Das ganze Jahr über studieren hier talentierte junge Musiker aus dem In- und Ausland. Es sind junge artists in residence, die ihre musikalische Ausbildung unter der Leitung von professionellen Top-Musikern vervollkommnen können. Sie folgen dort Meisterkursen, wie man das nennt. Diese Anzahl nahm ständig zu und 2015 kam ein moderner Neubau hinzu, auf der Rückseite der Musikkapelle.
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Musikkapelle 1939 (links), Neubau 2015 (rechts)[/caption]
Dort konnten die Studierenden mit mehr Komfort wohnen, in 25 Studios mit perfekter Schallisolation, wo sie ausgiebig üben konnten, ohne sich gegenseitig zu stören. Es kamen neue Musikdisziplinen hinzu und das vergrößerte NOCH die Attraktivität dieses internationalen Musikcampus mit einer wachsenden Anzahl von Kandidaten als Folge. Was nun?
Die Lösung kam von einer großzügigen Holding. Die Holding SPDG der Familie Périer-D'Ieteren - hauptsächlich in Sektoren wie Nachhaltigkeit investiert - kaufte die Domaine von Argenteuil und stellt sie der Musikkapelle für mindestens 40 Jahre zur Verfügung. Sie wollen damit „die Möglichkeiten der Musikkapelle Königin Elisabeth stärken und die Ausbildung musikalischer Exzellenz unterstützen". Sofort konnte das historische Gelände der Musikkapelle um 136 Hektar erweitert werden und konnte die Aufnahmekapazität einfach verdoppelt werden.
Keine eisernen Gitterzäune oder hässliche Sichtschirme mehr zwischen den beiden angrenzenden Domänen: es führt ein neu angelegter Dolomitpfad hinter dem Neubau der Musikkapelle zum Schloss. Zu Fuß braucht man zwanzig Minuten und man wandelt friedlich entlang dieses Pfades, gesäumt von stattlichen Buchen, Ahornbäumen, Nadelbäumen, alles mit Untervegetation von Farnen und Brombeeren, eine echte Waldumgebung. Man tut es hörend zwitschernder Vögel und - weit in der Ferne - das dumpfe Rauschen des belebten Verkehrs auf dem Brüsseler Ring. Das muss man dazunehmen und so wandelt man in das Schloss von Argenteuil hinein.
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Schloss von Argenteuil[/caption]
Ein Schloss in vollem Umbau, denn Mitte September beginnt die neue MuCH-Saison (MuChapel), das Konzert- und Veranstaltungsprogramm der Musikkapelle. Man kann die Domaine natürlich auch noch über die alte Zufahrtsstraße erreichen, entlang der schönen Platanenallee. Grün überall, ein großer Teil ist übrigens eine geschützte Natura 2000 Zone. Neben dem Empfangsraum entstehen 19 vollständig ausgestattete Zimmer für Residenten und Gemeinschaftsräume: Salons für die Organisation von Meisterkursen wie zum Beispiel im großen Saal, wo Leopold III einst seine selbst gedrehten Dokumentationen zeigte, ein Empfangsraum, der zum Konzertsaal wird, eine Bibliothek, die große und komfortable Küche, wo die jungen Residenten selbst kochen können, Entspannungsräume. Jedenfalls viele Möglichkeiten, hier die gleiche gemütliche Atmosphäre für die Studierenden zu schaffen, wie sie aus dem historischen Gebäude nebenan kennen.
Der neue Direktor Gregor Chapelle legt auch gerne Wert auf Interdisziplinarität in der Ausbildung seiner Studierenden: zukünftige Künstler müssen ihren Horizont erweitern. Zwischen dem Angebot der bestehenden Abteilungen (Violine, Klavier, Cello, Gesang, Viola und Kammermusik) muss es mehr Zusammenarbeit und Austausch geben. Drei Dinge stehen an vorderster Stelle: „Convivialité", wie er es gerne nennt, Exzellenz beim Studium und das alles bereichert durch diesen einzigartigen Naturrahmen.
Nicht ohne Grund trägt das kommende Konzertprogramm von MuCH den Titel „Utopia", sagt künstlerische Direktorin Anne-Lise Parotte „denn letztendlich wird das alles eine verwirklichte Utopie".
Der Startschuss fällt am 15. September. Als Vorgeschmack auf diese Konzerte bekamen die Anwesenden bei diesem Pressebesuch ein kleines Konzert von zwei Residenten, Geigerin Esther Yang und Pianist Kojiro Okada, die Mozart Sonate K.454. Eine authentische Anekdote dazu? Zur Uraufführung hatte Mozart keine Zeit, die Klavierpartitur aufzuschreiben, und spielte sie völlig auswendig…