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Glanzvoller Domingo in stimmungsvollem I due Foscari

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· 5 Min. Lesezeit
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Glanzvoller Domingo in stimmungsvollem I due Foscari

**** Die Oper I due Foscari gehört noch zur frühen Schaffensperiode von Giuseppe Verdi, was in seinem reichhaltigen Werk oft gleichbedeutend mit einer (zu) wenig bekannten Oper ist. Diese Aufnahme aus dem Teatro alla Scala in Mailand ist ein ausgezeichnetes Gegenmittel dagegen. Dank einer erstklassigen Interpretation der Hauptrollen, angeführt von Placido Domingo, und der sehr sorgfältigen und wunderschönen Inszenierung.

Die Geschichte spielt sich in Venedig in der Mitte des 15. Jahrhunderts ab. Die zwei "Foscari" des Titels sind Vater und Sohn Foscari. Francesco Foscari ist der Doge von Venedig. Sein Sohn Jacopo ist vom "Rat der Zehn", einer Art venezianischer Inquisition, zu lebenslanger Verbannung verurteilt worden. Das Urteil wurde ausgelöst durch ein Mitglied einer anderen venezianischen Adelsfamilie: Jacopo Loredano, der meint, dass die Foscaris schuldig am Mord an seinem Vater und Onkel sind. Francesco Foscari ringt die ganze Oper hindurch mit dem Dilemma zwischen der Liebe zu seinem Sohn und der Akzeptanz der gerechten Strafe für ein Verbrechen. Darüber hinaus werden die Ehefrau von Jacopo, Lucrezia Contarini, und seine zwei Kinder Opfer der Verbannung. Die Flehen von Lucrezia können Loredano nicht zu Milde bewegen. Schließlich geht Jacopo Foscari in die Verbannung, und dann schlägt das Schicksal doppelt grausam zu: Der Doge erfährt, dass ein anderer venezianischer Edelmann den Mord, dessen Jacopo beschuldigt wird, auf seinem Sterbebett gestand, aber gleichzeitig ist Jacopo Foscari auf dem Schiff beim Verlassen Venedigs gestorben.

Die Tragik der Unversöhnlichkeit zwischen dem Gesellschaftlichen und dem Privaten führt, wie immer bei Verdi, in dieser Oper zu sehr ergreifenden und schmerzhaften Szenen. Bereits im ersten Akt steht jede Arie, jede Konfrontation im Zeichen der allgemeinen Traurigkeit der Situation. Die Traurigkeit des Dogen, gefangen in der Gesetzmäßigkeit des Rats der Zehn (Eccomi solo alfine im ersten Akt), die schmerzhafte Konfrontation mit Jacapos Ehefrau Lucrezia (Di sua innocenza dubiti?): Alles ist düster gestimmt. Regisseur Alvis Hermanis, der auch für die Bühnengestaltung zeichnet, hat ein stimmungsvolles Bild eines nebligen Venedig entworfen, mit dem ikonischen Löwen des San-Marco-Platzes als Symbol für die Dogestadt. Wie in seiner Inszenierung von Jenufa in der Munt 2014 inspiriert er sich an der "couleur locale" des Gegenstands, in diesem Fall also stimmungsvolle venezianische Ausblicke. Die Oper eröffnet mit einer Szene, in der Domingo schmerzvoll auf dem kräftigen Löwen lehnt. Eine düstere Vorausdeutung des verhängnisvollen Ausgangs. Die Ausstattung ist der Periode des Geschehens treu und die Dekorationen und Kostüme sind wunderbar. Das Ballett verleiht manchmal einen Aspekt ironischer Distanz gegenüber dem Ernst der historischen Schwere. Im dritten Akt, wo es die Gondolieri andeutet (in Einklang mit der Musik), macht es Sinn, aber bei der sehr schönen Arie von Jacopo im zweiten Akt ist das Ballett im Hintergrund eine unnötige Ablenkung.

Großartiger Applaus

Die ganze Oper hängt von den drei Hauptfiguren ab – jede auf ihre Weise ein Opfer: Vater Francesco und Sohn Jacopo Foscari und die Ehefrau Lucrezia. Merkwürdigerweise hat derjenige, der die Ursache des Dramas ist, Jacopo Loredano (ebenfalls ein Bariton), nur eine untergeordnete Rolle und nicht einmal eine echte Arie. Als alter Vater (dem Libretto zufolge ist er ein Mann von vierundachtzig Jahren) spielt Placido Domingo wunderbar seine Rolle. Er schlüpft ganz in die Haut des Vaters, der mit dem Konflikt zwischen väterlicher Emotion und Besorgnis und der Unerschütterlichkeit des Gesetzes ringt, das er zu respektieren hat. Im Terzett des zweiten Akts ist er buchstäblich hin- und hergerissen zwischen "Padre" und "Doge". In dieser wunderschönen Baritonpartie zeigt Domingo erneut ein Stück meisterhafter Schauspielkunst und vokaler Ausdruckskraft. Auch in der Schicksalsszene im dritten Akt ist Domingo einzigartig. Er hat eine Grimasse in seiner Mimik gegenüber seinen Angreifern, ist autoritär und selbstbewusst, aber gleichzeitig gibt es diesen verhaltenen Zorn in seiner Stimme. Was für ein Sänger! Auch die beiden anderen Hauptrollen sind ausgezeichnet besetzt. Francesco Meli ist wahrscheinlich einer der besten Verdi-Tenöre des Augenblicks. Er bekommt eine schöne Eröffnungsarie mit einer lebhaft aufgeregten Cabaletta typisch für den frühen Verdi. Francesco Meli hat ein schönes homogenes Timbre und dramatische Kraft, die beherrscht bleibt, so dass wir in der langen Partie keinen schreienden Tenor zu hören bekommen. Als Lucrezia macht Anna Pirozzi einen schönen Eindruck mit einer kraftvollen und ausdrucksstarken Stimme. Ihr Widerstand gegen die fatale und kühle Gesetzmäßigkeit verleihen ihr einen edlen Charakter, und so singt Pirozzi ihre Rolle als Ehefrau auch. Kein Wunder, dass sie am Ende der Aufführung einen großartigen Applaus genießen durfte. Auch Dirigent Michele Mariotti teilte zurecht in der Begeisterung des Publikums. Er holte die richtigen Akzente aus dem Orchester heraus, um die Emotionalität und intensive Dramatik von Verdis Musik zum Leben zu erwecken.

Eine Aufführung, die den Ruf dieser frühen Verdi hoffentlich ein wenig aufpolieren kann, dank der schönen Produktion mit einer sorgfältigen, stimmungsvollen und historisch getreuen Inszenierung von Alvis Hermanis, guten Sängern und einer meisterhaften Interpretation von Placido Domingo.


  • WAS: Giuseppe Verdi (1813-1901) | I due Foscari
  • REGIE: Alvis Hermanis
  • STIMMEN: Placido Domingo, Francesco Meli, Anna Pirozzi, Andrea Concetti, ...
  • ORCHESTER: Chor und Orchester des Teatro alla Scala u.L.v. Michele Mariotti
  • AUSGABE: Dvd CMajor Unitel 742104

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