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Liebe auf einer rosa Wolke

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· 6 Min. Lesezeit
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Liebe auf einer rosa Wolke

Falls es einen Regisseur gibt, den man mit dem Fantasievollen und Märchenhaften in der Oper verbindet, dann ist es Laurent Pelly. Auch in La Cenerentola von Gioacchino Rossini, der Jahresendproduktion der Nationalen Oper in Amsterdam, gibt er seiner üppigen und zugleich feinsinnigen Vorstellungskraft freien Lauf. Gepaart mit der super-rhythmischen musikalischen Leistung des Orchesters und dem Gesangs- und Schauspieltalent der Interpreten entsteht ein Opernerleben, das Freude und Zufriedenheit vermittelt.

Una volta c'era un re … Es war einmal ein König. Mit solch einer Eröffnungszeile von Rossinis La Cenerentola kann man nur ein Märchen erwarten. Aber Rossini tat mehr mit dem ursprünglichen Märchen von Charles Perrault. Die bösartige Stiefmutter ist hier der Vater, Baron Don Magnifico. Es gibt keinen Kürbis, der eine Kutsche wird. Die Fee ist der „Philosoph" Alidoro, der sich zunächst als armer Bettler vorstellt. Last but not least: das Schühchen ist ein Armband, von dem das zweite Exemplar gefunden werden muss! Typisch für Rossini ist natürlich auch die Welt der Verwirrung und des Betrugs, die er durch die Verwechslung des Prinzen mit seinem Diener Dandini erzeugt. Die Vermischung ausgeprägter Buffo-Charaktere wie Don Magnifico mit sentimentaleren Charakteren wie dem Prinzen und Cenerentola verleiht der Oper einen Charakter von Zärtlichkeit und Romantik. So ist La Cenerentola durch die Vermischung des Komischen und Sentimentalen ein typisches Stück des gemischten Genres der Semi-seria-Oper.

Komisch und ergreifend

Überraschend ist der Aufbau von Pellys Szene: Sie geht von einer leeren Bühne aus, auf der die Magd der armen Cenerentola – Besen und Eimer in der Hand – ihre traurige Kavatine Una volta c'era un re singt. Cecilia Molinari tut dies voller Wehmut und Sehnsucht und charakterisiert ihr Personage sofort als ein einsames und demütiges Mädchen. Sehr geschickt werden dann verschiebbare Podeste hereingerollt mit Zimmern des Wohnhauses: Badezimmer, Schlafzimmer der Stiefschwestern, Küchentisch und Schrank, Waschraum mit Waschmaschinen. Ein buntes Durcheinander mit Stehlampe auf dem Sofa, Porzellanfigürchen und so weiter. Sehr realistisch und verschiebbar je nach Inhalt der Szene. Nützlich vor allem, um die Beziehung zwischen Cenerentola und einerseits ihren Stiefschwestern und ihrem Vater sowie andererseits der „magischen" Figur des Alidoro und dem Prinzen und seinem Diener deutlich zu machen.

Pelly deutet durch Details im Dekor an, dass das Schloss verfallen ist. Alles ist dürftig und abgenutzt und die Tapete hängt teilweise von den Wänden herab. Aber dann sorgt Pelly für eine magische Umwandlung: In dem Moment, in dem sich Cenerentola und der Prinz (zu dieser Zeit noch in der Gestalt seines Dieners Dandini) in die Augen schauen, lässt er plötzlich einen rosa Schein über die Bühne leuchten. Es ist ein herrlicher Moment bei dieser wunderschönen Arie Un soave non so che, für die Rossini den brillanten Einfall hatte, die Arie im gleichen Rhythmus zu schreiben wie die melancholische Eröffnungsmelodie von Cenerentola, allerdings mit einer schnelleren Melodie. Laurent Pelly hat von da an die herrliche Inspiration, die Szenerie, die mit dem Ball und der Suche des Prinzen nach einer Verlobten zu tun hat, mit durchscheinenden rosafarbenen Dekorelementen zu illustrieren: Verzaubernd und ganz im Geist der irrealen magischen Welt von Gioacchino Rossini. Kutsche für Cenerentola, Leuchter im Palast: Sie gehören zu einer durchscheinenden Welt, die pure Fantasie ist und Szene für Szene zu einem fantastischen Finale führt. Dass Cenerentola und der Prinz trotzdem auch der reinen Verzauberung entgehen, zeigt auch ihr Kostüm. Solange Dandini den Pseudo-Prinzen spielt, trägt er ein rosafarbenes Kostüm. Sobald der Prinz nicht mehr verkleidet spielt, trägt er einen eleganten grauen Anzug, gemäß dem wunderschönen grauen Kleid mit Tüll der verzauberten Cenerentola als zukünftige Verlobte. Pelly spielt mit Details und feinen Anspielungen, die bald lustig und dann wieder ergreifend sind und kontinuierlich die Mehrdeutigkeit der Geschichte betonen.

Rhythmus und Verwirrung

Pelly gelingt es auch hervorragend, den Kontrast zwischen den Charakteren von Rossinis Oper zu zeigen und zur Musik im Rhythmus zu regissieren. Die empfindliche und zum Dienst verurteilte Cenerentola, die eine Metamorphose vom „hässlichen Entlein" zur erwachsenen, hübschen Frau durchmacht. Der weise Alidoro, der seine Rolle zunächst als Bettler, dann als Philosoph „mit den goldenen Flügeln" (sein Name) und als Motor von Cenerentolas Verwandlung perfekt spielt. Rossini gibt ihnen auch Arien, deren Melodie und Rhythmus ihrem Charakter entsprechen. Die Zärtlichkeit Cenerentolas und das Wunderbare des Alidoro in seiner beeindruckenden Arie La del ciel nel arcano profondo.

Ihnen gegenüber stehen die sonderbar pseudo-aristokratischen Don Magnifico und seine beiden hochmütigen Töchter. Für sie hat Rossini Musik, die vor Ironie strotzt, wie in Don Magnificos Arie über seinen Traum mit dem geflügelten Esel. Oder die stockende Musik, wenn Don Magnifico und die Stiefschwestern entdecken, wer Cenerentola ist, als würde ihnen der Mund offenstehen vor Überraschung. Die Regie passt sich jeweils dem Rhythmus der Musik an, auch bei jedem Auftritt des Chores, des Gefolges des Prinzen. Die rhythmische Regie kulminiert natürlich in den typisch Rossini'schen Crescendi in den Ensembles, wie im sprudelnden Sextett der „Lösung" (Questo è un nodo avviluppato), in dem sich der Diener als Prinz und die Küchenmaid als Dame des Balls entpuppt. Die Charaktere bilden, während sie diese zusätzlich betonten Konsonanten singen, buchstäblich ein wirres hin und her wackelndes Bündel.

Brillanter Belcanto

Die ganze unterhaltsame Geschichte mit ihrer Verführung und ihren Betrügereien ist gleichzeitig ein musikalisches Festmahl mit einem Orchester, das vor Energie und Scharfsinn sprudelt, unter der Leitung des engagierten Dirigenten Daniele Rustoni, der konsequent den richtigen und oft wechselnden Ton des Musikstils anwendet. Das Poetische von Cenerentola und ihrer Begegnung mit dem Prinzen klingt wehmütig und romantisch als Gegengewicht zur lächerlichen Nervosität und Ironie der Schwestern und Don Magnifico. Stimmlich genießen wir ein Spitzenensemble mit dem Highlight der sehr schönen Tenorstimme von Lawrence Brownlee mit seiner hervorragenden Beherrschung des leicht klingenden Kopfregisters. Nicola Alaimo bestätigt seinen Ruf als geborener und echter Buffo-Bariton, Roberto Tagliavini verleiht seine warme und imposante Stimme dem weisen Philosophen Alidoro. In der Vorstellung vom 22. Dezember sang Cecilia Molinari eine ergreifende und entwaffnende Cenerentola mit großer Geschmeidigkeit in den anspruchsvollen Koloraturen. Manchmal klingt die Stimme etwas hart, aber in ihrer berühmten Schlusarie Nacqui all'affanno e al pianto lieferte sie eine herrlich abwechslungsreiche vokale Apotheose ab. Auch musikalisch also eine großartige Aufführung, bei der sich das zahlreiche junge Publikum im Saal grenzenlos amüsiert hat!


  • WAS: Gioacchino Rossini (1792-1868) | La Cenerentola
  • REGIE: Laurent Pelly
  • STIMMEN: Cecilia Molinari, Lawrence Brownlee, Nicola Alaimo, Roberto Tagliavini, Alessandro Arduini, Julietta Aleksanyan, Polly Leech
  • ORCHESTER: Nederlands Kamerorkest en Koor van de Nationale Opera
  • WO: De Nationale Opera, Amsterdam
  • WANN: Sonntag, 22. Dezember 2019 (Aufführungen noch bis einschließlich 28. Dezember)
  • FOTO: © Matthias Baus
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