In der Sint-Andrieskerk in Antwerpen führte das Ensemble Capella Nova am Samstag, 20. Oktober, Werke von Johan Sebastian Bach auf. Am Sonntag, 21. Oktober, wurde das Konzert in Alden Biesen wiederholt. Wir hörten in der monumentalen Sint-Andrieskerk zu. Ein Eindruck, der stark anschließt an das, was Gust Cambré über dieses Programm im Februar dieses Jahres schrieb.
Capella Nova, 1999 gegründet und seitdem unter der Leitung der Musikwissenschaftlerin Marleen Reynders, ist ein instrumental und vokal besetztes Ensemble von, nach eigenem Bekunden, pre-professionellem Niveau. Diese Selbstcharakterisierung zeigt bereits, dass sie das Amateurhafte überwinden und sich ernsthaft mit Musik befassen wollen. Das Ensemble, das sich früher auf alte Musik und Polyphonie spezialisiert hatte, brachte in der Sint-Andrieskerk Werke von Bach: eine Auswahl von 4 Motetten (BWV 229, 226, 225 und 227), die Suite in F-Dur Sonate und Siciliano (BWV 1031) und die Kantate Gottes Zeit ist die Allerbeste Zeit, besser bekannt als die Actus Tragicus (BWV 106).
Der Besuch war schwach. Wir zählten nur etwa 60 Musikliebhaber, darunter nicht wenige Freunde und Familienmitglieder der Musiker auf der Bühne selbst. Das konnte aber die Freude nicht trüben! Während sich die erste Abendkühle in der Kirche bemerkbar machte, konzertierte das Ensemble eine begeisterte, menschliche Wärme in das Gotteshaus. Besonderes Lob für die Dirigentin Marleen Reynders, die mit Bach doch einen anderen Stil anschlug als gewöhnlich. Reynders bewies jedoch auch mit Bach umgehen zu können. Die schnellen Tempi erinnerten an die Aufführungspraxis unseres Landsmanns Philippe Herreweghe, der dafür bekannt ist, Bach swingen zu lassen, während beispielsweise der Österreicher Nicolaus Harnoncourt, Gefährte der authentischen Aufführung, eher die Feierlichkeit in Bachs Musik suchte. Auch die Idee, den Chor verdoppelt in einer Art Frage-Antwort-Position aufzustellen, fand Zustimmung. Es bleibt erfrischend für den Musikliebhaber, Konzerte von Musikern zu besuchen, die mit Herz und Seele über die Musik nachdenken, die sie bringen!
Der Hauptteil dieser Musik bestand aus Bachs Motetten, sechs insgesamt, von denen vier aufgeführt wurden. Sie wurden ursprünglich als Begleitung bei einer Beerdigung geschrieben. Lehrer und Schüler der Thomasschule aus Leipzig zogen dann unter Aufführung der Motetten zum Haus des Verstorbenen, noch vor dem Gottesdienst. Von einer Beerdigungsstimmung war Samstagabend jedoch keine Rede. Die Chorsänger schmenkten ihre besten Stimmen und gaben ihr Bestes, mit einem anständigen Ergebnis. Aber nicht jeder Sänger und Sängerin erreichte das gewünschte Niveau, wodurch die Klangeinheit litt. Einige Soprane sorgten für leicht störende musikalische Ausschweifungen, während ein paar schwächere Bässe nicht für ausreichende Unterstützung sorgen konnten. Auch für einige Solisten war es stellenweise nervös. Der Organist und Cellist jedoch, zwei Felsen in der musikalischen Brandung, wussten die gelegentlichen Fehler schön und richtig zu kanalisieren.
Heikel wurde es nie! Außer wenn der Blockflötist, auf etwas gewagte Weise und nach einem gelungenen Auftritt, die Bühne verlassen wollte. Er schätzte, noch sichtbar nachnießend von seiner Leistung, die Höhe des Hindernisses leicht falsch ein und machte ungnädig Bekanntschaft mit dem kalten Marmorboden ... Glücklicherweise ohne großen Schaden. Der schwache Besuch blieb eine sehr bedauerliche Angelegenheit, sorgte aber andererseits dafür, dass das Konzert in intimer, fast familiärer Atmosphäre ablief. Die Abwesenden hatten, wie immer, einfach wieder unrecht: Alles in allem war es eine angenehme musikalische Erfahrung. Ich freue mich schon auf das nächste Konzert von Capella Nova, gerne dann mit polyphonem Werk aus eigenem Land.
- WER: Capella Nova
- WAS: Motetten von Bach
- WO: Sint-Andrieskerk, Antwerpen
- WANN: 20. Oktober 2018