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Kreuzzug: Eine junge Generation zwischen Albtraum und Utopie

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· 5 Min. Lesezeit
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Kreuzzug: Eine junge Generation zwischen Albtraum und Utopie

Die Zusammenarbeit zwischen Kopergietery und Opera Ballet Vlaanderen ist nicht nur eine beeindruckende Initiative, das Ergebnis ist schlicht "überzeugend". Komponist Frederik Neyrinck und Autor Johan De Smet schaffen eine "Familienoper, in der die Kinderrechte den Ausgangspunkt für eine musikalische Reise bilden". (Vorwort Programmheft Johan De Smet). Nicht einfach – würde ich sagen - eine klare Ideologie mit Spiel und Theater zu verbinden!

Zwei zentrale Figuren und ein wunderbarer Chor

Die Aufführung besteht aus etwa dreizehn Szenen, die sich jeweils auf einen Aspekt konzentrieren, der mit der Welt zu tun hat, in der Kinder (leben müssen). Sie beginnt mit einem wunderschönen Video eines aufgewühlten Meeres, in dem ein kleiner Punkt Leben immer größer wird. Ein Kind, das als Flüchtling angeschwemmt wird? Vor diesem Hintergrund erscheint Rosa, sie ist die tragende Schauspielerin, die die Szenen miteinander verbindet und einen Gesangspartner in Clio hat. Beide bilden den roten Faden durch die Episoden. Rosa steht den Kindern nahe, stellt Fragen, umsorgt sie, spendet Mut, tröstet. Eine wunderbare Figur. Marjan De Schutter ist gleichzeitig einfach und vor allem charismatisch. Johan De Smet legt ihr klare und verständliche Texte in den Mund, auch wenn es um schmerzhafte Themen wie Angst vor der Zukunft und Ungewissheit geht. Nur schade, dass ihre Aussprache manchmal nachlässig ist (etwa "ziededa" und nie Diphthonge bei "ij") – aber das wird wohl als derzeitiger Trend der "gemütlichen" Sprache akzeptiert. Angesichts ihrer Gesamtleistung verblasst diese Kritik als Detail, obwohl korrekte Aussprache genauso gut möglich gewesen wäre. Sie spricht die ganze Aufführung und überrascht dann am Ende mit einem wunderschönen Schlusslied, das ihre engagierte Rolle beim Kinderchor schön abschließt. Laurence Servaes ist ihr singendes "Alter Ego" und kommentiert mit reiner hoher Sopranstimme das Geschehene als lyrisches Gegengewicht zur Erzählung.

Der Kinderchor ist schlicht verblüffend. Es ist, als würden sie sich mühelos den ernstesten Problemen der Kinderrechte stellen. Ohne Pathos oder Theoretisieren verkörpert der Chor Aussagen über das, was in der Welt schief läuft, und über mögliche Zukunftsszenarien. Der Text ist mal flammend, dann poetisch, zart. Er nutzt Symbole wie "niemandskind" oder "niehier". Der Ton ist oft aktivistisch, anklagend, aber niemals wie ein Pamphlet. Die Kinder sind sich ihrer gesellschaftlichen Aufgabe bewusst: "niemals zu klein, um Veränderung zu bewirken". Sie wirbeln über die Bühne und singen, als würde ihr Leben buchstäblich davon abhängen. Sie zeigen Widerstandsfähigkeit und Wendigkeit, ob es um Ausbeutung, Hungersnot, Krieg, Missbrauch, Unsicherheit über die Zukunft geht oder nicht. Sie überwinden Angst und hegen Hoffnung, Zynismus ist ihnen fremd. Manchmal sieht ihr Spiel so natürlich und spontan aus, als würden sie improvisieren, aber es muss verdammt gut einstudiert sein! Glückwunsch an Hendrik Derolez, seit vielen Jahren Leiter des Kinderchors bei Opera Ballet Vlaanderen.

[caption id="attachment_51522" align="alignleft" width="300"] © Opera Ballet Vlaanderen[/caption]

Einheit zwischen Bühne und Musik

Die Musik von Frederik Neyrinck ist so vielfältig, dass sie kaum in ein Genre zu fassen ist. Es steckt ein wildes Tempo in der Musik, angemessen für den engagierten Inhalt. Das Youth Orchestra Flanders bringt Studenten verschiedener belgischer Konservatorien zusammen, die von professionellen Orchestermusikern trainiert werden. Neben der symphonischen Partitur gibt es Passagen von Compact Disk Dummies, die Punk- und Funk-Klänge von den Seitengalerien erzeugen. Die Musik sitzt passend wie ein Handschuh auf Text und Theatergeschehen. Sie akzentuiert Unsicherheit, Bedrohung, Angst, aber in einem Moment der Hoffnung auch Zärtlichkeit und Lyrik. Eine der stärksten Passagen ist diejenige, in der die Kinder ein beängstigendes Bergland überqueren müssen: pure Bedrohung sowohl in der Musik als auch in der dunklen Bühnengestaltung. Es gibt Gänsehaut. Sie bringt die Zusammengehörigkeit und Solidarität zwischen den Kindern stark zum Ausdruck, einer der hoffnungsvollen Aspekte, die zu einer wunderschönen Schlussapothese der Aufführung führt. Außer den geschickten Videoaufnahmen besteht die Bühnengestaltung aus einer komplizierten Konstruktion, die ein Kaleidoskop von Game- und App-Bildern zeigt, die Welt der Jugend. Und – erneut hinweisend auf die starke Verbindung von Bild und Musik – ein "Musiktank" "bewaffnet" mit Violine, Akkordeon und Klarinette/Saxophon. Ein origineller szenischer Fund.

Kruistocht ist eine wunderbare Aufführung, integer und einprägsam. Ein Manifest, das einmal wie ein Albtraum, dann wieder wie ein Märchen wirkt. Hart, aber nicht deprimierend. Der Beifall des Publikums war daher vollkommen berechtigt.

Diese Produktion ist für die Young Audiences Music Awards nominiert. Einer der wichtigsten Preise, der außergewöhnliche Live-Musikproduktionen belohnt, die eine Brücke zu einem jungen Publikum schlagen. Diese Koproduktion mit Kopergietery in einer Regie von Johan De Smet tritt gegen Aufführungen der Wiener Staatsoper, der English Touring Company und der belgischen Kollegen von Theater De Spiegel an. Das Publikum kann über die Website www.yamawards.org mitabstimmen. Am 9. November wird der Gewinner in Tatui, der brasilianischen Musikhauptstadt, bekanntgegeben.

Ich kann mich nicht mit den anderen Nominierten vergleichen, aber nach meinem bescheidenen Urteil hat diese Produktion praktisch alle Trümpfe in der Hand, um gewinnen zu können! Ich hoffe nur, dass die Leser von Klassiek Centraal, die diese Vorstellung in Gent im Frühjahr oder jetzt in Antwerpen besucht haben, ihre Stimme abgeben. Opera Ballet Vlaanderen, Kopergietery und alle, die sich für Kinderrechte einsetzen, werden Ihnen dankbar sein!


WAS: Kruistocht
WER: Frederik Neyrinck, Komponist, Johan De Smet, Libretto und Regie, Hendrik Derolez, Chorleitung, Michiel Delanghe, Dirigent
Mit: Marjan De Schutter, Laurence Servaes, Youth Orchestra Flanders, Symfonisch Orkest Opera Ballet Vlaanderen, Kinderen Theaterateliers Kopergietery, Kinderkoor Opera Ballet Vlaanderen, Compact Disk Dummies, Money Monks, Alice Van Leuven, Violine, Pablo Aranda, Klarinette, Sara Salverius, Akkordeon
WANN: Freitag 27-10-2023
WO: Opera Ballet Vlaanderen, Antwerpen

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