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Die Oboen in der Kammer des Königs

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Die Oboen in der Kammer des Königs
© Ricercar RIC458

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Genau zwei Jahre ago besprach ich vom selben Label Fastes de la Grande Écurie, vom selben Ensemble: Syntagma Amici, damals ergänzt durch Giourdina (klicken Sie hier). Dieses Album war der Musik aus dem Grand Siècle gewidmet, der Periode, in der zwei Ludwige das Szepter schwangen: XIII und XIV. Musik auch, die mit viel Spektakel verbunden war. Es wurden damals am und um den Hof von Versailles viele ausgelassene Feste gegeben, aber auch viele Märsche veranstaltet, wozu selbstverständlich angemessene Musik gehörte. Diese musikalische Rahmung wurde von den verschiedenen Abteilungen der Grand Écurie besorgt, des musikalischen „Waffenarsenals" am Hof, mit Trommeln, Pauken, Trompeten, Kornetten, Sackbuts, Posaunen, Hörnern, Oboen, Fagotten, Pfeifern usw.

1651 kam noch eine fünfte Abteilung hinzu: mit darin dem „Cromorne" (ein typisch französisches Holzblasinstrument unbekannter Herkunft, das zur Oboenfamilie gehört und nichts mit dem deutschen Krummhorn zu tun hat) und der „Trompette Marine", ein Streichinstrument mit nur einer Saite (Monochord), das im Klang der Trompete ähnelte (daher die Bezeichnung). Die Herkunft von „Marine" ist übrigens ungeklärt.

Auf diesem neuen Album, der Titel sagt es bereits: Les Hautbois à la Chambre du Roi, stehen die Holzbläser im Mittelpunkt, Instrumente, die in nahezu allen höfischen musikalischen Aktivitäten eine Rolle spielten, mit hervorgehobener Rolle für Oboen und Fagotte, Instrumente, die sich durch ihren kräftigen und eindringlichen Klang schwer mit anderen Instrumenten vermischen ließen. Hinzu kam, dass sie viel höher gestimmt waren als die Standardstimmung, wie sie von der „Académie", der „Chapelle" oder der „Chambre" verwendet wurde. Dies wird in Mémoire de M. de La Barre sur les musettes et hautbois aus 1735 beschrieben, wovon nachfolgend ein Fragment:

'La musique retomba dans le barbare, et elle y est restée à très peu près, jusques au tams de Louis quatorse, sous le célèbre raygne ou tous les arts on esté portez a leur perfection, la musique a brillé infiniment. Le Camus, Boisset, Dembris et Lambert ont estez les premiers à faire des airs qui exprimassent les parolles, mais surtout le celebre Luly; on peut dire que on devroit l'apeller l'apollon de la France, mais son elevation fit la chute totalle de tous les entiens instrumens, a l'exception du haubois, grâce aux Filidor et Hautteterre [Philidor et Hotteterre, AvdW], lesquels ont tant gâté de bois et soutenus de la musique, qu'ils sont enfin parvenus a le rendre propre pour les concerts.'

Philidor und Hotteterre waren nicht nur bekannte Instrumentenbauer, sondern auch renommierte Instrumentalisten, die aufgrund ihres ersten Handwerks in der Lage waren, die Instrumente an die Klangfarbe der Streicher (Geigen, Gambem) anzupassen und darüber hinaus die Stimmung um fast ein Viertel zu senken. Das war bahnbrechend. Darüber hinaus taten sie alles, um ihre Instrumente länger und dünner zu machen. Dies mit Blick auf mehr Klangverfeinderung und bessere Chromatik. Mit dem Fortschritt der Entwicklung und nachdem die verschiedenen Teile leicht auseinander genommen werden konnten, wurde es auch einfacher, die Bohrung anzupassen.

Auf diese Weise kam es zu einer echten Verwandlung von fast revolutionären Ausmaßen, nicht nur für Oboe und Fagott, sondern auch für (Block-)Flöte, Flageolett und Musette. Aus dieser faszinierenden historischen Perspektive entstand Les Hautbois à la Chambre du Roi.

Das von Jérémie Papasergio gegründete französische Ensemble Syntagma Amici nutzt – es versteht sich fast von selbst – „authentische" Instrumente (obwohl zumeist Nachbauten, denn die Zeit schreitet voran und das Spielen alter Instrumente ist trotz Restaurationen keine Kleinigkeit). Ich gebe Ihnen die für dieses Album verwendeten Instrumente in ihrer ursprünglichen französischen Bezeichnung: hautbois, taille de hautbois, flûte à bec, basson, basse de cromorne, flageolet d'oiseau, violon, taille de violon, basse de viole, basse-taille, dessus de viole, petite basse de violon, théorbe, guitare, chapeau chinois, clavecin, orgue.

Dies ist ansteckende und zumeist würzige Musik in schön stilisierten Aufführungen und in einer dazu passenden aufnahmetechnischen Rahmung, die dem Instrumentarium einen sowohl warmen als auch prägnanten Glanz gibt. Somit ist es eine äußerst farbenfrohe Spiegelung der Musik und des dazu gehörenden Instrumentariums wie es in jenen längst vergangenen Zeiten verwendet wurde. Uneingeschränkt empfohlen!

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