzente und Nuancen hinzu. Meisterhaft Die niederländische Violinistin Janine Jansen steht bereits seit fast zwanzig Jahren an der Spitze. Das erste Violinkonzert von Prokofiev hat sie auch mit Mäkelä und seinem Oslo Philharmonic aufgenommen. Sie spielt wunderbar verträumt und flehend im ersten Teil, lebhaft und frenetisch im zweiten Teil. Von Jansen hätte ich gedacht, dass sie vielleicht zu expressiv und dramatisch daherkommen würde, aber hier war alles in einer meisterhaften Aufführung im Gleichgewicht. Das Concerto für Orchester von Béla Bartók ist eines der merkwürdigsten Meisterwerke für Orchester des zwanzigsten Jahrhunderts. Er war bereits krank, litt an Leukämie, als er von Serge Koussevitzky den Auftrag erhielt, ein Orchesterwerk zu schreiben. Sein letztes großes Werk ist keine Symphonie, sondern ein Concerto, in dem er Gruppen von Instrumenten im Orchester miteinander concertieren lässt. So ziemlich alles von Bartók steckt darin: unregelmäßige Rhythmen, geheimnisvolle Nachtmusik, aufregende Motive usw. Mäkelä und das Concertgebouworkest machen etwas Großes daraus. Goldener Klang Hier und da gibt es auch etwas, das ich in anderen Aufführungen von Bartóks Concerto für Orchester noch nie gehört habe. Bei der Reprise des Themas in den Fagotten im zweiten Teil (ab Takt 165) lässt der Dirigent das dritte Fagott nicht begleiten, sondern wird seine Partie zur Hauptlinie. Andererseits waren die nervösen Akzente von Viola Cello Bass (ab Takt 57) in demselben Teil kaum zu hören. Ihre Gegenzeitpunkte (Akzent auf dem zweiten Sechzehntel des Takts) sind eine Art offene Wunde in diesem Teil, aber das kam kaum heraus. Im vierten Teil klang das Oboen-Solo dann etwas zu schleppend, das Tempo dieses Teils insgesamt nicht straff genug. Genug Kritik, der Schlussakkord machte alles wett, ein herrlicher goldener Klang, mit dem dieses Eröffnungskonzert der Kölner Philharmonie wunderbar beendet wurde. Die Zugabe war ein schöner Epilog nach Bartók, ein Teil aus den Tänzen von Galánta von Zoltán Kodály.Janine Jansen und Concertgebouworkest Amsterdam zu Gast bei der Kölner Philharmonie
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Von
Willem Erauw
· 4 Min. Lesezeit
Die Kölner Philharmonie ist eine der besonderen Konzertsäle in unserer Region. Zusammen mit dem Museum Ludwig wurde sie von den Architekten Busman und Haberer entworfen und 1986 eröffnet. Sie befindet sich im Herzen von Keulen, in der Nähe des Doms und des Hauptbahnhofs. Das moderne Amphitheater, in dem das Publikum rund um das Podium sitzt, bietet Platz für mehr als 2000 Zuhörer. Es hat zwei Hausorchester (Gürzenich und WDR Orchester), aber es sind vor allem die großen Namen und Orchester, die Saison für Saison zu Gast sind und Publikum anziehen.
Komet
Am Freitag, den 22. August fand das Eröffnungskonzert der Saison 25/26 der Kölner Philharmonie statt. Ich bin vor allem gekommen, um den jungen Dirigenten Klaus Mäkelä einmal live bei der Arbeit zu sehen und zu hören. Bei diesem Konzert dirigiert er das Amsterdam Concertgebouworkest in Mozarts Pariser Symphonie (die 31.) und dem Concerto für Orchester von Béla Bartók. Die niederländische Starviolinistin Janine Jansen ist Solistin im ersten Violinkonzert von Sergei Prokofiev.
Dirigent Klaus Mäkelä ist in den letzten Jahren wie eine Komet durchgebrochen. Vor erst fünf Jahren wurde er, als 24-Jähriger, zum Chefdirigenten des Oslo Philharmonic ernannt. Danach ging es rasend schnell. Er war bereits Gastdirigent und Partner vieler weltberühmter Orchester. Im Jahr 2027 wird er der neue Generalmusikdirektor sowohl des Concertgebouworkest als auch des Chicago Symphony Orchestra. 2027 wird er erst 31 Jahre alt sein. Es ist außergewöhnlich, dass ein Orchester mit einer so langen Tradition wie das Concertgebouw Amsterdam einen so jungen Dirigenten als neuen Chef einstellt.