Es erscheinen immer noch unzählige CDs, aber nur ein verhältnismäßig bescheidener Prozentsatz davon bietet wirklich abenteuerliches Repertoire. Ein Grund mehr also, außergewöhnliche Produktionen hoch auf die Rangliste zu setzen, und erst recht, wenn die Aufführung eine ebenso besondere Klasse ausstrahlt. Dies sind die beiden Eigenschaften, die Made in USA über das Durchschnittliche hinaushebt.
Gershwins Rhapsody in Blue hören wir gewöhnlich in der Orchesterversion, und die drei anderen auf diesem Album aufgezeichneten Werke können durchaus als weiße Raben bezeichnet werden. Es gibt allerdings einen mildernden Umstand: die Fülle westlicher Kompositionen, die mit der Zeit nur noch zunimmt. Wer die Rosinen aus dem Kuchen herauspicken will, dem wartet ohnehin eine enorme Aufgabe.
Was dieses neue Album in erster Linie bietet, sind die fesselnden, stark miteinander kontrastierenden Kompositionen, die so ein wahrer Schmelztiegel von Stilen und Einflüssen darstellen. Was sie jedoch alle miteinander gemeinsam haben, ist der Mut, ohne den diese Stücke nicht entstanden wären. Nur durch Abweichung von den durch die Tradition gebannten und bestimmten Pfaden konnten neue musikalische Perspektiven eröffnet werden.
Im CD-Booklet erzählt die in Frankfurt am Main wohnende amerikanische Pianistin, was sie während der Vorbereitung und Aufnahme dieses Albums vor allem bewegte: diese Stücke mit einem ganz neuen Blick zu betrachten, ungehindert durch äußere Einflüsse. Dass ihre endgültige Wahl für diese vier Werke auf „Qual der Wahl" hinauslief, aber sie so kombinierte, dass sie sich in einem Rezitalprogramm gegenseitig verstärken würden und den einzigartigen „Geschmack" jedes vertretenen Komponisten unterstreichen würden.
Die Variations on Balkan Themes von Amy Beach (1867-1944) bilden für Huangci das Herz und die Seele dieser Ausgabe. Beach, die postum schon seit geraumer Zeit die (Wieder)entdeckung ihres Werkes erleben darf (wie das auch für so viele andere weibliche Komponisten gilt).
Beach komponierte das Stück 1904, ohne allerdings jemals auf dem Balkan gewesen zu sein. Die „Werkzeuge" für ihr Variationswerk wurden ihr von Pfarrer William W. Sleeper in die Hand gegeben, der zusammen mit einer Reihe anderer Missionare tatsächlich dort gewesen war und aus dem Gedächtnis eine Reihe von Volkmelodien vom Balkan in Beachs Gegenwart am Klavier vorspielte.