Das MAfestival in Brugge drehte sich dieses Jahr um die Frau – mit dem aussagekräftigen Titel „Cherchez la femme". Diese Frau begegnete uns sowohl unter den Komponisten als auch unter den Ausführenden oder zentralen Figuren der programmierten Stücke. Im Falle von Debussys Oper Pelléas et Mélisande war der Anlass doppelt: der Geburtstag von Claude Debussy und die Protagonistin Mélisande.
Szenische Einfachheit
Die Produktion der Adaption der Oper von Claude Debussy durch Marius Constant mit dem Titel „Impressions de Pelléas" wurde ursprünglich im Novecento festival 2017 in Leuven aufgelegt. Es war jedoch eine sehr gute Idee des MAfestivals, sie im Concertgebouw in dem Jahr, in dem der hundertste Jahrestag von Debussys Tod begangen wird, erneut Platz zu geben. Die Oper wurde selbstverständlich gekürzt, aber der wichtigste Eingriff ist die Adaption zur Kammermusikversion mit zwei Klavieren.
Es scheint ein Meisterstück von Marius Constant zu sein, die Orchesterversion in eine Klavierpartitur umzuwandeln und dabei großen Respekt vor Debussys Farbigkeit zu wahren. Setzt man dabei zwei Pianisten wie Jan Michiels und Inge Spinette (Duo Yin-Yang) an die Klaviere, ist das Ergebnis eine subtile Aufführung mit ausgezeichneter Affinität zur Atmosphäre von Debussys symbolistischer Oper. Zumal sie auf dem Flügel, der kürzlich von Klavierbauer Maene entworfen wurde, musizierten.
Für die szenische Produktion zeichneten Klaas Verpoest, Dimitri Stuyven und Pieter Bergé verantwortlich. Szenisch beschränkte sich die Aufführung auf ein durchsichtiges Gazegewebe, hinter dem die Figuren in Halbdunkel verborgen waren und durch ausgeklügelte Beleuchtung in den Vordergrund traten. Auf dem Dekorationsvorhang wurde der gesungene Text projiziert, wobei verschiedene Typographien verwendet wurden (wie manchmal in einem Kinderbuch). Diese Textprojektion kam der Verständlichkeit sicherlich zugute, war aber für diejenigen, die die Oper kennen, manchmal auch störend. Und überflüssig, da die Sänger ihre Partien mit ausgezeichneter Diktion vorgetragen haben. Aber der Text ist in jedem Fall sehr wichtig in der musikalischen Prosodie und daher war diese Wahl in jedem Fall zu rechtfertigen.
Wer ist Mélisande?
Es war eine naheliegende, aber schwer zu beantwortende Frage von Stef Grondelaers in seinem Gespräch mit Jan Michiels und Inge Spinette als Einleitung zu der Aufführung. Nach der Aufführung und dank der sublimen Interpretation von Lore Binon ist man geneigt, einfach zu antworten: Mélisande ist Lore Binon! Ihre zarte Erscheinung (in einem wunderschönen Jugendstil-Kleid), ihre feinsinnige, aber o so nuancierte und subtil geführte Stimme, macht aus ihr eine authentische mysteriöse und sanfte Frau, mit der man sich Mélisande vorstellen kann. Eine Frau, die unerreichbar und unantastbar ist, aber in ihrer Geheimnisvollheit fasziniert.
Sie war umgeben von dem, was wir einfach einen Top-Cast belgischer Sänger nennen können. Tenor Yves Saelens sang Pelléas mit seiner lyrischen samtweiches Stimme, die auch den dramatischen Momenten schöne Akzente gab. Auch die anderen Sänger (Ivan Thirion - Golaud, Angélique Noldus - Geneviève, Tijl Faveyts – Arkel und Camille Bauer - Yniold) waren ausgezeichnet in ihren Partien. Sänger, deren Karriere zu verfolgen es sich lohnt. Erwähnen wir beispielsweise den baldigen Auftritt von Tijl Faveyts als Sarastro in der Eröffnungsproduktion des Muntschouwburg (September 2018).
Auch für diesen Typ von Kammeraufführungen erweist sich die Akustik des Concertgebouws in Brugge als ideal, und da der Saal gut gefüllt war, war die Atmosphäre optimal und der Applaus zurecht ausgelassen.
- WAS: MAfestival 'Cherchez la femme' - Pelléas et Mélisande von Claude Debussy
- WER: Lore Binon, Yves Saelens, Duo Yin-Yang (Inge Spinette und Jan Michiels), Ivan Thirion, Angélique Noldus, Tijl Faveyts und Camille Bauer
- WO & WANN: Concertgebouw Brugge, 16. August 2018
- FOTOS: mt