Musikgenie, hochbegabter Pianist, Wunderkind. Die Etiketten kleben fest auf Kit Armstrong, und mit großem Tamtam wurde er deshalb nach BOZAR geholt. In Brüssel gelang es ihm, all diese Erwartungen einzulösen, und uns doch auch hungrig zurückzulassen.
"Das ist phänomenal" schoss mir durch den Kopf, während Kit Armstrong sich durch Liszts Klaviersonate arbeitete. Naja, arbeitete. Die Mühelosigkeit, mit der das Pianogenie durch die Komposition flatterte, war unglaublich. Eine der anspruchsvollsten Klavierkomposition im westlichen Musikkanon, aber Kit Armstrong ließ sie klingen wie Au Claire de La Lune.
Und da drückt genau der Schuh. Mit offenem Mund sitzt man und starrt auf die technischen Qualitäten des Wunderkinds. Dein Kinn fällt noch ein paar Zentimeter tiefer, wenn er sich an die Orgel setzt, und nicht nur seine Hände, sondern auch seine Füße tanzen über das Instrument. Ich könnte noch ganze Absätze voller Superlative über die technischen Qualitäten von Armstrong schreiben. Er ist so verdammt fesselnd, aber musikalisch ist es nicht wirklich interessant.
Natürlich ist ein Konzert immer eine Zurschaustellung deiner Qualitäten, aber diese technische Raffinesse darf niemals die Oberhand über emotionales Erleben gewinnen. Nicht, dass ich von Kit Armstrong große leidenschaftliche Gesten oder ein aufgeladenes Spektakel erwartet hätte, aber dies hatte viel zu viel von einer Demonstration. Eine, an der es nichts auszusetzen gab, und genau das macht es schwierig, hier negativ zu sein.
Schau, Kit Armstrong ist ein meisterhafter Pianist. Jemand, der seinen Platz in den größten Konzertsälen der Welt absolut verdient. Aber in BOZAR war er wie Feuerwerk ohne Knall. Herrlich anzuschauen, aber man vermisst den Moment, in dem dein Herz schneller schlägt.
- WAS: Franz Liszt auf Klavier und Orgel - Sonate für Klavier in b (S. 178); Fantasie und Fuge über den Choral „Ad nos, ad salutarem undam" (G. Meyerbeer | S. 259)
- WER: Kit Armstrong (Klavier, Orgel)
- WO: Henry Le Boeufzaal, BOZAR, Brüssel
- WANN: Donnerstag, 4. Oktober 2018