Der große Maxim Vengerov, einer der weltweit berühmtesten Violinisten des Moments, den kann man nicht jeden Tag live bewundern. Es war möglich in der Konzertsaal der Musica Mundi School während des Musica Mundi Festival 2025, Vengerov ist 'Goodwill Ambassador' dieser Talentschule,
Dass es ein Erfolg wurde, verstehst du sofort aus der Tatsache, dass gerade mal vier (4) Zugaben gegeben wurden, obwohl diese Großzügigkeit auch an dem enormen Enthusiasmus der anwesenden jungen Studenten lag, die die Musiker jubelnd anfeuerten, als wäre es ein Popfestival. Es wirkt ansteckend und das spiegelt sich auch in der Interpretation wider, ist mein persönlicher Eindruck. Es macht die Musiker etwas lockerer, aber Vorsicht, denn dann kann es vorkommen, dass ein kleiner Fehler oder eine Ungenauigkeit gespielt wird… Auch die 'Großen der Welt' sind nicht frei von Fehlern, aber danach werden wir ein Konzert nicht beurteilen. Die Professionalität, die Leichtigkeit, mit der gespielt wird, die Harmonie zwischen der Violine und dem Klavier und vor allem die musikalische Geschichte, der Inhalt, den man zu hören bekommt: das ist, was zählt und zählt es an diesem Abend.
Bereits beim ersten Einsatz von Schuberts Sonatine Nr. 3 D408 wirst du in diese so typischen Schubert-Melodien hineingezogen, die Violine und das Klavier singen und Gänsehaut und sogar ein Kloß im Hals bemächtigen sich deiner. O ja, so soll es sein. Irgendwie ergreift die Pianistin noch mehr als der Violinist. Das ist auch so in Brahms Sonate Nr. 3 opus 108. Es wird eine gewaltige, kraftvolle Interpretation, sehr subtil eingeleitet. Hin und wieder überrumpeln die Dezibel den Zuhörer und das wird während der Pause von einer vollen halben Stunde nachwirken. Ja, Brahms hatte es sich anscheinend emotional schwer gemacht, als er diese Sonate zu Papier brachte.
Noch mehr Schwermut und eindringliche Zwietracht bekommst du mit der Violinsonate opus 134 von Shostakovich. Während der erste Satz, das Andante, ziemlich suchend wirkt, bekommst du im zweiten Satz, das Allegretto, gehetztes Wildes und im dritten Satz, Variationen über ein Thema, hörst du Hoffnungslosigkeit, Ratlosigkeit. Wohin sollen wir gehen? Was erwartet uns? Kann es so weitergehen? Eine typische Geschichte für den Komponisten, der in den schwierigen Jahren der Sowjetunion komponierte und versuchte, alle Geister mit seinem Werk zufrieden zu stellen, das voller Anklagen steckt. Er tat es trotzdem und so auch das Duo dieses Abends, das zu Recht stehende Ovationen erhielt, langanhaltenden Applaus und bedankte sich mit vier Zugaben. Es wurde spät, aber wer sagt oder schreibt, dass es das nicht wert war? Genau, niemand.