'Sonico' mit Werk von Eduardo Rovira
Die Frühjahrsausgabe des Festival van Vlaanderen Mechelen war Samstag etwa auf halbem Weg. Wir verfolgten dieses leidenschaftliche und atmosphärische Konzert der international zusammengesetzten Künstlergruppe 'Sonico', mit Wurzeln in Belgien, mit. Tangomusik ist auf der ganzen Welt bekannt. Der argentinische Stil zeichnet sich unter anderem durch seine Melodieusität aus und hat eine reiche und dynamische Entwicklung durchgemacht. Eduardo Rovira und Astor Piazzolla gehörten zu der Generation, die der traditionellen Tango ein Upgrade gaben. Sie entwickelten unabhängig voneinander eine moderne, komplexere Form mit Elementen des Jazz und der klassischen Musik, die als Tango nuevo bekannt ist. Doch ihr Position und Ansatz unterscheiden sich. War Piazzolla ein Mann der Welt und kommerziell ausgerichtet, führte Rovira ein eher zurückgezogenes Leben und ging einen Schritt weiter in der Erkundung. Seine Kompositionen enthalten komplexere Strukturen und ausgesprochene moderne Harmonien. Dadurch wurde seine Musik beim großen Publikum weniger populär, aber gerade sehr geschätzt von Musikern und Kennern. Er war ein fantastischer Bandoneonspiel, ein Instrument, das den typischen melancholischen Klang des Tango bestimmt. Es bekommt daher auch einen prominenten Platz in seinen Kompositionen. Zeit für eine Wiederbelebung.
Gerührt von Meisterschaft
In seiner Einleitung und Erläuterung erzählt Ariel Eberstein mehr über sich selbst und die Entstehung von Sonico. Er spielte in vielen großen und kleinen Musikensembles, blieb aber etwas hungrig, strebte etwas von sich selbst an. Ganz weg von der Avantgarde-Tangomusik Eduardo Roviras macht er es sich zur Aufgabe, das Werk dieses etwas vergessenen Bandoneonspiel und Komponisten, der im Schatten dieses anderen Meisters Astor Piazzolla lebte, aus dem Staub zurückzuholen.
2015 gründete dieser argentinische Kontrabassist, Alumnus des Koninklijk Conservatorium van Brussel, das Projekt 'Sonico'. Dies, nachdem er einen Komponisten entdeckt hatte, der vom Erdboden verschwunden zu sein schien. Es ist sozusagen das Lebenswerk dieses Brüsseler Ensembles, das mit Forschung, Aufnahmen und internationalen Tourneen Roviras Vermächtnis neuen Leben einhaucht und ihm die Anerkennung gibt, die dieser rätselhafte und innovative Musiker/Komponist verdient.
Seitdem ist das Kollektiv die einzige Gruppe weltweit, die sich ausschließlich der Wiederbelebung und Aufführung von Roviras Werk widmet. Um sich herum versammelte er einige Klassenbesten: Drehscheibenfigur Bandoneonspiel Lysandre Donoso, der nur ein Virtuose ist, in der Lage, solch einen Strom von Klängen und Veränderungen im oft schwindelerregenden Tempo zu produzieren. Weiter Alejandro Schwarz Gitarre, Christian Impaziente Oboe und Sängerin Claudia Pannone.
'Argentinisches Glühen' wurde eine Hommage an eine einzigartige musikalische Persönlichkeit, die dem traditionellen Tango neues Leben einhauchte. Das Programm, das Sonico präsentiert, sind nicht die einfachsten Kompositionen. Das Schaffen und Modellieren von Klang sitzt jedoch in ihren Genen. Tangomusik ist nicht nur zum Tanzen, sondern durch die kraftvolle Klangprojektion, bei der subtile Nuancen und Farbabstufungen zum Raffinement der Interpretation beitragen, auch zum intensiven und stillen Zuhören. Roviras Stil verbindet Kraft mit Subtilität, was seine Musik sowohl dynamisch als auch verfeinert macht. Mit Sängerin Claudia Pannone erlebst du auch die emotionale Tiefe. Sie singt über das traditionellste aller Themen: die Liebe zu einem Partner und einem Land. Der Konflikt zwischen Hingabe und Autonomie. Die Poesie liegt in der wohlüberlegten Präzision. Du hörst auf das Rhythmus der Klänge, ihre Intonation und auf das Rhythmus der Bedeutung und wie diese beiden miteinander verflochten werden. Du wirst berührt von der unergründlichen Schönheit jeder Komposition, ein unfassbares Phänomen. Kurz zusammengefasst: ein mitreißendes Erlebnis.