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Rezensionen

Farbenfrohe und bildreiche 'Rubens'

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· 5 Min. Lesezeit
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Farbenfrohe und bildreiche 'Rubens'

Die Freilufkonzerte in der Region Antwerpen florieren. Es gibt Jazz Middelheim, inzwischen ein Klassiker. Im Provinzdomäne De Schorre in Boom findet dieses Jahr die zweite Ausgabe von 'Lekker Klassiek' statt und Prinz Simon de Merode präsentiert zum dritten Mal ein Freilicht-Musical auf seinem herrlichen Anwesen in Westerlo. Eine schöne Allianz zwischen Kulturerbe und einem Musical, das sich darüber hinaus an das Stadtfestival 'Antwerpen Barok 2018 Rubens inspireert' anschließt.

Auf weißem Papier

From scratch wurde ein Szenario geschrieben. Es muss gesagt werden, Luc Stevens (Regie & Drehbuch) zauberte keine Geschichte aus dem Ärmel. Es gab umfangreiche historische Recherchen in einem überlegten und durchdachten kreativen Prozess. Das Publikum sieht eine Evokation des Zeitgeistes und die Entwicklung von Rubens in Etappen: vom wissbegierigen und talentierten Jungen, dann Malerlehrling und schließlich Meister Rubens, der gefeierte, geniale Maler. Es gibt den gesellschaftlichen und politischen Kontext, in den mit dichterischer Freiheit eine Queeste eingefügt wurde. Rubens, der Mann, dem alles gelingt, neben einem frustrierten Maler/Zeitgenossen (Oscar Jod), dessen Karriere einfach nicht in Fahrt kommt und der sich nach Rache sehnt. War der Film Amadeus, in dem das Verhältnis zwischen Mozart und Salieri dargestellt wird, eine Inspirationsquelle?

Schauplatz

Die Kulisse verleiht der Aufführung natürlich zusätzliche Reize. Das stattliche Schloss de Merode und die Majestät der Natur beeindrucken die Besucher. Die Augustushitze, die Blattruhe des Abends, die natürliche Dekoration, die Konturen des Schlosses und die Silhouetten der Bäume - alles trägt zu einer besonderen Atmosphäre bei. Das Abendrot färbt den Himmel rosa, orange, bis allmählich die Nacht tiefschwarzt fällt, erfüllt von Sternen. In diesem einzigartigen Rahmen werden die Sinne gereizt: Hören, Sehen, Riechen.

Bühnenbild und Kostüme

Die Bühne ist über dem breiten Schlossgraben aufgebaut und lehnt sich an die Schlossmauer an. Die Konstruktion erinnert mich irgendwie an den Innenhof des Rubenshauses. Das Bühnenbild ist äußerst schlicht, aber die Ausfüllung ist sinnreich und wunderbar. Eine langgestreckte Mauer, deren Struktur und Farbton der Steine schön zu denen des Schlosses passen. Die Mauer besteht aus einer Reihe von aneinandergereihten Rechtecken, getrennt durch Säulen, zwischen denen eine Fülle von Bildmaterial je nach Handlungsort projiziert wird. Die vielen Meisterwerke von Rubens werden ausführlich in einem knallenden Farbenrausch präsentiert, seine Vorstudien in rudimentären Skizzen. Wenn er gegen eine schlechtere Phase kämpft, ähnlich wie bei Schreibblockaden eines Schriftstellers, bekommt alles einen grauen, fahlen Ton. Das Endbild ist einfach wunderbar, eine Bühnendekoration wie ein Kunstkabinett in einer raffinierten Bildsprache. Die Ausstattung der Hauptfiguren, Verantwortung von Marnix Baert, ist üppig. Die Hunderte von Statisten und Tänzern wechseln regelmäßig ihre Kostüme, weshalb das Musical Rubens auch ein wenig zum Kostümdrama wird.

Regie, Musik, Choreografie und Darstellung

Regisseur Luc Stevens behält alles perfekt im Griff. Massenszenen wechseln sich mit intimen Settings, Monologen, Duetten, gemeinsamen Gesängen ab... und alles passt wie ein sorgfältig zusammengestelltes Mosaik ineinander. Als Solisten werden Toptenöre eingesetzt: Jan Schepens ist in Hochform als Rubens und durchläuft die verschiedenen Stadien des gequälten Künstlers, der Tod von Frau und Kind in einer ergreifenden und läuternden emotionalen Erfahrung, das Wiederaufflammen einer neuen Liebe, der Frühling im Herbst seines Lebens mit Verve. Und endet in verfeinertter Ergebenheit und einer Ode an das Leben. Schepens macht daraus eine geschickte theatralische Reise, bald barock und dann wieder feinfühlig musikalisch gefärbt. Hans Peter Janssens stellt als Künstler Oscar Jod eine straffe Figur dar. Der Aufbau seiner Fehde mit Rubens geschieht systematisch und endet mit einer beeindruckenden Katharsis, seine kräftige Stimme wie eine Stichflamme. Die Komposition von Sam Gevers ist beeindruckend und sorgt für Gänsehautmomente. Nordin De Moor schlüpft in die Haut des Künstlers Matthias Apostel. Er lebt vollständig la vie d'artiste und sorgt für die komische Note. Ebenso wie Tenor Glenn Desmedt in der Rolle des eigensinnigen, verrückten Herzogs von Mantua. Der Mann hat eine Donnerstimme und lässt sie schallen. Sébastien De Smet wurde gleich vier Rollen anvertraut: Alva, Meister Van Veen, Caravaggio und Daniël Fourment und verleiht jeder Figur eine eigene Färbung.

Was die weiblichen Rollen betrifft: Die vielseitige Liv Van Aelst verkörpert die Rolle von Rubens' Mutter, Joke Van Robbroeck, meist im Ausland tätig, spielt die liebevolle erste Ehefrau Isabella Brant. Sie bringt verfeinerten Gesang mit einem schönen Timbre, das sowohl zart als auch heftig gefärbt sein kann. Elke Buyle stellt Erzherzogin Isabella, Gräfin la Ligne und Madalena auf die Bühne. Ein eingängiges Fragment, das immer wieder in der Musik von Sam Gevers wiederkehrt, ist das Lied 'Laag over laag', das sowohl die Malerei als auch ein Leben betrifft, das Schicht für Schicht aufgebaut wird. Die große Gruppe von Statisten bekommt viel Raum für Selbstausdruck. Jung und Alt spielen dynamisch.

Bemerkenswert sind auch die Interventionen einer ausgewählten Gruppe von Tänzern der Fontys Hogeschool Tilburg in einer Choreografie von Florian Boutonnier. Das 10-köpfige Orchester unter der Leitung von Sam Gevers spielt organisch in einer bezaubernden Klangfülle mit schönen Akzenten, sanft oder heftig, je nach Ton der Geschichte. Musik, die unter dem Himmelszelt, in der wunderschönen Kulisse, für Magie in der Luft sorgt. Das Musical Rubens ist intelligent inszeniert und auf wunderbare Weise visualisiert, selbst ein barockes Gemälde. Ein schönes Bild am Ende: Alle Statisten erscheinen in ihren alltäglichen Outfits auf der Bühne, wodurch die Hauptrollen noch mehr in den Fokus gestellt werden. Westerlo wird derzeit ein Stück Broadway und West End.

Allerdings ein kleines Manko: störend ist das Brummen des Generators während intimer Szenen.


  • WER: Luc Stevens, Sam Gevers
  • WAS: Openluchtmusical Rubens
  • WO & WANN: kasteel de Merode, Freitag 17. August
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