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Der Mann von La Mancha und Jacques Brel

V
· 6 Min. Lesezeit
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Der Mann von La Mancha und Jacques Brel

Das ursprünglich amerikanische Musical 'Man of la Mancha' stammt aus dem Jahr 1965 und basiert auf Cervantes' Roman 'Der scharfsinnige Edelmann Don Quixote von La Mancha'. Dieser erste große Roman der Weltliteratur ist zugleich ein Rückblick auf und eine Parodie des Ritterromans sowie ein Ausblick auf die kommende Modeströmung des Schelmenromans.

Die Produktion wurde inzwischen mehr als 2000 Mal auf fast allen Kontinenten aufgeführt. Eine erste niederländischsprachige Produktion kam bereits 1968 zur Aufführung. Die Premiere fand am 23. Dezember 1968 im Theater Carré mit Guus Hermes, Carry Tefsen und Lex Goudsmid in den Hauptrollen statt. Auch das Koninklijk Ballet van Vlaanderen wagte sich 1993 in einer Übersetzung von Stef Bos an dieses Musical und behielt es zwei Spielzeiten im Repertoire. Cervantes wurde gespielt von Ramses Shaffy, Dulcinea von Frouke Dekker und Sancho Panza von Werther Van der Sarren. Auch Brel geriet unter den Bann dieses scharfsinnigen Narren und fertigte eine französische Bearbeitung an. Brüssel gedenkt in diesem Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen des vierzigsten Todestages dieses einzigartigen Singer/Songwriters und Performers. Brel sang niemals Werke anderer, außer eben im Musical L'Homme de la Mancha, in dem er 170 Mal auf Bühnen in Brüssel und Paris stand. Wer besser als Filip Jordens, der beste Brel-Interpret, könnte in die Schuhe von Don Quixote schlüpfen. KVS und De Munt eröffnen ihre Saison mit dem Broadway-Musical, das Brel übersetzte und vor genau fünfzig Jahren im Brüsseler Opernhaus aufführte.

Regie

Michael De Cock und Junior Mthombeni steckten die Köpfe zusammen, um der Aufführung neuen und zeitgemäßen Schwung zu geben. Trotz Brels Ruhm wurde das Musical damals von verschiedenen Kritikern in Grund und Boden verdammt. Ein außergewöhnlicher und engagierter Singer/Songwriter ist jedoch noch kein glaubwürdiger Schauspieler. Auch ein paar Filme, in denen er mitwirkte, waren kein großer Erfolg. Es war also eine große Herausforderung, den Spieß umzudrehen und die schwebende Figur mit ihren kraftvollen Metaphern verdaulich zu machen. Diese Figur ist nicht aus der Luft gegriffen. Es geht nicht nur um Hirngespinste und Luftschlösser, sondern um feinen Widerstand gegen Heuchelei und Spiessbürgerlichkeit und die Unfähigkeit vieler Menschen, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Das Regisseur-Duo destillierte eine theatrale Mischung aus Musik, Theater, Live-Video und Filmausschnitten.

Mit der Mission der KVS im Hinterkopf, ein offenes Haus für eine multikulturelle Hauptstadt zu sein, wurde eine international zusammengesetzte Besetzung gewählt: weiß, braun, schwarz ist vertreten. Beim Betreten läuft eine Projektion. Jeder, der an der Produktion mitwirkt, hat die Gelegenheit, sich vorzustellen und seinen/ihren ultimativen Traum auszudrücken. Das Bühnenbild ist rudimentär. Wie jeder Leser ein Buch mit seinen eigenen Gedanken und seiner Fantasie ausmalt, wird dies auch vom Zuschauer erwartet. Rechts auf der Bühne erhielten die Musiker, das ansprechende Kammermusik-Ensemble von De Munt unter der Leitung von Bassem Akiki, ihren Platz unter einem Plakat. Links ein Gemisch von Schauspielern/Sängern in den unterschiedlichsten Kostümen. Diese Vermischung der Stile, die Zersplitterung in der ganzen Aufführung stört. Auch Sandburgen bauen und mit einer Spielzeugwindmühle herumzulaufen. Das Publikum ist nicht senil! Es werden alte Filme von Don Quixote gezeigt, neben Bildern von Filip Jordens in der authentischen Landschaft während eines Arbeitsbesuchs. Der Versuch, eine metaphorische Erzählung von vor 400 Jahren in die heutige Zeit zu transponieren, wird in Bildern einer verfallenden Stadt gesucht, den heruntergekommenen Skeletten von Gebäuden, die abgerissen werden. Futuristische Bilder von Superman. Wie bringst du das alles zusammen?

Besetzung

Die schwierigste Rolle ist und bleibt die des Don Quixote, des Mannes, der gegen Windmühlen kämpft, aus einer Herberge in seiner grenzenlosen Fantasie ein Schloss macht, aus einem zinneren Helm einen goldenen und aus der Straßenkatze und dem Mädchen Aldonza seine auserwählte Dulcinea.

Wo liegt die Grenze zwischen Wahnsinn und Scharfsinn? Filip Jordens legt seine Seele und sein Heil in die Rolle, aber es ist wirklich ein Kampf gegen Windmühlen. Das Titellied 'Rêver un impossible rêve', in dem er seine existenzielle Verzweiflung und Hoffnung aussingt, sorgt für Gänsehautmomente. In seinem Gefolge, als wohlgenährter Sancho Panza, der bewegliche und bodenständige Junior Akwety. Das ideale Gegengewicht zu seinem oft ekstatischen Meister. Aldonza/Dulcinea ist wie auf den Leib geschrieben für Ana Naqe, die klassisch ausgebildete und ausdrucksstarke Sopranistin mit albanischen Wurzeln. Eine junge Frau mit Bühnenpräsenz. Sie singt mit schönen Akzenten, roh, heftig oder sanft, je nach Ton der Geschichte. Gibt es zunächst Misstrauen, Ablehnung und Verachtung für die Annäherungen von Don Quixote, sie, die immer das Spielball der Männer war, taut sie langsam auf für den charismatischen Ritter, der sie auf einen Sockel stellt. Wer auch Eindruck macht, ist der junge Tenor, der verschiedene Rollen übernimmt: u.a. der Geistliche. Ihn als Barbier mit einer Follies de Bergère Kopfbedeckung, als eine Art Drag Queen aufzuführen ist wieder ein Fehlgriff.

Weiterhin die wunderschönen ausgebildeten Stimmen der Sopranistin Gwendoline Blondeel, Mezzosopranistin Raphaëlle Green (schade, dass sie nicht mehr zu tun bekam), die Teil der MM Academy sind.

François Beukelaers als Kapitän und der alte Cervantes ist hervorragend gecastet. Mit seinen achtzig Jahren und mehr, seiner langen zarten Gestalt, ist er der zerbrechliche alte Mann in Vollendung. L'Homme de la Mancha handelt von der Liebe als Trieb, aber auch von der erhabenen Liebe und dem Schicksal des suchenden Menschen, der es wagt, außerhalb der Linien zu malen.

Während des Finales wurde das Titellied 'Rêver un impossible rêve' mit dem kompletten Ensemble auf der Vorbühne gesungen. Welch eine Klangmasse, produziert von wunderschönen und kraftvollen Stimmen.

Alles in allem ein Hybrid-Spektakel, bei dem man hungrig bleibt und das liegt nicht an den Schauspielern und Musikern, sondern vor allem an den Regisseuren, die das Ganze aus dem Ruder laufen lassen.


  • WAS: Musical L'Homme de la Mancha, Aufzeichnung Jacques Brel
  • ORGANISATION: KVS Brussel i.s.m. DeMunt
  • WO & WANN: KVS Brussel, 14. September 2018
  • FOTOS: @ Eugenio Szwarcer / KVS, © Studio Daoudi / KVS, © Danny Willems / KVS, © Lien De Trogh / KVSEugenio Szwarcer

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