Zum Himmel aufblicken und über den Kosmos nachdenken… Es ist eine Beschäftigung aller Zeiten. Der inspirierende Sternenstaub rieselt auch auf die Notenlinien herab. Werke mit dem Weltraum als Thema, wie The Planets von Gustav Holst, sind davon das Ergebnis. Der Himmel über uns stellt sich als unerschöpfliche Inspirationsquelle heraus. In diesem Artikel kommen drei zeitgenössische Komponisten — Ekanayaka, Humet und Gísladóttir — zur Sprache, die jeweils ihre eigene Interpretation in Klängen ausdrücken.
Mit ihrer CD The Planets & Humanity begibt sich die sri-lankisch-britische Pianistin Tanya Ekanayaka (°1977) auf die Suche nach dem organischen Moment, wenn Zeit und Raum miteinander verschmelzen. Ihre Antwort sucht sie am Sternenhimmel. Die acht Tracks auf dieser CD sind nach den acht Planeten unseres Sonnensystems benannt. Jeder spiegelt einen unserer sieben Kontinente wider, mit Ausnahme von Earth — Life (Track 6), das über die Verflechtung von Schmerz und Hoffnung als Reaktion auf die COVID-Pandemie nachdenkt. In sechs der acht Teile (Erde und Merkur nicht) nutzt Ekanayaka Melodien, die von indigenen Völkern entlehnt sind.
Die Idee, die Himmelskörper mit indigenen Völkern zu verbinden, erinnert an Music and Women (1948) von Sophie Drinker. Sie schrieb eine Musikgeschichte über die Beziehung zwischen Frauen, Musik und ihrem rituellen Ursprung. Dafür studierte Drinker die Musik isolierter Völker und unterteilte ihr Buch nach Mondphasen. Wie die Mondbahn sind auch Ekanayakas Kompositionen zyklisch. Jeder Teil endet mit einem Echo zum Anfang, wodurch, wie die Komponistin selbst betont, die Werke endlos wiederholt werden können. Mit einer beeindruckenden Palette von Klangfarben (dank Ekanayakas Synästhesie) und wiederkehrenden Techniken sind die verschiedenen Planeten stilistisch miteinander verbunden. Eine symbolische Erinnerung an ihre gegenseitige Verbundenheit im Universum.
Der spanische Komponist Ramón Humet (°1968) wird in seiner Musik stark von Zen und der Natur beeinflusst. In seiner a-cappella-Reihe Llum (2016, Licht im Katalanischen) mit spirituellen Gedichten von Vincenç Santamaria kommt sein zeitloser und klarer Stil vollständig zur Geltung. Der Lettischen Radio Choir sang 2020 die Uraufführung dieses Werkes, die auf dieser CD zu hören ist.
Llum beginnt mit „Tanca els ulls", was mit „schließe deine Augen" übersetzt wird. Und das ist genau das, was du tun musst, um diese Musik zu erleben. Es ist eine Reise durch ein Geflecht von Stimmen. Vom statischen und meditativen ersten Teil wird die Musik immer veränderlicher, je weiter das Werk fortschreitet. Dennoch bleibt die Zen-Atmosphäre das ganze Werk über resonant. Die Bewegungen erfolgen langsam, wodurch der Fokus nicht auf der Aktion, sondern auf dem Sein liegt. Dies gibt dem Chorwerk einen fast hypnotisierenden Charakter. Der Lettische Radio Choir versteht es, diese meditative Musik vollständig zum Leben zu erwecken. Die Soprane scheinen durch den Raum zu schweben, die Bässe sorgen für die Tiefen, während die Altos zusammen mit den Tenören diese Klangwolke färben.
Die Klangwelt in Caeli ist in zwei Worten fesselnd und einzigartig. Die Musik ist eine Personifizierung des Kosmos in den Händen der isländischen Komponistin und Kontrabassistin Bára Gísladóttir (°1989) mit ihrem festen Partner, Elektrobassist Skúli Sverrisson. Es gibt eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit für verschiedene Texturernuancen und musikalische Schichten. Mit den ersten Noten von „Unum caelum" (Track 1) wirkt ein erster Eindruck eher geladen und dunkel. Während dich die freie Endlosigkeit erfasst, entdeckst du eine gewisse Freiheit durch das Fehlen von Grenzen. Du schwebst im Raum. Zusammen mit der Musik.
Informationen
3.6/5
Ekanayaka: The Planets & Humanity
- WER: Tanya Ekanayaka [piano]
- WAS: The Planets & Humanity
- AUSGABE: Grand Piano — GP879
- BESTELLEN: JPC
Humet: Light (Llum)
- WER: Latvian Radio Choir u.l.v. Sigvards Kļava
- WAS: Light (Llum)
- AUSGABE: Ondine — ODE1389-2
- BESTELLEN: JPC
4.1/5
3.9/5
Gísladóttir: Caeli
- WER: Bára Gísladóttir [Kontrabass], Skúli Sverrisson [Kontrabass]
- WAS: Caeli
- AUSGABE: Sono Luminus — SLE 70020
- BESTELLEN: JPC